Natur Biber erobern neue Reviere in Oberlausitz

In der Fastenzeit war der Biber früher eine beliebte Speise, ein sogenanntes "Herrgottsbescheißerle": Fleisch war verboten, Fisch erlaubt und so wurde der Biber wegen seines platten Schwanzes kurzerhand zum Fisch erklärt. Der Biber als Fastenspeise war einer der Gründe, warum der Nager vor etwa 200 Jahren hier in der Oberlausitz von der Bildfläche verschwand. Mittlerweile ist der Biber aber wieder aufgetaucht, erobert immer neue Reviere.

Biber
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Die Oberlausitzer Auenlandschaften an der Neiße mit unzähligen kleinen Bachläufe in der Heide- und Teichlandschaft, einsamen Wasserlöchern und kleinen Nebenarmen von Spree, Schöps und Schwarzer Elster sind ein Paradies für Tiere. Das haben auch der ursprünglich aus Amerika stammende Mink, der Wolf und jetzt auch der Biber zu schätzen gelernt. Doch bislang haben den streng geschützten Nager nur wenige Menschen zu Gesicht bekommen, denn er ist sehr scheu.

Kay Sbrzesny vom Landschaftspflegeverband Oberlausitz (LPV) betreut das Naturschutzprojekt "Biber". Er kennt die Reviere der großen Nager - z.B. einen Nebenarm der Neiße südlich von Görlitz. Hier waren unlängst zwischen Erlen und Weiden noch zwei Dämme sichtbar, doch die Neiße hat die Wiesen und Auen überflutet. Es gibt drei Arten von Biberbehausungen, erklärt der Naturschützer aus Reichenbach: "Erdröhren, Mittelbaue oder eben - wofür die Biber bekannt sind - Dämme."

Nebenarm der Neiße mit Biberdamm.
Kay Sbrzesny (l.) vom Landschaftspflegeverband Oberlausitz und Alexander Wünsche vom Görlitzer Umweltamt sehen sich einen Biberverbiss an. Bildrechte: Uwe Walter

Die Biber haben einen Leitsatz: 'Was nicht passt, wird passend gemacht.' Sie leben in der Oberlausitz meist in Erdröhren in den Uferböschungen, die manchmal auch mit einem kleinen Damm verbunden sind. Der Zugang ist immer unter Wasser!

Kay Sbrzesny Landschaftspflegeverband Oberlausitz

Die bis zu 30 Kilogramm schweren Nager lieben ein reichhaltiges Angebot an Pflanzen. Da hat die Oberlausitz viel zu bieten. Ein weiterer Wohlfühlfaktor für die Biber: Sie haben nur wenige Feinde. Wölfe gehören dazu, aber auch der amerikanische Mink.

Seit 22 Jahren wieder heimisch

Vor gerade mal 22 Jahren tauchte der erste Biber an der Neiße auf. Der Rothenburger Jäger Siegfried Bruchholz hatte damals als einer der Ersten die Nager in seinem Revier entdeckt. Zwischen Rothenburg und Zodel hatte der Biber Baumstümpfe spitz wie ein Bleistift hinterlassen.

Hinweise auf die Anwesenheit eines Bibers.
Die bleistiftartig angespitzen Baumstämme weisen auf die Anwesenheit eines Bibers hin. Bildrechte: Uwe Walter

Der Rothenburger Jäger sagte damals als Naturfreund: "Das ist natürlich eine bombige Nachricht. Jetzt kommt der Biber allein zurück, ohne menschliche Hilfe, ohne Aussetzung und besiedelt die Neiße." 15 Jahre später tauchten die ersten Biber auch an der Spree bei Uhyst auf. Mittlerweile gibt es in der Oberlausitz 92 nachgewiesene Biberreviere, aber auch noch viele weiße Flecken - vor allem im südlichen Teil des Landkreises Görlitz.

Betreuer für Biberreviere gesucht Der Landschaftspflegeverband Oberlausitz in Reichenbach sucht ehrenamtliche Naturschutzhelfer. Sie sollen Sichtungen von Bibern melden, Reviere betreuen und das Verhalten der "Plattschwänze" beobachten.

Biber wird mancherorts zum Problem

Wildkamera: Biber beim Fressen.
Biber sind sehr scheue und nachtaktive Tiere. Bildrechte: Landschaftspflegeverband Oberlausitz

Auch wenn sich Naturfreunde über den tierischen Mitbewohner freuen. Nicht überall ist der Biber mit seinen scharfen Schneidezähnen willkommen. Bei Rothenburg machten Biber eine Streuobstwiese mit alten Obstsorten nieder. Dämme an Teichen werden für die Burg unterhöhlt, wie unweit von Görlitz und derzeit besonders ärgerlich für die Teichwirtschaften rund um Dürrbach. Auch nördlich von Görlitz bei Klingewalde sind Dämme an der Neiße, die ursprünglich einmal Hochwasser abwehren sollten, unterhöhlt und zum Teil eingebrochen.

In Gablenz ist der Nager im vergangenen Jahr sogar zum Problembiber geworden, der zum Leidwesen des Bürgermeisters Dietmar Noack die öffentliche Ordnung bedrohte. Die Tiere hatten sich inmitten des Ortes angesiedelt, Bäume gefällt und einen Damm an der Räderschnitza gebaut, um das angestaute Wasser in einen nahen Teich umzuleiten. Die tierischen Baumeister bedrohten damit die Funktionsweise der benachbarten Kleinkläranlagen.

Biberschaden an einer Eiche
Ein Biberschaden an einer Eiche. Was ist wertvoller für den Naturschutz: Der Biber oder die neue gepflanzte Eiche? Bildrechte: Uwe Walter

Ein paar Kilometer von Gablenz entfernt fürchtet das Weltkulturerbe, der Fürst-Pückler-Park Bad Muskau um seinen Baumbestand. Auch einige Landwirte am Schöps sind verärgert. Sie müssen die Uferberreiche bewirtschaften und können von Bibern bewohnte Bereiche aufgrund der Erdröhren mit ihrer Technik nicht mehr befahren.

Infos und Hilfe gibt es im Landratsamt

Mit Draht vor Biberverbiss geschützter Baum.
Ein mit Drahtgeflecht geschützter Baum, um den Biber abzuwehren. Bildrechte: Uwe Walter

Damit die Probleme mit dem Biber nicht eskalieren, gibt es bei der Naturschutzbehörde wie beim Wolf auch ein Management für Biber. Dort gibt es Hinweise, wie man mit dem scheuen Nachbarn umgehen soll, um Schäden zu vermeiden. "Wenn Flächen überflutet werden, dann haben nicht nur Landwirte damit ein Problem. Da muss der Biberdamm natürlich reguliert werden. Das geht aber nur mit Genehmigung der Naturschutzbehörde", sagt Alexander Wünsche vom Görlitzer Umweltamt. "Alles andere ist strafbar, weil der Biber streng geschützt ist."

Uferbereich und Bäume können mit Drahtgittern geschützt werden. Manchmal geht es auch nicht anders. Dann werden die Biber gefangen und in einem neuen Revier ausgesetzt.

Alexander Wünsche Umweltamt Görlitz

In Gablenz wurde im Herbst sogar der Teich abgelassen, um die streng geschützen Biber zwecks Umsiedlung zu fangen. Auch im Muskauer Park wurden schon Biber vergrämt. Allerdings mit wenig Erfolg: Das freie Revier war kurze Zeit später wieder besetzt. Nun werden die Bäume mit Maschendraht eingehaust und Uferbereiche mit unter Strom stehenden Drähten gesichert. Auch der Gablenzer Bürgermeister Dieter Noack befürchtet, dass die "Plattschwänze" das verwaiste Revier schnell wieder entdecken. Die Ufer vom Teich in Gablenz sind allerdings unter fachlicher Anleitung der Naturschutzbehörde mit Drahtgittern vor dem Untergraben gesichert worden.

Jetzt im Frühjahr, so bis Ende März, beginnt die Paarungszeit der 30 Kilogramm schweren Tiere. Da werden die zwei Jahre alte Jungtiere verstoßen. Oft geschieht das sehr unsanft. "Der Nachwuchs begibt sich nun auf die Suche nach einem eigenen Revier und legt dabei auch größere Strecken an Land zurück", erklärt Kay Sbrzesny vom Landschaftspflegeverband Oberlausitz.

Im Frühjahr können Biber an den unmöglichsten Stellen auftauchen. Es gab schon eine Sichtung auf dem Marktplatz in Niesky. Ein Biber überquerte die Altstadtbrücke in Görlitz. Das sind alles Jungtiere auf der Suche nach einem neuen Revier.

Kay Sbrzesny Landschaftspflegeverband Oberlausitz

Normalerweise verlassen die Biber das Wasser nur in der Dämmerung und nachts. Deshalb sind Sichtungen am Tag ungewöhnlich, sagt Kay Sbrzesny. Doch jetzt Augen auf beim Spaziergang: Im Frühjahr während der Paarungszeit kann man die scheuen Tiere mit etwas Glück beobachten.

Nebenarm der Neiße mit Biberdamm.
Ein stiller Nebenarm der Neiße. Hier ist der Biberdamm vom Frühjahrshochwasser nahezu überflutet worden. Es gibt aber in der Oberlausitz noch viele freie Reviere. Bildrechte: Uwe Walter

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.02.2021 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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