Täter überführt Wolfsrudel hat Schafe und Ziegen in Oberlausitz gerissen

Vor knapp zwei Wochen sind nahe einer Weide am Daubaner Wald in der Oberlausitz Schafe und Ziegen tot aufgefunden worden, einige Tiere waren verletzt. Unklar war bisher, ob Wölfe die Herde attackiert hatten. Untersuchungen der Bissspuren an toten und verletzten Tieren haben nun Gewissheit gebracht. Über die Ergebnisse der Untersuchungen informierte das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Dresden. Warum die Tiere aus ihrer Weide ausbrachen, bleibt weiter unklar.

Ein Wolf streift im Tierpark Hexentanzplatz durch sein Freigehege.
Ein Wolf allein auf Streifzug ist eher selten. Das Daubaner Rudel soll ausgebrochene Schafe und Ziegen gerissen haben. Bildrechte: dpa

Die vor knapp zwei Wochen von einer Weide in der Oberlausitz ausgebrochenen Schafe und Ziegen sind von Wölfen gerissen worden. Das ergaben Untersuchungen der zuständigen Behörden des LfULG anhand von Bissspuren. Möglicherweise ist das Daubaner Rudel aus der Nähe des ehemaligen Übungsgeländes für Panzer in der Nähe von Dauban Grund für den Tod der Schafe und Ziegen. Mindestens 15 tote Tiere gehen auf Konto der Wölfe, 32 weitere sind vermisst. Von der 101-köpfigen Herde sind nur 55 Tiere wiedergefunden worden.

Ministeriumseinschätzung: Weide fachgerecht abgesichert

Der Besitzer der Herde informierte die Fachstelle Wolf, nachdem er am 7. Juli ein totes und ein verletztes Schaf entdeckt hatte. Anhand der Verletzungen schloss ein Rissgutachter einen Wolf als "Täter" nicht aus. Erst am Vortag hatte der Besitzer die Weide eingezäunt und dabei zumindest theoretisch alles richtig gemacht, um Übergriffe von Wölfen auf die Herde zu verhindern. Zu diesem Schluss kam am Dienstag auch das zuständige Ministerium: "Der gesetzlich geforderte Mindestschutz für die Tiere war gegeben, bevor die Herde ausgebrochen ist." Doch als die Herde durch den elektrischen Weidezaun gebrochen war, wurde sie zur leichten Beute. Unklar ist bislang, was die Ziegen und Schafen veranlasste, aus der Weide auszubrechen - zumal zwei Herdenschutzhunde über die Tiere wachten.

Die Behörden kommen zu dem Schluss: "Was zum Herdenausbruch geführt hat, kann nicht abschließend rekonstruiert werden. Sowohl die Anwesenheit von Wölfen in der Nähe des Weideplatzes als auch eine Unruhe innerhalb der Herde können mögliche Ursachen sein."

Ein Wolf läuft durch sein Gehege
Haben Wölfe die Tierherde zum Ausbruch aus ihrer eingezäunten Weide bewegt oder gab es eine Unruhe unter den Tieren? Das kann das LfULG nicht mit Sicherheit sagen. Bildrechte: dpa

Schäfer: Zwei Herdenschutzhunde für derart große Herde zu wenig

Ein Oberlausitzer Schäfer meint, dass zwei Herdenschutzhunde zu wenig seien, um eine Herde dieser Größe zu schützen: "Einige Mitglieder des Wolfsrudels würden die Aufmerksamkeit der Hunde auf sich lenken, währenddessen andere Wölfe sich anschleichen und entweder die Herde in Panik versetzen oder sich ein Schaf greifen." Für diesen Schäfer gibt es nur drei Möglichkeiten: Am Tag muss man als Schäfer oder Besitzer bei seiner Herde sein. "Ich bin selbst von meinen Hütehunden schon auf die Anwesenheit von Wölfen aufmerksam gemacht worden." In der Nacht helfe nur das Einstallen. Die dritte Variante: "Die Zahl der Wölfe auf ein Maß reduzieren, welches dem natürlichen Umfeld angemessen erscheint. Sprich: die Wölfe zum Abschuss freigeben."

Ein Schaf trägt bei einer Protestaktion von Bauern gegen die weitere Ausbreitung wilder Wölfe ein Schild mit der Aufschrift "Ich bin kein Wolffutter!" auf seinem Rücken.
Protest im Wollkleid: Gegen die weitere Ausbreitung wilder Wölfe trägt dieses Schaf ein Schild mit der Aufschrift "Ich bin kein Wolffutter!" Bildrechte: dpa

Der massive Riss unter den Weidetieren in Dauban ist Wasser auf die Mühlen der Wolfsgegner. Sie fordern schon lange die Zahl der Räuber in der Oberlausitz zu begrenzen und den streng geschützten Wolf zum Abschuss freizugeben. Ihrer Ansicht nach leben schon viel zu viele Wolfsrudel - nach Angaben des Wolfsbüros sind es 29 - in der Oberlausitz.

MDR (uwa)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten Studio Bautzen | 19. Juli 2022 | 13:30 Uhr

1 Kommentar

Kalkbrenner vor 27 Wochen

Wann wird dem Wolf in Europa endlich Einhalt geboten? Denn von einer bedrohten Tierart kann beim Wolf definitiv nicht mehr gesprochen werden. Alles andere wäre Sachfremd und eine Leugnung der Realität. Der Wolf gehört zur Bestandskontrolle (und um seinen Bestand dauerhaft auf einem für das Habitat verträglichen Level zu halten, ihn jedoch nicht auszurotten) wie der Fuchs oder der Waschbär europaweit als Raubwild ins Jagdrecht. Damit fällt er gleichzeitig aus dem Wildschadensausgleich heraus.

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