Corona krempelt Tourismus um Tourismusbranche in der Oberlausitz trotz Pandemie optimistisch

Der Tourismus in der Oberlausitz hat im vergangenen Jahr deutliche Verluste hinnehmen müssen. Die Zahl der Übernachtungen schrumpfte um ein Drittel, allein in Görlitz bis auf das Niveau von 2012. Trotzdem blicken Tourismusbetriebe in der Stadt optimistisch nach vorn, denn eine neue Zielgruppe von Touristen hat die Region für sich entdeckt. Und das kann gern so bleiben.

Peterskirche Görlitz
Bildrechte: Pfarrkirche St. Peter und Paul Görlitz

Das vergangene Jahr hat Görlitz um neun Jahre zurückgeworfen, denn die Zahl der Übernachtungen schrumpfte auf das Niveau von 2012. Busreisen waren aufgrund der Corona-Pandemie verboten und auch in Görlitz machte sich das deutlich bemerkbar. Keine großen Reisegruppen oder Tagestouristen schoben sich durch die Altstadt, drängelten sich vor den malerischen Fassaden und Portalen aus der Zeit der Gotik, der Renaissance oder dem Barock.

Stattdessen schlenderten Familien durch die Görlitzer Altstadt, vor den Gaststätten standen vollbeladene Trekkingräder oder auch kleine Gruppen lauschten interessiert den Ausführungen der Stadtführer. Sehr zur Freude der Chefin der Görlitzer Wirtschaftsförderung, Andrea F. Behr. Sie stellte fest, in den Monaten zwischen den beiden Lockdowns kamen deutlich mehr Individualtouristen.

Der Aufwärtstrend in den freien Reisemonaten stimmt uns dennoch optimistisch und zeigt, dass Görlitz als attraktives Reiseziel für Urlaub im eigenen Land sehr gut angenommen wird.

Andrea F. Behr Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH

Nach Angaben der Europastadt GmbH wurden in den Sommermonaten neue absolute Spitzenwerte erreicht. Im Juli wuchs die Zahl der Übernachtungen um 4,7 Prozent, im August 3,5 Prozent und im September sogar um 8,6 Prozent im Vergleich zu 2019.

Im Sommer klingelten die Kassen

Das Parkhotel in Görlitz am Stadtpark hatte in den vergangenen Jahren immer sehr gut von Bustouristen gelebt. Sie bevölkerten das Hotel und füllen es zu den Feiertagen, im Sommer und über den Jahreswechsel. Doch der Verlust wurde durch neue Gäste ausgeglichen. "Die Leute haben im vergangenen Jahr den Urlaub im eigenen Land wieder entdeckt, da kamen auf einmal junge Leute, Pärchen und Familien ", sagt die Hoteldirektorin Daniela Schulze. Die neuen Gäste brachten auch eine andere Stimmung ins Haus als die Busreisenden.

Die Gäste waren extrem neugierig, hatten viele Fragen. Was kann man unternehmen, wo gibt es etwas zu sehen? Wir buchten Stadtführungen oder Eintrittskarten oder ließen sogar Tische in auswärtigen Restaurants für unsere Gäste reservieren.

Daniela Schulze Hoteldirektorin

Bislang musste das Parkhotel nur selten seine Gäste so individuell betreuen, denn bei Busreisen ist alles ganz genau geplant und fordert deshalb weniger Arbeitsaufwand für das Hotelpersonal.

Auch der Görlitzer Hotelbesitzer François Fritz vom "Bon apart" staunte und freute sich über den Ansturm von Touristen. "Es waren die besten Sommermonate seit der Eröffnung des Hotels und es hätte immer so weiter gehen können", bilanziert Fritz.

Nach dem ersten Lockdown schnellten die Übernachtungszahlen wie eine Rakete in die Höhe. Was wir noch nie hatten, die Gäste blieben eine Woche, zwei Wochen, einige haben sogar drei Wochen übernachtet.

François Fritz Hotelbesitzer

Und über ein weiteres Phänomen staunten die Inhaber von Hotels und Pensionen: Die Gäste blieben deutlich länger. "Manche Gäste haben spontan ihre Buchungen verlängert, weil es ihnen so gut in der Oberlausitz gefallen hat", bilanziert François Fritz.

Individualtourismus fordert neue Konzepte und Ideen

An den Erfolg der Sommermonate im Vorjahr will Daniela Schulze vom Parkhotel anknüpfen, denn auch in diesem Jahr rechnet die Hotelchefin noch mit zahlreichen Einschränkungen, auch bei Busreisen.

ein aktuelles Foto vom Schloss (Hinterseite)
Die Oberlausitz lockt immer mehr Individualtouristen an. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Wir setzen auf Reisende, die in Görlitz bis zu einer Woche bleiben wollen und haben für diese verschiedene Angebote zu Paketen zusammengeschnürt. Das mögen die Leute. Deshalb werden wir diese Idee ausbauen.

In diesen Angeboten sind Stadtführungen oder Themenspaziergänge enthalten, verknüft mit dem Besuch von Theater, Tierpark oder Museen oder einem Ausflug in die Region, wie in den Fürst-Pückler-Park Bad Muskau.

Neue Angebote für Radfahrer

In Bautzen fordert Landrat Michael Harig eine klare Perspektive und damit einen klaren Fahrplan für die Übernachtungsbetriebe. "Es sei ein Spagat zwischen Bangen und Hoffen", meint der Landrat als Gesellschafter der Marketinggesellschaft Oberlausitz Niederschlesien (MGO). Statt der erwarteten zwei Millionen Menschen übernachteten im vergangenen Jahr nur 1,5 Mllionen Menschen in der Region, bilanzierte die MGO am Mittwoch. Ein Verlust von 50 Millionen Euro. Die MGO will mittel- und langfristig auch auf Radfahrer setzen. Unter dem Titel "Zwillingsflüsse" soll der Spreeradweg mit dem Neißeradweg verbunden werden. Die sogenannte heilige Straße, die "Via Sacra" bei Zittau, wird für Radfahrer erschlossen und für Mountainbiker entsteht eine Piste zwischen der Sächsischen Schweiz und der Landeskrone.

Familien und Filmfans im Blick

Auch die Europastadt Görlitz Zgorzelec will mit neuen Angeboten nicht nur mehr Touristen in die Stadt locken, sondern vielmehr auch ihre Verweildauer weiter verlängern. "Wir haben uns in diesem Jahr ausgerichtet auf die neuen deutlich jüngeren Individualtouristen", sagt Geschäftsführerin Andrea F. Behr. So wurden spezielle Touren für diese Gäste kreiert, beispielsweise als eine Art Abenteuer für Familien an den mittelalterlichen Stadtmauern oder mit dem Laufrad durch die Innenstadt.

Kurz vor der Aufnahme auf dem Görlitzer Untermarkt
Filmdreh in der Görlitzer Altstadt. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Zudem will die Wirtschaftsförderung den "Walk of Görliwood" weiter entwickeln. Touristen können dabei auf den Spuren beispielsweise von "Game Of Throns"-Star Tom Wlaschia, Emma Thompson (Harry Potter) oder Kate Winslet wandeln.

"Mit dem Trend zu Aktivtourismus in der Natur und gleichzeitig dem urbanen Kulturerlebnis hat Görlitz für Reisende ein starkes Gesamtpaket zu bieten," gibt sich Andrea F. Behr optimistisch und setzt dabei auch auf die Zusammenarbeit der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien sowie der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.02.2021 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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