Debatte Äbtissin: Verkauf von Marienthaler Psalter weiter über Kunsthändler

Das Kloster St. Marienthal in Ostritz erlebt eine unruhige Zeit. Weil es einen Psalter über einen Kunsthändler in der Schweiz verkaufen will, ist eine heftige Debatte entbrannt. Historiker und Politiker warnen vor dem Verlust von Werken von europäischem Rang. Die Abtei bleibt aber bei ihrer Linie.

Das Kloster St. Marienthal.
Dem Kloster St. Marienthal droht nach eigenen Angaben der finanzielle Ruin, deshalb will es wertvolle Handschriften verkaufen. Bildrechte: dpa

Das Zisterzienserinnenkloster Sankt Marienthal hält beim geplanten Verkauf des Marienthaler Psalters und weiterer mittelalterlicher Bücher an der Kooperation mit dem Handschriftenhändler Jörn Günther fest. "Ich sehe überhaupt keine Veranlassung, die Zusammenarbeit, die vertraglich geregelt ist, zu beenden", sagte die Äbtissin Elisabeth Vaterodt in einem am Dienstag veröffentlichten Interview des Portals katholisch.de.

Angebot des Freistaates offenbar 1,2 Millionen Euro

Zugleich betonte sie: "Auch das Land Sachsen kann selbstverständlich ein neues Angebot für die Handschriften abgeben." Bislang habe der Freistaat Sachsen für alle zum Verkauf stehenden Handschriften insgesamt 1,2 Millionen Euro angeboten, gab die Äbtissin bekannt: "Das ist dem Ernst der Sache nicht gerecht geworden." Erst danach habe man sich an den Kunsthändler gewandt. Das Kulturministerium in Dresden wollte das genannte Angebot nicht bestätigen. Sprecher Jörg Förster sagte MDR SACHSEN, auch der Freistaat wolle an den Verhandlungstisch zurück, "um eine Lösung zur Bewahrung des Kulturguts in Sachsen zu erreichen". Man habe im Februar vereinbart, dass man bis Ende Juni Zeit habe, um ein Angebot vorzulegen. 

Äbtissin Elisabeth Vaterodt OCist vom Klosterstift St. Marienthal
Bildrechte: Matthias Wehnert Photos

Auch das Land Sachsen kann selbstverständlich ein neues Angebot für die Handschriften abgeben.

Elisabeth Vaterodt Äbtissin im Kloster St. Marienthal

Äbtissin hofft auf Lösung mit Sachsen

Die Äbtissin betonte, es wäre schön, wenn die Handschriften in Sachsen oder im Kloster verbleiben würden. "Im Augenblick ist ein Verkauf auf dem internationalen Kunstmarkt aber der einzige Weg, um überhaupt wieder eine tragfähige finanzielle Basis für das Kloster zu schaffen", so Elisabeth Vaterodt. Sie äußerte die Hoffnung, dass die Marienthaler Zisterzienserinnen "mit dem Land Sachsen noch eine Lösung für die Kunstwerke finden würden - aber der weitere Prozess läuft jetzt auf jeden Fall über den Kunsthändler".

Historiker protestieren gegen Verkauf ins Ausland oder an Privatleute

Gegen einen Verkauf - vor allem des Marienthaler Psalters auf dem internationalen Kunstmarkt - hatten Historiker in den Sozialen Medien mit der Begründung protestiert, es handele sich um ein Werk von europäischem Rang. Auch aus Sicht von Sachsens Kulturministerium wäre es ein "unersetzbarer Verlust" - wenn vor allem der Psalter ins Ausland oder in Privatbesitz käme und dort nicht mehr öffentlich zugänglich wäre. Mit dem Erlös des Verkaufs will das Kloster einen drohenden finanziellen Ruin vermeiden. Der Marientahler Psalter ist eine reich illustrierte Handschrift vom Beginn des 13. Jahrhunderts.

MDR (kb)/KNA

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten aus der Region Bautzen | 17. Mai 2022 | 12:30 Uhr

2 Kommentare

lk2001 vor 5 Wochen

Die Frage ist letzlich welches Ziel damit bezweckt wird. Hier ist es sicher das Kloster als Stätte und vor allem als Lebendiges Kloster zu erhalten. Dabei spielt es letzlich keine Rolle ob das Vermögen weg ist. Die Nonnen würden ihren Lebensmittelpunkt verlieren und nicht nur ein paar Teure Zettel. Wer verhindern will das Verkauft wird müsste die Laufenden Kosten des Klosters decken. Das will aber weder der Vatikan noch das weltliche Land Sachsen. Was soll sie nun tun die Abtissin

Ralf Richter vor 5 Wochen

Es ist traurig und zugleich absurd, daß ein derartiges Kulturgut zum Spielball um das wirtschaftliche Disaster eines Klosters wird.
Wie können der Vatikan, das Bistum, der Orden zu dem geplanten Verkauf ihren Segen geben, an Stelle ihrem Kloster finanziell zu helfen?
Soll wirklich zugelassen werden, daß diese historischen Schriften in den Tiefen des Tresors eines beliebigen Multis verschwinden?
Wie lange wird der event. erziehlbare Betrag das Kloster über Wasser halten?
Was müssen dann die Schwestern als nächstes auf den Markt werfen?
Ich denke, hier müssen ein paar grundlegendere Fragen angegangen werden, was die Zukunftsfähigkeit des Klosters betrifft.
Der üppige Landbesitz (> 800 ha Wald und Feld) ist bereits nicht mehr, er wurde bereits vor über 10 Jahren veräußert.

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