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Das Kirchenbuch, das Jan Michael Goldberg (links) und der Großschönauer Pfarrer Gerd Krumbiegel halten, ist leider nicht das richtige. Gesucht wird ein älteres Exemplar aus dem 17. Jahrhundert. Bildrechte: Jan Michael Goldberg

Geschichtsforschung700 Euro Finderlohn für altes Kirchenbuch aus Großschönau

von MDR SACHSEN

Stand: 29. Juni 2022, 15:22 Uhr

Ein Historiker sucht für seine Doktorarbeit ein altes Großschönauer Kirchenbuch aus dem 17. Jahrhundert. Seit zwei Jahrhunderten ist es verschollen. Jetzt soll ein Finderlohn helfen, es wiederzufinden. Warum ist es so wichtig?

In den alten Kirchenbüchern Großschönaus kennt sich Jan Michael Goldberg inzwischen bestens aus. Der Wirtschaftshistoriker hat für seine Doktorarbeit viele Wochen lang tausende Daten zu Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen ausgewertet. Doch ein entscheidendes Kirchenbuch fehlt, jenes mit den Aufzeichnungen von den Jahren vor 1706. Seit 1799 gilt es als verschollen. Goldbergs Hoffnung ist, dass das alte Buch auf irgendeinem Dachboden der Region liegt. Deshalb hat er einen Finderlohn ausgelobt. 700 Euro bekommt derjenige, der das Buch zum Pfarramt nach Großschönau bringt.

Familiengeschichte war Anstoß für Forschung

Aber warum ist für Jan Michael Goldberg das Buch so wichtig? Der Grund liegt auch in seiner Familiengeschichte. Denn Goldberg stammt zwar aus Nordrhein-Westfalen, seine Vorfahren lebten aber in Nordböhmen und der Oberlausitz. Schon als 17-Jähriger forschte er nach Goldbergs aus der Region, wurde fündig und vertiefte sich auch als Student weiter in das Familiennetzwerk der Goldbergs. Inzwischen habe er einen großen Goldberg-Datensatz mit mehr als 10.000 Namen seit dem 16. Jahrhundert, erzählt der inzwischen 27-Jährige.

Kirchenbücher liefern Daten für Doktorarbeit

Damit dies alles nicht ungenutzt in einer Schublade verschwindet, wertet Jan Michael Goldberg die Daten für seine Doktorarbeit aus. An ihrem Beispiel forscht er zur sozialen Ungleichheit und Mobilität im Laufe der Jahrhunderte. Wie entwickelte sich also die Familie Goldberg in Nordböhmen und der Oberlausitz nach dem Dreißigjährigen Krieg weiter? Grundlage für diese Forschungen seien die alten Kirchenbücher, sagt der Historiker. Dort könne man die Familienverknüpfungen nachvollziehen ebenso wie die Berufe.

Finderlohn stammt aus Preisgeld

Doch ohne das Kirchenbuch aus dem 17. Jahrhundert fehlen Jan Michael Goldberg Daten, damit er die Familien und Personen miteinander verknüpfen kann. "Ich habe jetzt ganz viele lose Zweige in Großschönau, die müsste ich eigentlich oben einmal zusammenknoten. Ohne das Buch geht das nicht." In das Projekt seien in den vergangenen zehn Jahren schon so viele Stunden hineingeflossen, deshalb sei ihm dies so wichtig.

Ich habe jetzt ganz viele lose Zweige in Großschönau, die müsste ich eigentlich oben einmal zusammenknoten. Doch ohne das Buch geht das nicht.

Jan Michael Goldberg | Wirtschaftshistoriker

Die 700 Euro Finderlohn, die Goldberg ausgelobt hat, stammen übrigens von einem Preisgeld. Im April ist der Wirtschaftshistoriker mit dem Wissenschaftspreis der Oberlausitz für seine Forschungen ausgezeichnet worden. Jan Michael Goldberg ist optimistisch, dass sich das Kirchenbuch irgendwo wiederfindet. Denn dass alte Schriften und Bücher zufällig wiederentdeckt würden, sei schließlich nicht so ungewöhnlich.

MDR (vis)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | Regionlnachrichten aus dem Studio Bautzen | 29. Juni 2022 | 05:30 Uhr