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Beim musikalischen Stadtrundgang tritt der Opernchor des Gerhart-Hauptmann-Theaters auf Görlitzer Straßen und Plätzen auf. Bildrechte: MDR/Romy Heinrich

Auftritt vor Stadtkulisse"Er zechet gern. Sie auch": Auf Stadtrundgang mit dem Opernchor Görlitz

16. Juni 2024, 12:00 Uhr

Zur Corona-Zeit war es für Theater schwierig vor Publikum zu spielen und zu singen. So erging es auch dem Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau. Deshalb ging der Theaterchor auf die Straße zum Publikum. Daraus entstand eine musikalische Stadtführung, die jetzt das dritte Jahr in Folge Gäste anlockt.

Am Heroldbrunnen auf dem Obermarkt in Görlitz haben sich rund 25 Leute zu einer besonderen Stadtführung versammelt. Sie wollen nicht nur trockene Jahreszahlen zu hören, sondern warten auf den Opernchor. Der singt thematisch passend zur Sehenswürdigkeit Lieder aus der Renaissance.

Den Job des Stadtführers übernimmt dieses Mal der Chordirektor Albert Seidl. Der Österreicher ist vor zehn Jahren nach Görlitz gezogen. Mittlerweile kennt er die Neißestadt besser als mancher Einheimischer. So führt er die Gäste auch zum Zecherbrunnen auf dem Klosterplatz. Im Brunnen sitzt die Bronzestatue einer Frau bei der Wäsche, während ein Mann das Bad im Brunnen mit einem Bier zu genießen scheint.

Chordirektor Albert Seidl hatte die Idee zum musikalischen Stadtrundgang Bildrechte: MDR/Romy Heinrich

Die Stadtkulisse zum Klingen bringen

"Den beiden geht es gut. Vielleicht liegt es daran, dass sie gemeinsame Interessen verfolgen", mutmaßt Chordirektor Seidl und lässt den Chor ein Lied über die Harmonie in der Ehe anstimmen. "Oh, wunderbare Harmonie, was er will, will auch sie", erklingen die ersten Liedzeilen. "Er zechet gern. Sie auch…" Für Albert Seidl beschreibt dieses Lied des Komponisten Joseph Haydn wunderbar die Görlitzer Lebensart.

Zur Corona-Zeit ging Seidl durch die Görlitzer Gassen und dachte sich: "Man müsste die alten Gemäuer hier zum Klingen bringen - mit alter Musik. So alt wie das Haus ist, so alt ist dann auch das Lied, das wir singen." Seidl fing an alte Bücher zu durchforsten und die Entstehungsjahre der Lieder zu recherchieren. Bei langen Spaziergängen durch die Stadt, überlegte er sich, in welche Ecke welches Lied passt.

Beim Bummeln durch die Görlitzer Altstadt kam Chordirektor Albert Seidl auf Ideen für musikalische Stadtrundgänge. Bildrechte: MDR/Romy Heinrich

Musikalische Stadtführung auch für Profisänger willkommene Abwechslung

Wichtig war für Albert Seidl außerdem: "Wo klingt es vielleicht auch gut – weil so ein Torbogen gibt ja einen viel besseren akustischen Raum als wenn man irgendwo im Freien steht." Aber auch an den festgelegten Stationen variiere die Akustik von Mal zu Mal, berichtet Sängerin Liga Jankovska. "Wieviele Leute stehen drumherum? Wie laut ist es? Fahren dort Autos oder ist es gerade ruhig?" Das mache die musikalische Stadtführung immer wieder abwechslungsreich.

Für den Obernchor sei das eine spannende Herausforderung, ergänzt Jan Fackelmann. "Im Freien muss man schauen, dass man stimmlich nicht so viel gibt, weil man vom Ort akustisch nicht so viel Rückmeldung bekommt." Normalerweise stehen die 20 Profisängerinnen und -sänger aus acht Nationen auf den Bühnen des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz/Zittau. Sie bestreiten Opern, Musicals und Operetten. Bei der Stadtführung auch mal etwas anderes vortragen zu dürfen, begeistert Désirée Ursu. "Mir macht das total viel Spaß. Ich liebe mittelalterliche Musik, nicht nur Musicals und Opern."

Der Chor nutzt die Akustik in den architektonischen Denkmälern der Stadt Bildrechte: MDR/Romy Heinrich

Auftritte an ungewöhnlichen Ecken

Bei der Stadtführung singt der Chor nicht nur neben den Touristen-Hotspots. Es sind auch "ungewöhnliche" Stopps dabei, wie das Geburtshaus eines Rasse-Geflügelzüchters. Das Publikum ist entzückt. "Das ist etwas völlig anderes, als man sonst so kennt", erklärt eine Teilnehmerin aus Pulsnitz. "Der Chordirektor schmückt das mit seinen Geschichten so schön aus. Und dass die Musik dann noch so toll dazu passt. Das ist wirklich was Einzigartiges."

Nach eineinhalb Stunden endet die Tour mit Blick auf die Neiße. Noch drei Mal bietet Albert Seidl mit seinem Chor so einen Rundgang an – immer mittwochs um 11 Uhr. Tickets dafür sind für 15 Euro in der Touristeninfo in Görlitz zu bekommen.

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MDR (rhe/mak)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichtern aus dem Studio Bautzen | 28. Mai 2024 | 11:30 Uhr