Nahverkehr auf dem Land Verhaltener Start für Boxberger Bürgerbusse

Wer die Ruhe und Freiheit des Landlebens wählt, muss in anderen Dingen Abstriche machen. Arztpraxis, Apotheke oder Bank liegen nicht um die Ecke. Ohne Auto müssen die persönlichen Wege und Besorgungen mit den ungleichmäßigen Zeiten des öffentlichen Nahverkehrs getaktet werden. Mancher Ort taucht erst gar nicht im Fahrplan auf. Für die Boxberger Ortsteile gibt es jetzt einen ganz besonderen Service.

Immer am Dienstag sind die Busfahrerinnen mit zwei Bürgerbussen rund um Boxberg unterwegs.
Die Busfahrerinnen Katja Lehmann (re.) und Kathlen Henkel sind am Dienstag mit zwei Bürgerbussen rund um Boxberg unterwegs gewesen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Ein A4-Blatt in einer Prospekthülle hängt an der Frontscheibe des Kleinbusses. "Boxberger Bürgerbus" steht drauf. Es ist ein sehr schlichter Hinweis auf ein Angebot, für das sich der Verein "Perspektive Boxberg" fast zwei Jahre lang ins Zeug gelegt hat. Nun ist seit Ende November der Bürgerbus auf der Strecke, um 18 Ortsteile mit Boxberg zu verbinden: jeden Dienstag, auf zwei Linien, kostenlos für alle Passagiere.

Wenig Fahrgäste

Bisher lassen sich aber die Fahrgäste an einer Hand abzählen. Eine ältere Dame hat am Dienstagvormittag einen Bürgerbus genutzt, um nach Boxberg zum Einkaufen zu fahren: "Ich bin heute das erste Mal gefahren und fahre gleich wieder damit zurück. Es ist ganz toll für die älteren Leute gemacht", erzählt sie begeistert.

Die Begeisterung der Seniorin trifft das Ansinnen des Vereins "Perspektive Boxberg", der den Bürgerbus als Ergänzung zum herkömmlichen Linienverkehr ins Rollen gebracht hat. Menschen sollen die Wege etwa zu Ärzten, Apotheke, Einkaufsmärkten, Banken und Gemeindeverwaltung erleichtert werden. Gerade im Winter, wenn Ältere sich nicht zutrauen, mit dem Auto zu fahren, sei das Angebot hilfreich, findet Hendryk Balko vom Verein. Dazu ist die Busfahrt auch noch kostenlos. "Eine super Sache", so Balko.

Ein Schild an der Frontscheibe weist auf den Boxberger Bürgerbus hin.
Bis Ende März fährt der kostenlose Bürgerbus jeden Dienstag die Ortsteile bei Boxberg ab. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Vor einer Woche war das Projekt Bürgerbus gestartet und auch am zweiten Dienstag blieben in den beiden Kleinbussen die meisten Sitzplätze leer. Trotzdem gibt sich die Busfahrerin Katja Lehmann optimistisch: "Die Leute müssen sich erst mal dran gewöhnen. Das wird schon." Wenn es nach ihr ginge, müsste man den gesamten öffentlichen Nahverkehr kostenlos machen, sagt sie in ihrer Kaffeepause, dann hätte man die Autos von der Straße und die Busse voll.

Europäisches Pilotprojekt

So allein ist die junge Frau mit ihrer Meinung nicht, schließlich sind die Boxberger Bürgerbusse ein europäisches Pilotprojekt geworden und werden finanziell gefördert. Für den nötigen Fuhrpark fand sich das Reise- und Busunternehmen Kolchmeier aus Weißwasser als Partner. Gemeinsam wurden die Linienpläne erarbeitet, die auch zeitliche Lücken beim ÖPNV überbrücken sollen. "Wir haben eine Zeit ausgesucht, wo eigentlich keine Linie fährt", sagt Katja Lehmann.

Werbetrommel wird gerührt

Der Dienstag als Wochentag wurde ebenfalls bewusst gewählt. Nur an diesem Tag hat die Sparkassenfiliale in Boxberg den ganzen Tag geöffnet. Die Bürgerbusse sind ein kleines Angebot mit Potential, wie Hendryk Balko findet. Im Moment gelte es, dies publik zu machen - im Internet, im Amtsblatt, an den Schwarzen Brettern der Dörfer. Auch werden gerade Flyer gedruckt, die an die Haushalte verteilt werden sollen.

Das Bürgerbus-Projekt ist bis Ende März befristet. Es wird wissenschaftlich begleitet, um so Rückschlüsse für künftige Nahverkehrsangebote zu ziehen.

Quelle: MDR (uwa/ma)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 08. Dezember 2021 | 05:30 Uhr

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