Streit um Ausstellungsobjekt Meisterschülerin streitet mit Stadt Görlitz um Kunstfreiheit

In Görlitz gibt es Streit um ein Kunstwerk, das im Rahmen der "Görlitzer Art" entstanden ist. Die Stadt will es abbauen lassen, die Künstlerin wehrt sich dagegen und beruft sich auf die Freiheit der Kunst. Ihre Installation thematisiert das verschärfte Abtreibungsrecht in Polen.

Kunstinstallation von Lisa Maria Baier an der Stadthalle Görlitz
Die Installation "Kulisse" steht direkt an Grenze zu Polen. Bildrechte: MDR/Regina Hamborg

"Kulisse" hat Konzeptkünstlerin Lisa Maria Baier ihre Installation genannt. Das Objekt des Anstoßes steht hinter Bauzäunen vor der Stadthalle, direkt an der polnischen Grenze. Es besteht aus fünf Kinosesseln. Wer darin sitzt, blickt auf ein Banner, auf dem unter anderem auf polnisch "aborcja bez granic" steht, Abtreibung ohne Grenzen. Damit greift Lisa Maria Baier, die an der Hochschule der Künste in Dresden Meisterschülerin ist, ein viel diskutiertes und heikles Thema in Polen auf: die Verschärfung des Abtreibungsrechtes.

Fehlende Kommunikation?

Der Görlitzer Kulturbürgermeister Michael Wieler hat die Installation, genauso wie neun weitere Kunstwerke, zusammen mit einer Jury für die Ausstellung "Görlitzer Art" ausgewählt. Allerdings sei "Kulisse" als Hommage an die Filmstadt Görlitz gedacht gewesen. Jetzt aber seien Begriffe aufgetaucht, die in keiner Weise abgesprochen gewesen seien, sagt Wieler. Solch eine Abweichung hätte die Künstlerin vorher besprechen müssen.

Wir haben hier in dieser Stadt seit 30 Jahren eine Form der Kommunikation, mit den polnischen Nachbarn aufgebaut, die uns zu sehr vielem Guten geführt hat, und eine solche Kommunikation, eine solche Demonstration geradezu, passt da nicht rein.

Michael Wieler Kulturbürgermeister Görlitz

Schließlich ist die Debatte um das Abtreibungsrecht ein sensibles Thema in unmittelbarer Nähe zu den polnischen Nachbarn. Er hat die Künstlerin aufgefordert, ihre Installation abzubauen.

Kulissencharakter immer noch da

Frau vor Kunstinstallation von Lisa Maria Baier an der Stadthalle Görlitz
Lisa Marie Baier verliest ihre Antwort auf die Forderung der Stadt, die Installation abzubauen: "Mein Kunstwerk bleibt." Bildrechte: MDR/Regina Hamborg

Das aber will Lisa Maria Baier auf keinen Fall tun. Sie beruft sich auf die Freiheit der Kunst. Ihr sei im Vertrag mit der Stadt zugesichert worden, dass sie freie Hand bei der Entwicklung des Kunstwerkes habe. Inhalt ihres prämierten Werkes war die Auseinandersetzung mit dem Kulissencharakter der Filmstadt Görlitz. Sie findet, dass die Installation immer noch dem entspreche, was geplant war. Die Debatte um das verschärfte Abtreibungsrecht in Polen ist dabei ihre Kulisse.

Kunst ist immer politisch. Ich sage heute, ich baue nicht ab. Mein Kunstwerk Kulisse bleibt! Kunstfreiheit bleibt! Das 'Verschwindenlassen' von Kunst, die Ihnen nicht 'gefällt' ist eine Praxis, die ich niemals unterstützen möchte.

Lisa Maria Baier Künstlerin

Also bleibt das Kunstwerk erst einmal stehen. Unterdessen hat Kulturbürgermeister Wieler die Stadtratsfraktionen um eine Stellungnahme gebeten. Sie sollen entscheiden, wie es mit der umstrittenen Installation weitergehen soll.

Quelle: MDR/rh/uwa/vis

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 13. Juli 2021 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

Beate Meik vor 9 Wochen

Wieso handelt es sich um Provokation? Wer provoziert?
Das Kunstwerk ist doch nur eine Reaktion auf bestehende Fakten, nämlich: frau blickt auf ein Banner, auf dem auf polnisch provokativ in Richtung D "aborcja bez granic" steht!

Kunst muss frei bleiben!

Finnel vor 9 Wochen

Kunst muss nicht immer gefallen, sie kann auch zum nachdenken und diskutieren anregen. Und genau das passtiert hier. So eine installation gehört nicht in ein wohnzimmer oder weggesperrt.
Das thema ist ganz genau getroffen. Es zeigt doch, das gerade Görlitz wegen der nähe zur grenze eine kulisse bietet. Jetzt kann sich zeigen, ob von dort aus nur zugesehen wird.
Von mir ein applaus für diese kunst. Auf keinen fall abbauen! Das wäre das gleiche wie augen verschliessen.

lk2001 vor 9 Wochen

Kunst liegt ja meistens im Auge des Betrachters. Ich sehe da leider keine. Es ist eine politische Provokation. Auch dies ist bei diesem Thema sicher nötig. Aber nicht in Görlitz, das gehört nach Polen.

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