Landwirtschaft Oberlausitzer Biobauer setzt auf neue Hühnerrasse mit Doppelbegabung

Seit gut fünf Jahren werden Hühnerrassen gezüchtet, die speziell für den Einsatz in der ökologischen Landwirtschaft gedacht sind. Sie machen das Kükentöten überflüssig, denn die Hennen legen zwar etwas weniger Eier als Hochleistungsrassen, dafür setzten die Hähne ordentlich Fleisch an. Auch in der Oberlausitz gibt es die sogenannten "Zweinutzungshühner".

Zweinutzungshuhnrasse "Coffee und Cream"
Glückliche Hühnerschar: Biolandwirte setzen auf neue Rassen wie Coffee und Cream. Bildrechte: Ökologische Tierzucht gGmbH

Wenn Marcus Ender auf seine Hühnerschar blickt, dann gibt ihm das ein gutes Gefühl. "Wir sind überzeugt, dass man Tiere in der Landwirtschaft braucht", sagt der Biobauer. Für ihn gehören Tiere zum Gemüse- und Ackerbau dazu. Ender betreibt seit zwei Jahren mit seiner Frau den Ender-Hof in Tetta bei Görlitz. Dort baut er Biogemüse an und hält seine Hühner. Vier unterschiedliche Rassen laufen auf seiner großen Wiese herum, bald wird es eine weniger sein. Denn die sogenannten Legehybriden sind für ihn ein Auslaufmodell.

Hohe Legeleistung - schneller Verschleiß

Die Rasse sei darauf gezüchtet worden, besonders viele Eier zu legen, erklärt Marcus Ender. Im Jahr seien das etwa 320 bis 340 Stück. Aber man merke schon Verschleißerscheinungen, wenn die Tiere länger als anderthalb Jahre leben. "Das wollen wir nicht. Wir wollen Hühner, die ein schönes und langes Leben haben." Deshalb setzt er wie andere Biobauern jetzt auf Zweinutzungshühner der Rassen Coffee und Cream.

Zweinutzungshuhnrasse "Coffee und Cream"
Bildrechte: Ökologische Tierzucht gGmbH

Woher kommen Coffee und Cream? Die Zweinutzungshühner entstehen aus der einfachen Kreuzung von zwei Rassen. Aus Bresse Gauloise und White Rock entsteht "Cream" mit weißen Hennen und weißen Hähnen. Aus Bresse Gauloise und New Hampshire entsteht "Coffee". Die Tiere sind braun, weiß und teilweise schwarz gemustert.
(Quelle: Ökologischen Tierzucht gGmbH)

Die neuen Rassen werden seit einigen Jahren auf Initiative der Bio-Anbauverbände wie Demeter und Bioland gezüchtet. Das Besondere: Deren Hühner legen genügend Eier, die Hähne setzen genügend Fleisch an. Huhn und Hahn können also gleichermaßen wirtschaftlich vermarktet werden, es muss kein Küken getötet werden. Die wirtschaftliche Haltung ist auch Marcus Ender wichtig. Schließlich unterliege auch die Landwirtschaft wirtschaftlichen Zwängen und zu teuer dürften die Produkte auch nicht werden, sagt der Biobauer.

Man hat von Beiden etwas: Von den Hähnen Fleisch, von den Hühnern Eier und später auch ein Suppenhuhn.

Marcus Ender Biobauer

Eier werden aus den Gelegen gesammelt
Hühner der neuen Rassen Coffee und Cream legen rund 200 bis 230 Eier im Jahr. Das sind etwa 100 weniger als bei Hochleistungslegehennen. Bildrechte: Ökologische Tierzucht gGmbH

Interesse an Zweinutzungshühnern wächst

Die Zweinutzungshühner werden unter anderem von der Ökologischen Tierzucht gGmbH gezüchtet, deren Gesellschafter die Verbände Demeter und Bioland sind. Geschäftsführerin Inga Günther verzeichnet seit Einführung der neuen Rassen vor etwa fünf Jahren ein stetig wachsendes Interesse. Anfangs hätten sie jährlich rund 5.000 Küken verkauft, inzwischen seien es 100.000 Küken. Angesichts von bundesweit mehr als fünf Millionen Bio-Legehennen sei dies zwar immer noch wenig, aber ein Anfang.

Es ist eine Nische, aber es ist trotzdem für Ökobetriebe die langfristig authentischste Lösung, die sie anbieten können.

Inga Günther Geschäftsführerin der Ökologischen Tierzucht gGmbH

Nicht nur für Bio-Landwirte geeignet

Inzwischen würden sich auch konventionelle Landwirtschaftsbetriebe für die Zweinutzungshühner interessieren, berichtet Inga Günther. In Süddeutschland beispielsweise wolle ein Betrieb mit 15.000 Tieren auf die neuen Rassen umstellen. "Wir haben da auch keine Berührungsängste mit konventionellen Landwirten zusammenzuarbeiten – solange sie Freilandhaltung betreiben." Denn auch für sie hätten die Zweinutzungshühner schließlich Vorteile.

Alte und neue Zweinutzungshühner Alte Hühnerrassen wie "Sundheimer" oder "Bresse Gauloise" lieferten immer schon Eier und Fleisch, sie sind also auch Zweinutzungshühner. Allerdings legen sie meist kleinere Eier und sind nicht so gut auf die Haltung in größerem Maßstab angepasst. Deshalb wurden in den vergangenen Jahren neue Rassen gezüchtet, die wirtschaftlicher gehalten werden können.

Zweinutzungshuhnrasse "Bresse Gauloises"
Die Rasse "Bresse Gauloises" ist ein altes reinrassiges Mast- und Zweitnutzungshuhn. Auch diese Tiere liefern sowohl Eier als auch Fleisch. Bildrechte: Ökologische Tierzucht gGmbH

Kein Importfutter nötig

Ein wichtiges Argument für die neuen Superhühner ist auch deren Fütterung. Ein Tier, dass eine geringere Leistung habe, brauche eben auch weniger hochwertige Futtermittel, erklärt Inga Günther. Futtermittelimporte seien nicht nötig. Die Landwirte können auf heimisches Futter und auch Nahrungsmittelreste setzen.

Das Huhn ist ein Resteverwerter. Seine Aufgabe beim Landwirt besteht darin, die Reste, die kein anderes Tier und kein Mensch mehr isst, in hochwertiges Eiweiß zu verwandeln.

Inge Günther Geschäftsführerin der Ökologischen Tierzucht gGmbH

Im Gegensatz zu den hochgezüchteten Rassen seien die Zweinutzungshühner zudem robuster und gesünder, sagt Inga Günther. Sie ist überzeugt, dass sich die neuen Rassen weiter durchsetzen werden. In der Oberlausitz zumindest ist ein Anfang gemacht.

Quelle: MDR/vis

Felix Seibert-Deiker 18 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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