Europäische Kunsthandwerkertage Schleifer Holzkünstler will Geschichte uralter Hölzer weitertragen

Der Holzkünstler Thomas Schwarz vor einem seiner jüngsten Werke. Es entstand aus einer Linde, die ein Wirbelsturm bei Panschwitz-Kuckau umgeworfen hat.
Der Holzkünstler Thomas Schwarz vor einem seiner jüngsten Werke. Es entstand aus einer Linde, die ein Wirbelsturm bei Panschwitz-Kuckau umgeworfen hat. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

In der Oberlausitz beteiligen sich an diesem Wochenende 17 Werkstätten und Betriebe an den Europäischen Tagen des Kunsthandwerks und geben Einblick in ihr Schaffen. Auch Holzkünstler Thomas Schwarz plante zu diesem Anlass mit befreundeten Künstlern in sein Atelier nahe Schleife einzuladen. Doch wegen der Corona-Pandemie können sie sich und ihre Kunst jetzt nur im Internet vorstellen.

Schwarz bedauert das. Schon im vergangenen Jahr hatte er mit dem Kunstverein Schleife eine gemeinsame Aktion zu den Kunsthandwerkertagen geplant. Diese Tage bringen ihm Aufmerksamkeit, die er mit eigener Werbung nicht erreicht. "Ich habe dann Besucher, die sich von den normalen Tagen des offenen Ateliers unterscheiden", erzählt Schwarz. Dann reisen Gäste aus ganz Sachsen und Brandenburg an. Mehr als 150 Besucher pro Tag konnte er dazu in den vergangenen Jahren begrüßen. "Das ist immer ein ganz inspirierender Austausch und das fließt auch in meine Arbeit ein", sagt Schwarz.

Uralte Bäume aus Pücklers Park dienen als Grundlage

Kunstwerk "Er und sie" aus jahrhundertealten Bäumen, die einmal vor Pücklers ehemaligem Jagdschloss standen.
Kunstwerk "Er und sie" aus jahrhundertealten Bäumen, die einmal vor Pücklers ehemaligem Jagdschloss standen. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Dieser Austausch wird ihm in diesem Jahr fehlen. Denn durch die Besucher erfährt Thomas Schwarz auch immer wieder neue Geschichten zu den Hölzern, die er bearbeitet. Viele davon hat er aus einem früheren Urwald bei Muskau gerettet. Manche standen in Fürst Pücklers erster Parkanlage in der Region. So wie eine mehr als 250 Jahre alte Esche. Die wuchs einst vor Pücklers ehemaligem Jagdschloss. Das Schloss wie auch die Esche mussten dem Tagebau weichen. Thomas Schwarz hat sich ein Stück der Baumkrone gesichert. Geschwungene Formen und Durchbrüche hineingearbeitet. "Damit die Skulptur neugierig macht, was dahinter steckt", erklärt Schwarz.

Er will die Geschichte des Holzes bewahren und in seinen Kunstwerken mitnehmen, sagt der Holzkünstler. Er bezeichnet das als seine Art, den Verlust der Bäume und ganzer Landstriche durch den Bergbau zu verarbeiten. Damit habe seine Leidenschaft für die künstlerische Holzbearbeitung angefangen.

Kunsthandwerk dem Behördenjob vorgezogen

Schwarz ist 1968 in der Region geboren und dort aufgewachsen. Er hat zunächst in der Forstverwaltung gearbeitet. Mit der Holzbearbeitung begann er später parallel zum Job im öffentlichen Dienst. Er startete mit der Kettensäge. Mal ein Stuhl, eine Eule - das waren die ersten Werke. Dann erhielt er schnell erste Aufträge. "Da waren bald echte Herausforderungen dabei, zu denen ich künstlerische Ideen und Konzepte entwickeln musste", erzählt Schwarz. Die Aufträge wurden größer. Er bearbeitete tonnenschwere Skulpturen, bis zu acht Meter groß. "Das ging nicht mehr nebenher zu machen", erinnert sich der Künstler. Deshalb stand er bald vor der Entscheidung: "Entweder das eine oder das andere?" Es sei für ihn dann ein klarer Schritt gewesen, seine Leidenschaft zu leben.

Blick ins Atelier von Thomas Schwarz. Hier veranstaltete der Künstler auch schon Lesungen und Kammerkonzerte.
Blick ins Atelier von Thomas Schwarz. Hier veranstaltete der Künstler auch schon Lesungen und Kammerkonzerte. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Kulturhaus der Sowjets zu Atelier umgebaut

Seit 2008 betreibt er die künstlerische Holzbearbeitung in einer eigenen Firma. 2011 kaufte er das Kulturhaus einer ehemaligen sowjetischen Militärbasis und baute es zu Werkstatt und Atelier aus. "Das war der nächste verrückte Schritt, so eine Ruine zu erwerben", bekennt Thomas Schwarz. "Aber das Gebäude ist wunderbar gelegen in einem Hain von uralten Birken, die auch eine Magie ausstrahlen und eine Geschichte erzählen."

Kunstwerk aus Glas, Edelstahl und uraltem Holz
Kunstwerk aus Glas, Edelstahl und uraltem Holz Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Es reizt ihn, diesen Geschichten nachzugehen und in seinen Kunstwerken weiterzugeben. Die Formen seiner oft abstrakten, mitunter minimalistischen Skulpturen geben ihm die Hölzer vor. "Ich spüre dem nach, was das Holz mir zeigt. Das sind manchmal auch Prozesse, die über Jahre dauern", schildert Schwarz den Entstehungsprozess seiner Kunstwerke. Dabei geht es ihm darum, seine Entwürfe dem Holz nicht überzuordnen. "Ich versuche das Holz als gleichwertig zu erachten, um es in seiner organischen Form, seiner Schönheit zu zeigen, der wunderbaren Maserung und den vielen Kontrasten", erklärt Schwarz. Das sei dann häufig ein Experimentieren. Teils inspiriert ihn die Natur dann auch zu "kühnen Visionen", wie er sagt. Für eine Serie, die derzeit im Geopark-Besucherzentrum in Klein Kölzig gezeigt wird, hat er beispielsweise 1200 Grad heißes Glas auf uraltes Holz fließen lassen.

Dass die Ergebnisse seiner Arbeit bei den Kunden und Besuchern dann eine so große Resonanz finden, habe ihn anfangs überrascht. "Es hat mir gezeigt, wie verbunden wir alle sind", sagt Schwarz. Das merke er häufig, wenn Kunden mit alten Hölzern zu ihm kämen, die von Bäumen stammen, die deren Großväter einst gepflanzt haben. Wenn die sich dann ein Kunstwerk aus diesem Holz von Thomas Schwarz wünschen, verdeutliche ihm das immer wieder, wie emotional unsere Beziehung zu Holz sein kann.

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.04.2021 | 12:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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