Riesenstau Autobahn GmbH weist Verantwortung für Riesenstau auf A4 von sich

Die Autobahn GmbH des Bundes hat am Mittwoch Kritik der Autofahrer zurückgewiesen. Die beiden Baustellen zwischen Bautzen-West und Kodersdorf auf der A4 waren demnach nicht primär für den Megastau nach Pfingsten verantwortlich. Für die Erneuerung der Fahrbahnen gibt es nur ein beschränktes Zeitfenster vom Frühjahr bis in den Spätsommer und genau in dieses Zeitfenster fällt der Reiseverkehr zu Pfingsten.

Autos und LKW stehen dicht an dicht im Stau auf der Autobahn 4 in Richtung Bautzen
Eine mehr als 40 Kilometer lange Blechkarawane schob sich am Dienstag auf der A4 zusammen. Bildrechte: dpa

Es ist immer das gleiche Spiel auf der Autobahn 4 vor oder nach den christlichen Feiertagen: Zu Weihnachten, zu Ostern und zu Pfingsten staut sich der Verkehr in der Oberlausitz auf der A4 in Richtung Polen oder aus Richtung Polen. Am Dienstag nach Pfingsten war es wieder einmal soweit. Mehr als 40 Kilometer lang war der Stau von Bautzen-West bis an die polnische Grenze. Teilweise stockte der Verkehr auch rings um das polnische Zgorzelec. Auf möglichen Ausweichstrecken, wie der B115 oder B6 krochen Blechlawinen.

Die PKW-Fahrer schimpften auf die Brummi-Fahrer. Diese gaben die Kritik an ihre Auftrag- oder Arbeitgeber weiter und alle gemeinsam machten eine Baustelle zwischen Bautzen-Ost und Bautzen West sowie eine Baustelle bei Kodersdorf für das Chaos auf der A4 verantwortlich: "Hätten die Baustellen nicht erst nach Pfingsten begonnen werden können? Dann wäre der Riesenstau vermieden worden", schimpft ein Autofahrer Für die beiden Baustellen ist die Autobahn GmbH des Bundes verantwortlich und diese kennt das Dilemma rings um die Feiertage.

Baustellen benötigen Vorlauf

"Wir haben uns das Problem auf der A4 nach Pfingsten ganz genau angeschaut, können aber auch nichts daran ändern," meint Tino Möhring von der Niederlassung Ost der Autobahn GmbH des Bundes. "Die Baustellen seien aufgrund des Zustandes der Fahrbahn notwendig und für ihre Instandsetzung haben wir nur ein begrenztes Zeitfenster."

Das Problem dabei: Im Gegensatz zu Ostern und Weihnachten fällt der Pfingstverkehr genau in dieses Zeitfenster. "Auch deshalb wurde versucht, die Zweispurigkeit an den Baustellen beizubehalten", so Möhring. Ein weiteres Problem: Eine Baustelle benötige etwa zwei bis drei Wochen Vorbereitungszeit, bevor die eigentlichen Arbeiten beginnen. Das beginne mit dem Absperren, dem Aufstellen der Verkehrszeichen, reiche über das Markieren der Fahrspuren bis zum Entfernen der Leitplanken.

Besondere Situation auf der A4

Über die A4 in der Oberlausitz rollen täglich etwa 40.000 Fahrzeuge. Nach Dresden steigt das Verkehrsaufkommen auf mehr als 130.000 Fahrzeuge. Im Gegensatz zum Verkehrsaufkommen von oder nach Dresden ist in der Oberlausitz jedes zweite Fahrzeug ein LKW. Damit donnern an normalen Tagen etwa 600 Brummis pro Stunde auf der jeweiligen Richtungsfahrbahn nach Osten oder Westen. Vor oder nach Feiertagen verdoppelt sich die Anzahl der Brummis bei der Ein- oder Ausreise. Eine Folge war am Dienstag der Riesenstau in Richtung Dresden. "

Die Kirsche auf der Stau-Torte waren eben die Baustellen," meint Tino Möhring von der Autobahn GmbH. Ein Rezept gegen die Staus hat aber auch Möhring nicht. "Keiner will, dass sich Baustellen auf der Autobahn über den Winter bis ins nächste Frühjahr hinziehen."

Das dicke Ende kommt noch

Deutsche und polnische Spediteure erklären auf Nachfrage, sie versuchen bereits, die Touren auch zeitlich zu optimieren, um so ihre Fahrer zu schonen. Einige Speditionen leisten sich deshalb Dispatcher. Diese geben ihren Brummifahrern mithilfe von GPS- und Verkehrsdaten sowie speziellen Computerprogrammen u.a. Hinweise zur Stauvermeidung. Doch nicht immer kann Hightech helfen, Liefertermine oder Fristen einzuhalten. Gerade nach langen Wochenenden müssen die Waren zum Empfänger. Ein Polizist der Autobahnpolizei in Bautzen fasst das Dilemma folgendermaßen zusammen: "Viele Unternehmen haben ihre Lagerhallen auf die Autobahn verlegt, das ist gerade hier deutlich zu sehen."

Autos und LKW stehen dicht an dicht im Stau auf der Autobahn 4 in Richtung Bautzen
Spediteure rechnen damit, dass die Staus auf der A4 noch zunehmen werden. Bildrechte: dpa

Die Staus auf der Autobahn 4 werden künftig weiter zunehmen. "Wenn der Krieg in der Ukraine irgendwann zu Ende geht, dann geht auf der A4 gar nichts mehr," meinen zwei Spediteure aus dem Görlitzer Umland. "Und wenn dann noch die Sanktionen gegen Russland fallen, dann ist die Autobahn nicht nur vor oder nach Feiertagen komplett dicht."

MDR (uwa)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport Studio Bautzen | 07. Juni 2022 | 14:30 Uhr

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