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Dem Kloster St. Marienthal droht nach eigenen Angaben der finanzielle Ruin, deshalb will es wertvolle Handschriften verkaufen. Bildrechte: dpa

DebatteÄbtissin: Verkauf von Marienthaler Psalter weiter über Kunsthändler

von MDR SACHSEN

Stand: 17. Mai 2022, 20:31 Uhr

Das Kloster St. Marienthal in Ostritz erlebt eine unruhige Zeit. Weil es einen Psalter über einen Kunsthändler in der Schweiz verkaufen will, ist eine heftige Debatte entbrannt. Historiker und Politiker warnen vor dem Verlust von Werken von europäischem Rang. Die Abtei bleibt aber bei ihrer Linie.

Das Zisterzienserinnenkloster Sankt Marienthal hält beim geplanten Verkauf des Marienthaler Psalters und weiterer mittelalterlicher Bücher an der Kooperation mit dem Handschriftenhändler Jörn Günther fest. "Ich sehe überhaupt keine Veranlassung, die Zusammenarbeit, die vertraglich geregelt ist, zu beenden", sagte die Äbtissin Elisabeth Vaterodt in einem am Dienstag veröffentlichten Interview des Portals katholisch.de.

Angebot des Freistaates offenbar 1,2 Millionen Euro

Zugleich betonte sie: "Auch das Land Sachsen kann selbstverständlich ein neues Angebot für die Handschriften abgeben." Bislang habe der Freistaat Sachsen für alle zum Verkauf stehenden Handschriften insgesamt 1,2 Millionen Euro angeboten, gab die Äbtissin bekannt: "Das ist dem Ernst der Sache nicht gerecht geworden." Erst danach habe man sich an den Kunsthändler gewandt. Das Kulturministerium in Dresden wollte das genannte Angebot nicht bestätigen. Sprecher Jörg Förster sagte MDR SACHSEN, auch der Freistaat wolle an den Verhandlungstisch zurück, "um eine Lösung zur Bewahrung des Kulturguts in Sachsen zu erreichen". Man habe im Februar vereinbart, dass man bis Ende Juni Zeit habe, um ein Angebot vorzulegen. 

Bildrechte: Matthias Wehnert Photos

Auch das Land Sachsen kann selbstverständlich ein neues Angebot für die Handschriften abgeben.

Elisabeth Vaterodt | Äbtissin im Kloster St. Marienthal

Äbtissin hofft auf Lösung mit Sachsen

Die Äbtissin betonte, es wäre schön, wenn die Handschriften in Sachsen oder im Kloster verbleiben würden. "Im Augenblick ist ein Verkauf auf dem internationalen Kunstmarkt aber der einzige Weg, um überhaupt wieder eine tragfähige finanzielle Basis für das Kloster zu schaffen", so Elisabeth Vaterodt. Sie äußerte die Hoffnung, dass die Marienthaler Zisterzienserinnen "mit dem Land Sachsen noch eine Lösung für die Kunstwerke finden würden - aber der weitere Prozess läuft jetzt auf jeden Fall über den Kunsthändler".

Historiker protestieren gegen Verkauf ins Ausland oder an Privatleute

Gegen einen Verkauf - vor allem des Marienthaler Psalters auf dem internationalen Kunstmarkt - hatten Historiker in den Sozialen Medien mit der Begründung protestiert, es handele sich um ein Werk von europäischem Rang. Auch aus Sicht von Sachsens Kulturministerium wäre es ein "unersetzbarer Verlust" - wenn vor allem der Psalter ins Ausland oder in Privatbesitz käme und dort nicht mehr öffentlich zugänglich wäre. Mit dem Erlös des Verkaufs will das Kloster einen drohenden finanziellen Ruin vermeiden. Der Marientahler Psalter ist eine reich illustrierte Handschrift vom Beginn des 13. Jahrhunderts.

MDR (kb)/KNA

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | Nachrichten aus der Region Bautzen | 17. Mai 2022 | 12:30 Uhr

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