Prüfungsvorbereitung Abschlussklassen in Sachsen pauken ab sofort wieder gemeinsam

Mehr als 50.000 Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen an Oberschulen und Gymnasien in Sachsen gehen ab sofort wieder zur Schule. Im Präsenzunterricht sollen sie sich auf ihre Prüfungen vorbereiten können. Berufsschüler und die jüngeren Schüler müssen weiter zu Hause bleiben. So will es das sächsische Kultusministerium. Philologen- und Lehrerverband kritisieren die Schulöffnungen für Präsenzunterricht.

Nach vierwöchiger Pause öffnen zahlreiche Schulen in Sachsen heute für die Abschlussklassen. Nach Angaben des Kultusministeriums werden rund 50.800 Schülerinnen und Schüler in geteilten Klassen unterrichtet. Sie sollen sich auf die anstehenden Prüfungen vorbereiten.

Schüler und Lehrer können sich kostenlos mit einem Corona-Schnelltest untersuchen lassen. Dafür wurden rund 100 Testschulen eingerichtet. Dort wird nach Angaben des Landesamts für Schule und Bildung dann zeitlich versetzt getestet, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Im Landkreis Leipzig kommen mobile Teams an die Schulen. So sollen den Schülern unnötige Busfahrten erspart werden.

Kritik an Testzentren für Schüler

Der Landeselternrat sieht die Schnelltests in den Testschulen kritisch. Es sei zwar schön, dass die Schüler die Möglichkeit hätten, sich testen zu lassen, sagt die Vize-Vorsitzende Nadine Eichhorn. Die Art und Weise bereite ihr aber Sorge – gerade mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen. Eichhorn sagte dem MDR, viele Eltern hätten Sorge, dass dadurch Infektionen in die Familien getragen würden.

Auch Joanna Kesicka, Vorsitzende des Landesschülerrates, meint: "Das Problem ist ja, dass gerade in ländlichen Regionen die Testzentren sehr weit entfernt sind und die Schüler erst mit vollgepackten Bussen dorthin gefahren werden." Hier erhöhe sich bereits das Ansteckungsrisiko, weil Schüler sich auf kleinstem Raum aufhalten müssten. Das sei sehr ungünstig. Testungen direkt an den Schulen wären aus Sicht des Landesschülerrates generell sinnvoller gewesen.

Das Kultusministerium in Dresden räumte ein, dass das Verfahren nicht optimal sei. Man habe aber nur eine begrenzte Zahl von Teams, die die Tests durchführen könnten.

Schüler der Abschlussklassen erleichtert

Lisa Berndt schreibt in ein paar Wochen ihr Abi am Christian-Weise-Gymnasium in Zittau und kann dafür wieder in ihrer Schule lernen. Die Freude darüber ist bei ihr groß. Sie kann es kaum erwarten, ihre Mitschüler nach langer Abstinenz wieder zu sehen, sagte die 18-Jährige MDR SACHSEN. Es sei gut, dass die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen als erste an die Schulbank zurückkehren dürfen. Vor allem für Schüler, die einen Numerus clausus für ihr Studium erfüllen müssen, ist das natürlich sehr wichtig, sagte Berndt.

Ich hoffe, dass durch die Schulöffnungen die Corona-Zahlen nicht wieder hochgehen.

Lisa Berndt Gymnasiastin aus Zittau

Zittau-Abiturprüfungen-Gymnasium
Lisa Berndt hat am 30. April ihre erste schriftliche Prüfung in Deutsch. Bildrechte: MDR / Erik-Holm Langhof

Mehr Zeit für Prüfungsvorbereitung

Das sächsische Kultusministerium will mit einem Bündel an Maßnahmen pandemiebedingte Nachteile für Schüler ausgleichen. Vorgesehen sind neue Vorgaben für den Unterricht, die Prüfungen und Bewertung von Schülerleistungen. So sollen die Abschlussklassen deutlich mehr Zeit für die Prüfungsvorbereitungen erhalten und in diesem Jahr vorrangig in den Prüfungsfächern unterrichtet werden. Außerdem sollen sie Wahlmöglichkeiten bei den Abiturprüfungsterminen bekommen und mehr Zeit in den Prüfungen selbst haben. 30 Minuten zusätzliche Arbeitszeit soll es geben.

Die Zweit-und Drittkorrekturen der Abiturprüfungen erfolgen an der jeweiligen Schule. Wie das Ministerium mitteilte, solle dadurch eine faire Benotung gesichert werden, wenn in Einzelfällen Prüfungsinhalte an der Schule nicht ausreichend behandelt werden konnten. Lisa Berndt ist mit den Änderungen zufrieden, denn dadurch sei vielen Abiturientinnen und Abiturienten der Druck genommen worden.

Kritik vom Lehrer- und Philologenverband

Die Lehrer in Sachsen sehen die Rückkehr der Abschlussklassen in den Präsenzunterricht mit Sorge. Nach Einschätzung des Lehrerverbandes lässt das Pandemiegeschehen in Sachsen keine Teil-Öffnung der Schulen zu. Vorsitzender Jens Weichelt sagte, unter den Lehrern gebe es ein geteiltes Echo. Manche fürchteten um ihre Gesundheit. Andere wollten die Schüler auf ihre Prüfungen vorbereiten. Um das Risiko zu minimieren, können sich Lehrer und Schüler ab morgen freiwillig und kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Nach Angaben des Kultusministeriums haben sich bis Freitag rund 35 Prozent der Schüler dafür angemeldet. Sachsenweit gibt es rund 100 Testschulen.

Der Philologenverband Sachsen hält die Rückkehr zum Präsenzunterricht im Hinblick auf die Corona-Lage im Freistaat für zu früh. Stattdessen fordert er eine Verschiebung der Prüfungen.

Unsere Abiturientinnen und Abiturienten wollen keinen Corona-Stempel auf ihrem Abitur.

Thomas Langer Vorsitzender des Philologenverbands Sachsen

Angesichts der zeitlichen Spielräume des langen Schuljahres sei das möglich, erklärte der Vorsitzende des Philologenverbands Sachsen, Thomas Langer. Dass Schüler nur in ihren Prüfungsfächern unterrichtet werden, entspreche nicht den Zielen einer vertieften Allgemeinbildung und Studierfähigkeit, kritisierte Langer.

Quelle: MDR/jc/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.01.2021 | 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.01.2021 | 07:50 Uhr

6 Kommentare

Privat vor 45 Wochen

Natürlich werden die Zahlen wieder steigen. Und nach dem Test werden sicher wieder viele Klassen in Quarantäne sein. Nach der Sitzung mit der Kanzlerin werden alle Schüler wieder zu Hause lernen. Hätte man in Sachsen nicht an den Ferien gedreht, wäre bis fast Ende Februar ein Plan vorhanden. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Bei einer Lockdown und Schulschliessungsverlängerung kann man ja die Ferien von Ostern wieder in den Februar packen. Grins. Herr Piwarz hat doch immer eine Überraschung auf Lager.

Roberto vor 45 Wochen

"Ich hoffe, dass durch die Schulöffnungen die Corona-Zahlen nicht wieder hochgehen." - Die Hofnung stirbt bekanntlich zuletzt - auch bei Herrn Kretzschmer.

Freiheit stirbt mit Sicherheit vor 45 Wochen

"Ich hoffe, dass durch die Schulöffnungen die Corona-Zahlen nicht wieder hochgehen."

Lisa Berndt Gymnasiastin aus Zittau

Ach Lisa, wenn das deine einzige Sorge ist, dann herzlichen Glückwunsch!

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