Appell Schweinepest in Sachsen: Polen soll Wildschweine stärker bejagen

Der Landkreis Görlitz fühlt sich bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest alleingelassen. Selbst doppelte Zäune, Treibjagd und Abschussprämien haben die Ausbreitung der Tierseuche nicht verhindern können. Wildschweine müssten nach Ansicht des Görlitzer Landrates Bernd Lange viel stärker bejagt werden – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch im benachbarten Polen. Unterstützung erhält der Landkreis nun von Ministerpräsident Michael Kretschmer.

Vier erschossene Wildschweine nach einer Treibjagd.
Immer wieder werden Wildschweinkadaver im Grenzgebiet gefunden. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Der Görlitzer Landrat Bernd Lange fordert eine ständige Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Diese soll alle betroffenen Landkreise anbinden.

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer wolle die Forderung des Görlitzer Landkreises in Berlin unterstützen, erklärte er. Er halte die Bekämpfung der Tierseuche für eine europäische Aufgabe. "Wir haben einen großen Eintrag aus östlicher Richtung. Immer wieder neue Schweine, die die Schweinepest mitbringen."

Ministerpräsident von Sachsen, Michael Kretschmer, steht vor einem Gebäude und spricht während eines Interviews.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir werden mit der polnischen Seite noch mal stärker reden müssen. Dort muss man stärker in die Bejagung der Wildschweine kommen. Ansonsten werden wir das Problem nicht lösen. Die ökonomischen Schäden sind enorm. Die Sorgen auch in anderen Bundesländern sind sehr groß. Deswegen wollen wir versuchen, hier unseren Beitrag zu leisten.

Michael Kretschmer Ministerpräsident Sachsen

Solidarisches Miteinander

Er wolle bei Bund und Ländern für ein solidarisches Miteinander bei der Bekämpfung der Tierseuche werben, sagte Kretschmer am Mittwoch bei der Besichtigung eines Sammelplatzes für Wildschwein-Kadaver im ostsächsischen Rothenburg.

Pufferzone an der Neiße

Landrat Lange forderte, dass entlang der Neiße kein Mais mehr angebaut werden darf, da es immer wieder vorkommt, dass die betroffenen Wildschweine hier verenden und die Seuche sich so über Futtermittel weiterverbreitet. Es brauche eine Pufferzone, sagte er.

Görlitzer Landrat Bernd Lange
Bildrechte: LRA Görlitz/Holger Peschel

Wir sind hier das Experimentierfeld für ganz Deutschland.

Bernd Lange Landrat Görlitz

Konstruktives Miteinander

Sachgebietsleiter Udo Mann unterstrich: "Wir müssen den Korridor nach Polen in den Griff bekommen. Es braucht eine substanzielle Dezimierung des Wildschweinbestands." Dabei setzt der Landkreis auf die Hilfe des sächsischen Landwirtschaftsministeriums. "Wir wollen Anordnungen vermeiden und ein konstruktives Miteinander mit den Agrargenossenschaften."

Bestand dezimieren

Bisher wurden im Landkreis Görlitz in den vergangenen Monaten knapp 1.800 Wildschweine geschossen oder tot aufgefunden, bei rund 410 Tieren wurde das ASP-Virus festgestellt. Die Seuche ist eine Erkrankung bei Haus- und Wildschweinen, die fast immer tödlich verläuft. Für Menschen ist sie ungefährlich.

Quelle: MDR/dpa/uw/lt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 18. August 2021 | 21:00 Uhr

Mehr aus Görlitz, Weisswasser und Zittau

Mehr aus Sachsen