Entdeckungsreise Stuttgarter Blogger überrascht über Menschen und Natur der Oberlausitz

Ein Blogger aus Stuttgart ist im Auftrag einer Maketingkampagne drei Wochen lang unterwegs, um den Landkreis Görlitz kennenzulernen. Dabei besucht er Betriebe, Vereine und Politiker. Er erkennt zum ersten Mal, was Strukturwandel wirklich heißt und landet auf vielen Grillpartys, wo Menschen - für ihn überraschend - ehrlich und offen mit ihm reden.

Drei Wochen lang hat der Journalist und Blogger Tobias Rieger den Landkreis Görlitz erkundet. Sein Fazit nach Besuchen bei Mittelständlern, in Rathäusern, nach privaten Grillpartys und Kneipenabenden lautet: "Die Oberlausitz ist eine Reise wert. Am meisten haben mich die Weite der Natur und die Offenheit der Menschen überrascht." Im Auftrag der Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz (ENO) war der Blogger dem Strukturwandel auf der Spur und der Frage, was der mit den Menschen macht bzw. wie sie damit umgehen.

Strukturwandel und Rückwärtsgewandtheit nichts Exklusives

Grundsätzlich findet Rieger, dass Strukturwandel "kein exklusives Problem der Oberlausitz ist", weil es überall Strukturwandel gebe. Und ja, es gebe auch viele, die jammerten. "Das ist auch kein exklusives Problem des Ostens. Die gibt es auch im Süden, die gerne zurückschauen. So wird das aber nichts", sagt Tobias Rieger im Gespräch mit MDR SACHSEN. In den Unternehmen, der Hochschule Görlitz-Zittau und in vielen Treffen habe er mit Menschen gesprochen, "die einfach machen, die etwas verändern wollen und nicht jammern".

Natürlich ist es nicht so einfach. Man muss auch in der Oberlausitz von seiner Arbeit leben können. Aber es waren viele dabei, die sich trauen und positiv denken. Man kann sich in der Oberlausitz mit einer Idee noch verwirklichen.

Tobias Rieger Stuttgarter unterwegs im Landkreis Görlitz

Was Strukturwandel heißt, ist Rieger "zum ersten Mal brutal ins Auge gefallen und deutlich geworden, als ich an der Abrisskante stand und in die Grube geblickt habe". Das war bei Weißwasser nach einem Gespräch mit Oberbürgermeister Torsten Pötzsch. Der habe gesagt, wenn die Lausitz etwas auszeichne, dann der Platz. "Da ist räumlich und gedanklich Platz. Alles ist möglich", meint der Blogger nach seiner Entdeckungstour. Das sei ihm umso bewusster geworden, weil in seiner Heimat Stuttgart "alles nur noch teuer" und kein Platz mehr sei. Er frage sich, warum man in München in einer überteuerten Zwei-Zimmer-Wohnung mit seiner Familie leben soll, wenn man das in Görlitz auf 200 Quardatmetern zum gleichen Preis auch könne.

Waltersdorf vor dem Berg Lausche
"Wir haben im Süden zwar ein paar Berge, die höher sind als die Lausche. Aber in der Oberlausitz ist es nicht überlaufen und man steht fast nie im Stau", sagt der Journalist Tobias Rieger über den Landkreis Görlitz. Bildrechte: IMAGO

Die Reiseerlebnisse haben auch eine Wirkung nach innen. Seien wir ehrlich: Wir sind ja auch betriebsblind und sehen oft zuerst die Probleme. Wenn da einer kommt, der neugierig auf unsere Heimat blickt, ist das für die Menschen auch schön.

Ingo Goschütz Marketingexperte und Leiter der Aktion

Riegers Eindrücke und Erkenntnisse kann man in seinem Blog nachlesen. Auftraggeber ENO will dessen Material weiter für die Imagekampagne "Unbezahlbarland" verwenden. Demnächst sollen mehrere drei Minuten lange Kurzfilme über die Bloggertour erscheinen, in Berlin und Leipzig wird der Blog beworben. Vor Weihnachten solle eine Zeitung im Landkreis verteilt werden, die speziell "Festheimfahrer" ansprechen soll, die nach Westdeutschland abgewandert sind, aber Weihnachten bei ihren Familien in der Oberlausitz feiern.

Zwei Männer stehen auf einem Feld neben einem modernen Traktor und blicken in die kamera. Der Mann rechts ist der Blogger Tobias Rieger. Der ist aus Stuttgart in die Oberlausitz gekommen und hat die Produktionsgenossenschaft Rosenhain besucht.
Landluft schnuppern bei der Produktionsgenossenschaft Rosenhain in Löbau. Bildrechte: ENO

"Der Prophet im eigenen Land taugt ja nichts. Es hat eine andere Wirkung und einen anderen Stellenwert, wenn ein Externer kommt und aus anderer Perspektive erzählt", sagt der Leiter Servicestelle Unbezahlbarland, Ingo Goschütz. Der Marketingexperte hat die Texte von Blogger Rieger drei Wochen lang auf die Plattformen sozialer Medien hochgeladen und "bis auf paar Kommafehler daran nichts verändert". Riegers Blog-Texte hätten auch Goschütz emotional berührt. "Er hat die richtigen Worte gefunden."

Dem Lebenstraum ein Stück näher?

Die Gespräche und Erfahrungen will der Blogger selbst jetzt erst einmal sacken lassen. Lachend sagt Tobias Rieger im Gespräch mit MDR SACHSEN: "So weit ist es gekommen, dass ich darüber nachdenke, selbst in die Region zu ziehen. Nur meine Frau müsste ich noch überzeugen". Und Görlitz, das steht für den Stuttgarter fest: "Görlitz ist die schönste Stadt Deutschlands."

Die Region hat auch etwas sehr Unaufgeregtes. Das ist etwas, was die Hollywoodgrößen immer wieder auch über Görlitz gesagt haben. Da dreht keiner durch, wenn George Clooney über den Untermarkt läuft, Jude Law frühstücken kommt.

Tobias Rieger Journalist und Blogger

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 06. Juli 2021 | 16:30 Uhr

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