11.05.2020 | 17:16 Uhr Strukturwandel: Kein fröhlicher Start einer Bundesbehörde in Weißwasser

In Weißwasser in der Oberlausitz ist am Montag im Zuge des Strukturwandels eine neue Außenstelle des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle offiziell eröffnet worden. Doch der Start der Bundesbehörde hat auch einen bitteren Beigeschmack - für das ansässige Deutsche Rote Kreuz.

Bergleute demonstrieren vor Beginn der 1. Lausitz-Konferenz Strukturwandel und Energiewende und tragen auf ihrem Rücken den Slogan "Blackout Lausitz nicht auf unsern Rücken".
(Symbolbild) Bildrechte: dpa

In Weißwasser ist nach nur fünf Monaten Vorbereitungszeit eine neue Außenstelle des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle - kurz BaFa - offiziell eröffnet worden und zwar im Hauptgebäude der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach bei einer Videokonferenz von einem wichtigen Signal für die Region.

Der Bund halte Wort beim Versprechen, über die Ansiedlung neuer Behörden Tausende neuer Arbeitsplätze in den Kohleregionen zu schaffen. Die Ansiedlung der neuen Außenstelle sei ein großer Erfolg für die Stadt und die Lausitz.

Michael Kretschmer Sachsens Ministerpräsident

"Die Bundesbehörde schaffe viele neue Stellen und stärke damit dauerhaft die Kaufkraft in der gesamten Region", meint Sachsens Regierungschef weiter.

100 neue Arbeitsplätze in Weißwasser

In der neuen Außenstelle des Bundesamts sollen mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt werden. 31 haben ihre Arbeit bereits aufgenommen. Die Bundesbehörde ist unter anderem zuständig für ein Förderprogramm zum Austausch alter Heizungsanlagen. Im ersten Quartal seien nach Angaben der Behörde rund 47.500 Anträge gestellt worden. Das entspreche einer Steigerung von 164 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Ein wesentlicher Teil dieser Anträge wird nun in Weißwasser bearbeitet. Der Oberbürgermeister der Stadt Torsten Pötzsch betont, dass insbesondere der ländliche Raum beim Strukturwandel nicht vergessen werden dürfe.

Torsten Pötzsch
Torsten Pötzsch, Oberbürgermeister von Weißwasser Bildrechte: dpa

Im Strukturstärkungsgesetz steht ja drin bzw. im Bericht der sogenannten Kohlekommission, dass Bundesbehörden-Arbeitsplätze in die Gebiete verlegt werden sollen, die vom Kohleausstieg betroffen sind. 5.000 Arbeitsplätze bei Bundesbehörden sollen in den Revieren geschaffen werden. Bei uns sind es circa 100 Arbeitsplätze, ein gutes Zeichen!

Torsten Pötzsch Oberbürgermeister Weißwasser

Doch der Einstieg der Bundesbehörden in der einstigen Glasmacherstadt Weißwasser erfolgte mehr als unsanft. Das DRK Weißwasser erhielt nach dreizehn Jahren die Kündigung von der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien für die benötigten Räume.

Ansiedlung zulasten eines Familienzentrums

Das DRK wollte in Ruhe ein neues Zentrum für Eltern- und Familien-Bildung auf der Berliner Straße aufbauen. Doch die "unschöne Verfahrensweise im Januar" zwang, laut DRK-Vorstandsmitglied Maik Warich, das DRK seine Pläne zu ändern. Vieles, was in Eigenleistung erstellt werden sollte, muss jetzt in Auftrag gegeben werden, damit der neue Familientreffpunkt am ersten Juli eröffnet werden kann.

Die Kündigung unserer Räume zugunsten der Bundesbehörde kostet uns jetzt mehr als 100.000 Euro!

Maik Warich DRK-Vorstandsmitglied

Das DRK ist mit seinem Kreisverband seit der politischen Wende Kunde der einheimischen Sparkasse. "Wir sind ziemlich enttäuscht, dass man so mit uns umgegangen ist“, fasst Maik Warich die Stimmung zusammen. Der Kreisverband kann seine Pläne ohnehin nur mithilfe von Fördermitteln umsetzen. Sogar die Stiftung Deutsches Hilfswerk der Deutschen Fernsehlotterie unterstützt das Vorhaben. "Die Mehrkosten von 100.000 Euro schmerzen," meint der Weißwasseraner vom DRK. Jede Hilfe, jede Spende wird deshalb dankbar angenommen.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.05.2020 | 10:00 Uhr in den Nachrichten

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