Corona-Selbsttest Ermittlungsverfahren gegen Görlitzer Kaufhausbesitzer

Von der Entdeckung des neuen Coronavirus bis zur Zulassung des ersten Impfstoffs hat es nicht einmal ein Jahr gedauert. Nie zuvor wurde ein Impfstoff so schnell entwickelt. Auch ein Unternehmer aus der Oberlausitz hat sich daran beteiligt - nun wird gegen ihn ermittelt.

Winfried Stöcker
2017 hatte Stöcker seine Firma Euroimmun an einen US-Konzern verkauft. Bildrechte: Winfried Stöcker

Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt gegen den Besitzer des Görlitzer Kaufhauses Winfried Stöcker. Wie Pressesprecherin Ulla Hingst MDR SACHSEN bestätigte, laufe aktuell ein Verfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Hintergrund ist das von Stöcker im Frühjahr entwickelte Antigen gegen das Corona-Virus. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden soll er das Mittel gemeinsam mit etwa zehn weiteren Freiwilligen getestet haben. Dafür wäre aber laut Staatsanwaltschaft eine Genehmigung notwendig gewesen.

Historisches Kaufhaus Zum Strauß in Görlitz
Die Baupläne für das „Kaufhaus zum Strauß“ lieferte der Potsdamer Architekt Carl Schmanns. Bildrechte: imago images / imagebroker

Im März und April vergangenen Jahres spritzte sich der Mediziner nach eigenen Angaben das Antigen insgesamt viermal selbst in den Oberschenkelmuskel. Am 8. Mai meldete Stöcker, er sei jetzt immun gegen das Virus. Wie der "Spiegel" berichtet, habe Stöcker mittlerweile auch seine Frau und seine Kinder mit dem Antigen gespritzt. Nebenwirkungen habe keiner gehabt, sagt er, außer ein paar Reizungen oder Schmerzen an der Einstichstelle, aber alle hätten die Impfungen gut vertragen.

Statt einer Antwort eine Anzeige

Anfang September soll sich Stöcker an das Paul-Ehrlich-Institut gewandt haben. Die Behörde ist unter anderem zuständig für die Zulassung von Impfstoffen und biomedizinischen Arzneimitteln. Laut "Spiegel" mailte Stöcker seine Testergebnisse. Gleichzeitig bat er darum, dass er seine Tests mit einer größeren Anzahl Freiwilliger durchführen könne, um festzustellen, ob es auch bei diesen keine Nebenwirkungen gebe. Stattdessen erstattete das Institut Anzeige.

Prominenter Anwalt soll es richten

Wie der "Spiegel" weiter berichtet, soll sich Winfried Stöcker daraufhin an den FDP-Politiker und Rechtsanwalt Wolfgang Kubicki gewandt haben. Dieser argumentiert, sein Mandant habe keine klinische Prüfung durchgeführt. Er habe vielmehr das Antigen im Rahmen individueller Heilversuche gespritzt. Daher habe er auch keine Genehmigung benötigt.

Wolfgang Kubicki
Am 24. Oktober 2017 wurde Rechtsanwalt Wolfgang Kubicki Bundestagsvizepräsident. Bildrechte: imago images/Eibner

Der Arzt Winfried Stöcker hat 1987 die Firma Euroimmun gegründet. Sein Unternehmen entwickelte Verfahren zur Erkennung von Autoimmun- und Infektionskrankheiten. Es hat heute 3.100 Mitarbeiter und Niederlassungen in 17 Ländern. Auch in der Oberlausitz gibt es zwei Standorte. 2017 hatte Stöcker die Firma an einen US-Konzern verkauft - für insgesamt 1,2 Milliarden Euro.

Quelle: MDR/jc

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.02.2021 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

5 Kommentare

Ernst678 vor 42 Wochen

Diesen Artikel finde ich sehr bezeichnend für Deutschlands Obrigkeit die angeblich händeringend nach allen Möglichkeiten zur Bekämpfung der Pandemie sucht, aber es tatsächlich, was ja dieser Fall beweist, nicht tut. Man baut halt ausschließlich (und da steckt für ein paar Leute ordentlich Geld drin) auf das katastrophale Management von Merkel und der EU von der Leyen. So läuft das, lieber Untertan!

nasowasaberauch vor 42 Wochen

Warum untersucht das Paul-Ehrlich-Institut nicht den Impfstoff? Ist der Stoff wirksam oder nicht und ist jemand gestorben oder gilt in diesem Land nur es kann nicht sein, was nicht sein darf.

ule vor 42 Wochen

Mit einem funktionalen Antigen wäre das international grassierende und für einige wenige überaus ertragreiche Corona-Gespenst , binnen kürzester Zeit dem Siechtum erlegen.

Damit es nicht soweit kommt, so scheint es, übernimmt derweil die Genehmigungsbehörde gleichzeitig auch die Funktion des Wettbewerbhüters.

Es ist doch kein Geheimnis, dass auf Impfstoffe allgemein, die schützende Hand des Patentschutzes sich erstreckt. Die Volksgesundheit dagegen spielt eine sekundäre Rolle. Zuerst kommt immer die Ertragssicherung.
Ein Blick auf die Börsen dieser Welt belegt, das die Volksgesundheit auch gleichzeitig ein einträgliches Geschäftsmodell sein kann.

Mit anderen Worten: der Mensch mutiert im Falle der Krankheit oder Seuche, zu einer Ware.

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