Schutz vor Starkregen Leutersdorf setzt auf digitale Hilfe beim Schutz vor Starkregen

Der Gemeindeverband Leutersdorf setzt auf den digitalen Schutz vor Starkregen und Hochwasser. Das bundesweit einmalige Pilotprojekt nutzt dafür ein 3-D-Modell, mit dessen Hilfe Wetterkapriolen simuliert werden können. Die Ergebnisse der Simulation sollen genutzt werden, um die sechs Ortsteile besser vor Katastrophen zu schützen. In das Computermodell sollen auch Erfahrungen von Betroffenen einbezogen werden.

Bruno Scholze hat als Bürgermeister der Gemeinde Leutersdorf schon einige Katastrophen meistern müssen, vom klassischen Hochwasser bis zu Sturzfluten. Immer wieder wurden dabei Teile der Gemeinde überflutet. Doch nicht das klassische Hochwasser sei das Problem, sondern der Starkregen, meint der Bürgermeister. Die extremen Niederschläge sorgten für sehr lokale Katastrophen, so auch am 14.Mai 2017. In Spitzkunnersdorf hatte der Himmel wieder einmal seine Schleusen geöffnet und der gleichnamige Dorfbach trat über seine Ufer. Doch am Schlimmsten waren die Sturzfluten, die von den Hängen unter anderem vom Hofeberg (413 m), dem Forstenberg (454 m) und den umliegenden Feldern als Schlammlawinen ins Dorf schossen. Sie rissen Autos, Bänke und Mülltonnen mit. Keller, Schuppen und Garagen wurden geflutet. Doch nicht nur in Senken oder im Tal waren die Menschen betroffen, sondern auch Gebäude am Hang. Bis zu einem knappen Meter hoch stand damals die braune Brühe. 50 Häuser wurden beschädigt. Weil es ein lokales Unwetter war, zählte es nicht als Hochwasserkatastrophe. Deshalb gab es damals keine Hilfe vom Bund und vom Land für die Betroffenen.

Starkregen vom Himmel bringen das Fass zum Überlaufen

Nur einen Monat später tobte sich der Himmel erneut über der Oberlausitz aus. Wieder fielen etwa 50 Liter Regen auf den Quadratmeter und wieder standen Häuser in Spitzkunnersdorf im Wasser, wurden Straßen überflutet. Das brachte im Gemeinderat das Fass zum Überlaufen.

Wasser überflutet Vorgarten
Nach einem Starkregen wurden im Mai 2017 rund 50 Grundstücke überflutet. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Leutersdorf und seine Ortsteile müssen künftig besser vor Katastrophen geschützt werden, hieß es damals und ein Hochwasser-Managementplan sollte in Auftrag gegeben werden. Bislang hat keiner dieser Pläne einen lokalen Starkregen berücksichtigt. Doch genau das wollten die Leutersdorfer. Diese Idee mit dem Starkregen in Verbindung mit Hochwasser unterstützte die Landesdirektion als Pilotprojekt für Sachsen mit 111.000 Euro. Der Eigenanteil der Gemeinde lag bei 13.000 Euro.

3-D-Simulation soll Hochwasserschutz optimieren

Die Planungsgesellschaft Scholz + Lewis mbH aus Dresden hat nunmehr einen Hochwasser-Management-Plan entwickelt, der zum ersten Mal auch einen Starkregen berücksichtigt. Das ist einzigartig in Sachsen und sogar in Deutschland. Für den Plan wurde das Oberflächenprofil der Gemeinde genau vermessen und dann als 3-D-Modell im Computer nachgestaltet. Nun kann theoretisch simuliert werden, wie sich die Wassermassen in Spitzkunnersdorf bei Hochwasser oder heftigen Regengüssen verhalten. Aus diesem Modell sollen dann sogenannte Risiko- und Gefahrenkarten erstellt werden.

Leutersdorfer und Spitzkunnersdorfer Starkregenkarte
Der erste Entwurf einer Starkregenkarte für Spitzkunnersdorf. Damit wird sichtbar, wo Sturzbäche von den Hängen fließen könnten. Bildrechte: Gemeindeverwaltung Leutersdorf

"Diese Karten sind nicht nur für die Anwohner wichtig, sondern auch für die Rettungs- und Einsatzkräfte", meint Cornelia Oehrling vom Bauamt in Leutersdorf. "Die Kameraden wissen dann, welche Straßen oder Gebiete sie meiden sollten, wenn sie unterwegs sind. Zudem können sie Prioritäten für ihren Einsatz erarbeiten."

Theorie und Praxis

Damit das 3-D-Modell im Computer nicht nur eine theoretische Spielerei bleibt, sollen die Erfahrungen der Leutersdorfer einfließen. Wo gingen Schlammlawinen ab? Wo wurden sie gestoppt? Welche Wege nahm das Wasser? Wo traf es auf Hindernisse, was stoppte den Abfluss?

Starkregen überflutet Grundstück
Erfahrungen der Anwohner, wo sich das Wasser seinen Weg bahnt, sollen in die 3D-Simulation einfließen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Die Gemeinde plant zwei Regenwasserrückhaltebecken als Hochwasserschutz. Doch sind diese Becken an den richtigen Stellen platziert, müssen möglicherweise weitere Maßnahmen geplant werden oder sind die Investitionen in die Rückhaltebecken sogar unnötig? "Genau deshalb benötigen wir die Beobachtungen der Anwohner, um das Computermodell mit Daten aus der Praxis zu füttern," meint Cornelia Oehrling vom Bauamt. Am Donnerstag wurde der sogenannte Hochwasser-Management-Plan samt Risiko- und Gefahrenkarten als Entwurf zum ersten Mal den Leutersdorfern vorgestellt.

Wir realisieren hier in der Oberlausitz gerade das, was derzeit für die Katastrophengebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gefordert wird.

Cornelia Oehrling Bauamt Leutersdorf

Der nächste Starkregen und das nächste Hochwasser kommen bestimmt, denn der Kottmar (582 m) ist nicht weit von Leutersdorf entfernt. Der Kottmar wurde schon im Mittelalter als wasserspeiender Berg bezeichnet. Wolken stauen sich nämlich an dem Höhenzug. Die Folge waren und sind bis heute sehr heftige Wolkenbrüche auf einem sehr begrenzten Gebiet. Wie krass so ein lokaler Starkregen sein kann, war unlängst auf einem Weizenfeld zu sehen: Als hätte eine Scheibe das Feld in zwei Hälften getrennt. Auf der linken Seite stand der Weizen prächtig, die rechte Seite des Feldes hatte der Starkregen samt Pflanzen in eine Matschwüste verwandelt.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 22. Juli 2021 | 08:30 Uhr

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