Streit um Tarifvertrag Krankenhauspersonal in Weißwasser droht mit Warnstreik

Im Sommer scheint alles klar: Tarifkommission und Geschäftsführung des Krankenhauses Weißwasser einigen sich auf einen neuen Tarifvertrag, der ab Oktober gelten soll. Er sieht fünf Prozent mehr Gehalt für das Klinikpersonal vor. Doch der Aufsichtsrat verweigert bislang seine Zustimmung. Die Beschäftigten sind sauer und drohen mit Warnstreik. Nun kommt Bewegung in Sache.

Eine Krankenschwester eilt durch einen Krankenhausflur
Der Lohn am Krankenhaus Weißwasser liegt nur bei 85 Prozent des Westniveaus. Ein neuer Tarifvertrag sollte für eine Annäherung sorgen, doch die Umsetzung verzögert sich. Nun droht ein Warnstreik. Bildrechte: Colourbox.de

Die Beschäftigten des Krankenhauses Weißwasser können sich Hoffnungen auf mehr Gehalt machen. Die Geschäftsleitung der Klinik hat am Dienstag Bereitschaft zu Gesprächen um den neuen Tarifvertrag signalisiert. Das bestätigte Sabine Baron von der Gewerkschaft Verdi. Zuvor hatte das Klinikpersonal mit einem Warnstreik gedroht.

Auf den Vertrag hatten sich beide Seiten bereits im Sommer verständigt. Bisher hat der Aufsichtsrat der Vereinbarung allerdings noch nicht zugestimmt, obwohl der Tarifvertrag ab Oktober gelten sollte. Man habe dem Geschäftsführer für kommende Woche ein Gespräch angeboten, so Sabine Baron. Dies wolle man abwarten, bevor man sich für oder gegen einen Warnstreik entscheide, hieß es weiter.

Aufsichtsrat will weitere Abstimmungen

Warum der Aufsichtsrat bisher die Zustimmung zum Verhandlungsergebnis verweigert, kann Gewerkschafterin Baron nicht verstehen. Gründe dafür seien der Gewerkschaft nicht genannt worden.

Von Seiten des Aufsichtsrates heißt es gegenüber MDR SACHSEN, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Tarifsteigerung erheblich seien. Man müsse sich weiter zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation abstimmen.

Lohn deutlich unter Westniveau

Dass das vom Landkreis Görlitz getragene Krankenhaus Weißwasser in einer wirtschaftlich schwierigen Lage ist, weiß auch Sabine Baron. Aber man habe mit Augenmaß verhandelt, schließlich wolle man das Krankenhaus nicht in die Insolvenz treiben. Trotzdem sei die Lohnsteigerung gerade in Weißwasser dringend notwendig, sagt die Gewerkschafterin. Die Gehälter des Klinikpersonals lägen bisher bei 85 Prozent des Westniveaus. Damit sei das Krankenhaus im Vergleich zu den anderen Kliniken der Region tariflich mit am schlechtesten gestellt.

Mitarbeiter im Krankenhaus drohen mit Warnstreik

Mit dem neuen Tarifvertrag sollte sich das ändern und die Gehälter schrittweise auf 90 Prozent des Westniveaus angehoben werden. Rund 250 Beschäftigte würden davon profitieren. Sie sind nun sauer, dass der Aufsichtsrat das ausgehandelte Ergebnis offenbar wieder in Frage stellt. Das sei gerade in der jetzigen Zeit das falsche Zeichen und zeuge nicht gerade von Wertschätzung, so Sabine Baron. Die ehrenamtliche Tarifkommission, die aus Beschäftigten des Krankenhauses besteht, hat deshalb auch mit Warnstreiks gedroht. Ob sie tatsächlich kommen, wird auch vom Ausgang der neuen Gespräche abhängen.

Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 18. November 2021 | 05:30 Uhr

2 Kommentare

Frank 1 vor 10 Wochen

Krankenhäuser waren auch schon vor Corona überlastet. Heute blendet man das von offizieller Seite gern aus. Corona ist ja dafür ein prima Vehikel zur Begründung. Laut NTV von letzter Woche sind in Deutschland 4.000 Intensivbetten nicht belegbar weil das Personal fehlt. Daran ist nicht Corona schuld, sondern eine seit Jahren desaströse Tarifpolitik. Damit treibt man Menschen aus den Heilberufen. Während der Coronakrise ist die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen gesunken! Klatschen reicht eben nicht.

Nelke vor 10 Wochen

Die Entlohnung einfach an die Diäten im Sächsischen Landtag koppeln und gut ist es ! Oder ist die Arbeit des medizinischen Personals nicht so viel Wert wie die der Landtagsabgeordneten ? Solange das Krankheitswesen "Profitcenter" sein soll und die Sozialversicherung nicht zusätzlich aus der Produktivität personalarmer automatisierter Fertigung und aus den hochprofitablen Bereichen finanziert wird, kann es weder eine gerechte Entlohnung noch ausreichend Personal geben. Aber die Politiker und Funktionäre sind am Thema dran, wie die vielen Hinweise auf überlastete Krankenhäuser der letzten Wochen zeigen. Da können 100 Prozent Westlohn und ein voll aufgefüllter Personalstand nur noch eine Armlänge entfernt sein !

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