Berlinale Preisverdächtige Kästner-Verfilmung "Fabian" entstand in Görlitz

Die Berlinale ist auf ihrem Höhepunkt: Bis Freitag schaut die Filmwelt nach Berlin. In diesem Jahr allerdings erstmal nur virtuell. Eine Woche lang sichtet die internationale Jury die Filme in den Wettbewerben. Mit dabei: Die Erich-Kästner-Verfilmung "Fabian oder der Gang vor die Hunde", die im Sommer 2019 in Görlitz und Umgebung entstand. Im Juni ist dann die große Premiere mit Publikum.

Der Schauspieler Tom Schilling während der Dreharbeiten.
Tom Schilling inmitten der historischen Kulisse in Görlitz. Bildrechte: dpa

Im Mittelpunkt steht Jakob Fabian. Er ist Schriftsteller und verliebt: Als er Cornelia Battenberg kennenlernt ist es um den Lebemann geschehen. Eine große Liebesgeschichte entspinnt sich - doch es ist schnell klar: Das große Glück soll den beiden Liebenden nicht beschieden sein, denn es ist 1931, eine Zeit, in der die Welt aus den Fugen gerät und in der politisch und gesellschaftlich alles dabei ist, zu zerfallen.

Aktueller Stoff

Erich Kästners Roman "Fabian" entstand und spielt unmittelbar vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Eine Geschichte, die fast ein Jahrhundert zurückliegt, und für Produzent Felix von Böhm dennoch äußerst aktuell ist. "Auch wir leben in einer Zeit, in der es zum einen gesellschaftlich und politisch Umbrüche gibt und in der auch leider rechtskonservative Tendenzen aufkommen."

Die große Zukunftsangst, die im Fabian verhandelt wird, ist etwas, das man auch in der heutigen Zeit lesen kann.

Felix von Böhm Produzent Lupa-Film

Tom Schilling in "Fabian oder der Gang vor die Hunde"
Die Ereignisse im Jahr 1931 drohen Jakob Fabian zu überrollen. Bildrechte: Lupa Film_Hanno Lentz_DCM

Historisches Berlin erwacht in Görlitz zum Leben

In Görlitz endet Fabians Schicksal für Fabian am Neißeviadukt an der Grenze zu Polen. Außerdem drehte das Filmteam im historischen Kaufhaus und in der Altstadt. Für die Dreharbeiten bezog man gleich ein gesamtes Haus in der Jakobstraße und ließ das Berlin der Weimarer Republik in der Neißestadt auferstehen.

Zeitreise

Eine Reise in die Vergangenheit ist das auch für Anja Heinicke aus Colditz, die die historische Kulisse mit Leben füllte: "Wir bekamen einen riesigen Schlüsselbund mit Haustürschlüsseln und Wohnungsschlüsseln."

Das war wie eine Zeitreise. Man ist in diese Hauseingänge reingegangen und in die Wohnungen und hat Holzböden gesehen, Tapeten, die von den Wänden kommen, alte Lampen, die da noch hängen, alte Steckdosen - man hat sich gefühlt wie in einem Film. Das ist im Alltag nur noch sehr selten möglich, es sei denn man arbeitet beim Film.

Anja Heinicke Setdesignerin

Görliwood

Die historische Innenstadt von Görlitz ist immer wieder Kulisse für internationale Produktionen. Auch Claas Danielsen von der Mitteldeutschen Medienförderung schwärmt von der Neißestadt.

Görlitz ist wirklich ein sehr besonderer Drehort, europaweit, weil dort in einem kompakten Innenstadtkern Architektur aus verschiedenen Jahrhunderten vereint ist und man auf einer kleinen Fläche tolle Dreharbeiten machen kann und die Stadt sehr offen ist dafür.

Claas Danielsen Mitteldeutsche Medienförderung

Kinostart im Sommer

Neben Görlitz wurde auch in den Schwesternhäusern in Kleinwelkau gedreht. Für das Filmteam waren die Dreharbeiten an der Neiße eine willkommene Flucht aus dem quirligen Berlin. Am Freitag entscheidet die Jury, ob "Fabian oder der Gang vor die Hunde" einen der begehrten Bären bekommt. Zu entdecken sind die Schauplätze für die Kinogänger auf der großen Leinwand dann voraussichtlich ab dem 1. Juli 2021.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.03.2021 | 17:20 Uhr

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