Denkmal-Sanierung Bund und Land spendieren 36 Millionen für Stadthalle Görlitz

In Görlitz kann die Sanierung der Stadthalle weiter gehen. Der Freistaat beteiligt sich mit 18 Millionen Euro. Das hat am Freitag Ministerpräsident Michael Kretschmer bei einem Besuch in Görlitz zugesagt. Der Bund spendiert ebenfalls 18 Millionen Euro, um das marode Jugendstilgebäude zu retten und wieder nutzbar zu machen.

Haupteingag Stadthalle
Land und Bund spendieren insgesamt 36 Millionen Euro, um die Görlitzer Stadthalle zu retten. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

In Görlitz war und ist das Geld knapp und deshalb die Sanierung der Stadthalle umstritten. Seit ihrer Schließung vor 16 Jahren aus wirtschaftlichen Gründen verursacht das marode Jugendstilgebäude nicht nur im Stadtrat für heftige Debatten, sondern auch an Görlitzer Stammtischen. Die Befürworter vermissen das breite Veranstaltungsangebot, verbinden mit der Stadthalle viele Erinnerungen. Die Gegner halten die Sanierung für zu teuer und glauben, dass man das Haus mit Veranstaltungen künftig nicht mehr wirtschaftlich betreiben kann. Die Veranstaltungslücke, die die geschlossene Stadthalle mit ihren Möglichkeiten in Görlitz gerissen hatte, wurde mittlerweile von anderen Anbietern geschlossen, beispielsweise vom Theater oder der Kulturbrauerei. Nun kommt bald auch noch die Synagoge als Europäisches Kulturzentrum als neuer Veranstaltungsort hinzu.

Westfront der Stadthalle
Die Fenster an der Stadthalle sind noch mit Stahlplatten verschlossen, das Dach ist bereits instand gesetzt. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Trotzdem hat sich die Stadt bemüht, das prachtvolle Gebäude mit einer der wertvollsten Orgeln in Schlesien nicht nur bautechnisch sichern. Mit Millionenaufwand wurden Teile wie das Dach oder der kleine Saal saniert. Nun soll die Sanierung fortgesetzt werden. Das Land steuert dafür 18 Millionen Euro bei, sagte am Freitag Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) bei einem Besuch in Görlitz.

Wir investieren ja in die Lausitz, um hier eine Entwicklung anzustoßen. In der Stadt Görlitz ist das Thema Stadthalle als Kongresszentrum ein großes Thema und jetzt liegt es an der Stadt Görlitz, alle Förderanträge richtig zu stellen.

Michael Kretschmer Sachsens Ministerpräsident

Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht vor Stadthalle
Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sicherte am Freitag zu, dass das Land die Sanierung der Stadthalle mit 18 Millionen Euro unterstützt. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist Görlitzer und auch deshalb blieben ihm die Diskussionen um die Stadthalle nicht verborgen. Um sich ein Bild zu machen, lud er den Görlitzer Stadtrat ein. Bei dem Besuch sprachen sich Fraktionen parteiübergreifend für die Rettung des Jugendstilgebäudes aus. Somit entschieden Staatsregierung und Freistaat das Vorhaben mit 18 Millionen Euro zu unterstützen. Kurz zuvor hatte auch der Bund grünes Licht gegeben. Er steuert ebenfalls 18 Millionen Euro bei. "So viel Rückenwind hatten wir noch nie", sagt Baubürgermeister Michael Wieler. Er will im Rathaus und im Stadtrat Dampf machen.

Wir werden jetzt den Baubeschluss fassen, mit Billigung der Stadträte schon jetzt die Ausschreibungen vorbereiten, damit wir sie dann schnellmöglich raushauen können.

Michael Wieler Görlitzer Baubürgermeister

Bereits in einem Jahr sollen die Arbeiten an der Stadthalle beginnen. Wann sie enden, läßt Wieler offen. Kein Wunder, denn immer wieder waren in den vergangenen Jahren die Termine für eine Wiedereröffnung geplatzt. So sollte in diesem Jahr bei der 950 Jahrfeier von Görlitz im Spätsommer die Einweihung der Stadthalle gefeiert werden. Stattdessen ist das Jugendstilgebäude eine riesige Baustelle: Der Putz bröckelt von den Wänden, das Mauerwerk wird sichtbar. Im großen Saal fehlt das Parkett.

Stadthalle - Stahlträger ragen aus der Bühne
Die Stadthalle ist nur noch eine Baustelle. Aus der Bühne ragen Stahlträger. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Aus der Bühne ragen blanke Stahlträger und die wertvolle Sauer-Orgel ist eingehaust. Trotzdem geht Thomas Leder mit strahlenden Augen durch das Gebäude, das einst als Austragungsort für die Schlesischen Musikfeste gebaut worden war.

Stadthalle großer Saal vor einer Pressekonferenz
Der große Saal der Stadthalle bei einer Pressekonferenz zum Lausitzfestival. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Thomas Leder wird in Görlitz auch als Robin Hood der Stadthalle bezeichnet. Zusammen mit dem Förderverein legte er sich immer wieder mit dem Rathaus an, um den Jugendstilbau zu retten: "Heute ist ein guter Tag und wir haben alles richtig gemacht."

Wir hoffen, dass es jetzt wirklich in die Gänge kommt, gerade wo die Stadthalle im Oktober 111 Jahre alt wird. Der Stadtrat sollte jetzt Nägel mit Köpfen machen und in die Zukunft schauen. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Thomas Leder Chef Förderverein Stadthalle

Ob die Diskussionen in der Stadt jetzt verstummen? Einige Görlitzer meinen, das Geld wäre in den Neubau von Schulen besser angelegt. Zudem explodieren derzeit die Baukosten. So befürchten Experten, dass die geplanten 41 Millionen Euro für die Sanierung nicht reichen werden und die Stadt besser 46 Millionen Euro einplanen sollte.

Pressekonferenz zum Lausitzfestival mit MP Kretschmer
Ministerpräsident Michael Kretschmer (ganz links) in der Görlitzer Stadthalle bei der Präsentation des Lausitz-Festivals. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Das gerade beginnende Lausitz-Festival will übrigens die Stadthalle als bespielbare Baustelle nutzen. So soll bereits im September wieder die Wilhelm-Sauer-Orgel im großen Saal erklingen. Den Stadthallengarten nutzt bereits ab Freitag, 11. Juni, das Görlitzer Theater für seine Sommerspektakel.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm: Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 11. Juni 2021 | 16:30 Uhr

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