Grenzkriminalität Soko Argus zieht ein Jahr nach Gründung positive Bilanz

Im Dezember 2019 hat die Polizeidirektion Görlitz die Sonderkommission Argus gegründet. Sie soll vor allem die grenzüberschreitende Kriminalität bekämpfen. Wie fällt die Bilanz nach einem Jahr Arbeit aus?

Im Herbst 2020 geriet das Autohaus Bathe gleich viermal innerhalb weniger Wochen ins Visier von Einbrechern. Einen Anhänger haben die Diebe gestohlen und aus der Werkstatt verschiedene Werkzeuge mitgehen lassen, erzählt Thomas Bathe. Es ist einer von hunderten Fällen, mit denen sich die Sonderkommission Argus im vergangenen Jahr beschäftigt hat.

Im November 2019 wurde die Soko von der Polizeidirektion Görlitz gegründet, um insbesondere die grenzüberschreitende Kriminalität zu bekämpfen. 50 Beamtinnen und Beamte aus den verschiedenen Abteilungen der Polizeidirektion arbeiten darin zusammen, darunter Ermittler, Fahnder, Auswerter und Einsatzbeamte. Ihre Bilanz nach gut einem Jahr Arbeit: Zwischen Januar und November 2020 hat die Soko Argus nach eigenen Angaben insgesamt 273 Fälle abgeschlossen, knapp 60 Prozent davon konnten die Ermittelnden aufklären. Vor allem Einbrüche und Diebstähle beschäftigen die Soko, sie machen etwa zwei Drittel der Fälle aus.

Weniger Diebstähle

Zwar liegen noch keine abschließenden Zahlen für das vergangene Jahr vor, so die Polizeidirektion Görlitz. Im Vergleich zum Vorjahr sei aber jetzt schon sicher, dass es 2020 wie schon in den Jahren zuvor weniger Eigentumsdelikte gab.  

Der Rückgang der Fallzahlen bei der Eigentumskriminalität in den Gemeinden an der polnischen Grenze wird bei mindestens zehn Prozent liegen.

Anja Leuschner Pressesprecherin der Polizeidirektion Görlitz

Gleichzeitig seien mehr Straftaten aufgeklärt worden. Das liege zwar nicht nur an der Arbeit der Soko Argus, so Polizeisprecherin Anja Leuschner. Sie habe aber einen großen Anteil an diesem Erfolg. Inwieweit der Corona-Lockdown bei dem Rückgang der Zahlen eine Rolle spielt, ist nicht ganz klar. Zwar gab es im Frühjahr weniger Straftaten, da zeitweise auch die Grenzen geschlossen waren. Mit den höheren Temperaturen und gelockerten Corona-Regeln stieg die Zahl der Diebstähle aber wieder an.

Grenzkriminalität bleibt emotionales Thema

Ist also die Grenzkriminalität kein großes Thema mehr in der Region? Zumindest nicht mehr so stark wie noch vor zwei, drei Jahren, meint Johannes Wachtarz. Er betreibt in Görlitz eine Firma, die Alarmanlagen und Sicherungssysteme installiert. Die Angst vor Einbrüchen und Diebstählen habe seinem Eindruck nach etwas nachgelassen. Nichtsdestotrotz hätten viele Firmen ebenso wie Privatleute ihre Sicherheitstechnik hochgerüstet. "Grenzkriminalität bleibt aber ein emotionales Thema, gerade auch bei den Betroffenen", sagt Matthias Schwarzbach von der IHK Zittau. Da sei die Wahrnehmung manchmal sehr subjektiv. Das erlebe er immer wieder in Gesprächen mit den Firmen. Deshalb finde er es gut, dass die Soko Argus immer wieder ihre Erfolge veröffentlicht, damit die Menschen sehen, dass die Polizei nicht untätig zuschaut.

Erfolgreiche Kontrollen

Sichtbar wird die Arbeit der Soko auch bei den großen Kontrollen, die die Beamten regelmäßig mit Unterstützung der Bundespolizei und des Zolls durchführen.130 Mal haben sie im vergangenen Jahr entlang der Grenze Menschen und Fahrzeuge unter die Lupe genommen. Ihre Bilanz: Rund 190 festgestellte Straftaten, 1.500 Ordnungswidrigkeiten und knapp 100 Fahndungstreffer. Auch die neuen hochauflösenden Überwachungskameras, von denen es fünf in Görlitz und Hagenwerder gibt, helfen bei der Ermittlungsarbeit. In etwa 80 Fällen konnte die Soko Argus durch die Aufnahmen Täter identifizieren.  

Kurzer Dienstweg

So konnte die Soko immer wieder Erfolge vermelden. Das sei auch der guten Zusammenarbeit der verschiedenen Arbeitsbereiche zu verdanken, ebenso wie mit den polnischen Kollegen, sagt Soko-Sprecher Marc Klinger. Auf dem kurzen Dienstweg lasse sich vieles schnell klären, Informationen würden gebündelt, der Austausch sei besser. Damit könnten die Beamten schneller reagieren, Spuren sichern, Fahndungen oder Durchsuchungen einleiten. Im Fall des Autohauses Bathe konnte die Soko bisher jedoch noch keine Täter ermitteln. Aber die Chefs haben vorgesorgt, damit Einbrecher keine Chance mehr haben: Sie haben die gesamte Kameratechnik aufgerüstet und die Werkstatttüren verstärkt. Poller und große Steine sollen außerdem dafür sorgen, dass niemand mehr unbefugt auf das Gelände fährt.

Quelle: MDR/sim

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.01.2021 | ab 12:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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