Häusliche Gewalt Neue Anlaufstelle für Gewaltopfer im Landkreis Görlitz

In Löbau ist Anfang Mai eine Beratungsstelle für Betroffene von häuslicher Gewalt eröffnet worden. Wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie erwarten die Mitarbeiterinnen besonders gebraucht zu werden.

Die Mitarbeiterinnen der neuen Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt in Löbau wollen möglichst Hilfe bieten, bevor die Gewalt eskaliert.
Die Mitarbeiterinnen der neuen Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt in Löbau wollen möglichst Hilfe bieten, bevor die Gewalt eskaliert. Bildrechte: Kinderschutzbund Zittau

Die Formen häuslicher Gewalt sind vielfältig, dazu zählen Beleidigungen, Schläge oder Misshandlungen. Frauen und Männer sind davon betroffen. Im Landkreis Görlitz soll den Betroffenen nun noch schneller und besser geholfen werden – mit einer neuen Beratungsstelle in Löbau. Sie ist die erste Anlaufstelle dieser Art im Landkreis. Getragen wird sie vom Ortsverband Zittau des Kinderschutzbundes.

"Wir haben hier zwei Beratungsräume", erklärt eine der Mitarbeiterinnen beim Hausrundgang. Ihren Namen möchte sie aus Sicherheitsgründen nicht nennen. Einer dieser Räume sei für Kinder und Jugendliche und entsprechend dekoriert. Der zweite Raum sei für die Beratung von Erwachsenen gedacht. Drei Mitarbeiterinnen werden sich in Löbau um Betroffene häuslicher Gewalt kümmern.

Kürzere Wege zur Anlaufstelle

In der Vergangenheit bekamen Gewaltopfer Hilfe von der Interventionsstelle in Bautzen. Nun seien die Wege viel kürzer, sagt die Chefin des Projekts Katja Schönborn. 

Die Betroffenen finden viel schneller zu uns, es ist alles kürzer getaktet. Oft braucht es auch sofort eine Reaktion. Da ist es hilfreich, wenn wir jetzt im Landkreis präsent sind.

Katja Schönborn Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Zittau

Dass diese Präsenz wichtig ist, zeigen die Zahlen. Nach Angaben des sächsischen Justizministeriums werden im Freistaat pro Jahr mehr als 9.000 Fälle häuslicher Gewalt angezeigt. Auch stiegen die Beratungszahlen. Corona habe dazu beigetragen. Vor allem in Familien kam es zu Konflikten.

Mehr Betroffene erwartet

"Wir haben jetzt noch keine Statistiken vorliegen, die das eins zu eins widergeben. Aber es stellen alle in ihrer Praxis schon fest", berichtet Schönborn. Sie verweist auf die Polizei und Kolleginnen in Bautzen, die ihr bestätigten, dass nun mit wesentlich höheren Fallzahlen zu rechnen ist.

"Bereits vor Corona zeigte sich deutlich, dass unser Unterstützungs- und Hilfesystem in Sachsen ausgebaut werden muss", erklärt Justizministerin Katja Meier zur Eröffnung der Beratungsstelle in Löbau. Laut Koalitionsvertrag will die sächsische Landesregierung in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt eine eigenständige Koordinierungsstelle bei häuslicher Gewalt schaffen. Außerdem stellt das Land mehr Geld für die sichere Unterbringung von Betroffenen bereit. "Es muss unser Ziel sein, dass jede Person, der häusliche Gewalt widerfährt, unabhängig von ihrem Wohnort schnell Beratung erhält und Auswege aufgezeigt bekommt", bekräftigt Meier.

Kinder als Verlierer wachsender häuslicher Gewalt

Verlierer der Zunahme häuslicher Gewalt seien meist die Jüngsten, erklärt eine Mitarbeiterin aus der neuen Beratungsstelle in Löbau. "Kinder sind grundsätzlich mit betroffen, sofern Partnerschaftsgewalt stattfindet und dementsprechend dürfen die nicht vergessen werden." Kinder bräuchten genauso Beratung – aber auf eine andere Art und Weise als Erwachsene, weil Kinder andere Bedürfnisse hätten.

In den meisten Fällen häuslicher Gewalt werden die Beratungsstellen von der Polizei informiert. Mit der neuen Anlaufstelle in Löbau ist die Hoffnung verbunden, dass Betroffene eher dorthin finden. "Langfristig wollen wir so sensibilisieren und so auf das Thema aufmerksam machen, dass die Menschen zu uns finden und wir vielleicht schon im Vorfeld unterstützen können, dass es gar nicht so eskaliert, dass die Polizei dort hinmuss", sagt eine Mitarbeiterin.

Hilfsangebote sollen besser koordiniert werden

Dazu soll die Beratungsstelle in Löbau Unterstützungsangebote in der Region besser koordinieren. Damit will der Landkreis auch Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen, erklärt Martina Weber, Beigeordnete des Landkreises.

Betroffene häuslicher Gewalt oder deren Freunde und Verwandte im Landkreis Görlitz sollten sich im Ernstfall an die Polizei oder den Kinderschutzbund Zittau wenden.

MDR (jc/mk)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 02. Mai 2022 | 16:30 Uhr

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