Lausitz Festival Kultur als Motor für den Strukturwandel

Das Lausitz Festival soll im Spätsommer seine Neuauflage erleben. Sachsen und Brandenburg wollen die gemeinsame Kulturlandschaft bekannter machen und mithilfe der Kultur den Strukturwandel ankurbeln. Dafür sind vom 25. August bis zum 18. September knapp 80 Veranstaltungen an 50 Orten geplant. Das Programm wurde kürzlich in der Görlitzer Stadthalle vorgestellt.

Pressekonferenz zum Lausitzfestival mit MP Kretschmer
Pressekonferenz mit Ministerpräsident Kretschmer (m) und Festivalchef Kühnel (r) in der Stadthalle in Görlitz. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Das Lausitzer Braunkohlerevier geht dem Ende entgegen, denn vor einem reichlichen Jahr hat die Bundesregierung beschlossen, aus der Kohle auszusteigen. Spätestens 2038 sollen die letzte Braunkohlekraftwerke in Schwarze Pumpe und in Boxberg vom Netz gehen. Ein gewaltiger Strukturwandel steht deshalb in den nächsten Jahr an und das gemeinsame Lausitz Festival soll nach dem Willen von Sachsen und Brandenburg die Region bekannter machen und stärken. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte vor wenigen Tagen in der Görlitzer Stadthalle: "Kultur und Kunst sind wichtig für unser Leben und gerade hier in der Lausitz sind wir offen für neue Idee. Das Lausitz Festival hilft uns dabei, Menschen zusammenzubringen."

Aus den Schrornsteinen und Kühltürmen des Kraftwerkes Boxberg entweicht Dampf
Der Strukturwandel steht an, denn spätestens in 17 Jahren geht Boxberg vom Netz. Bildrechte: Vattenfall Europe

Von außen aufgesetztes Festival

Im vergangenen Jahr hatte das Kunst- und Kulturfestival "Lausitz" seine Premiere als ein Mehrspartenfestival mit Konzerten, Theateraufführungen und Installationen sowie Lesungen. Doch die Premiere traf nicht überall auf Zustimmung. Auch wenn sich viele Kulturschaffende nicht vor dem MDR-Mikrofon äußern wollten. Einige lehnten und lehnen bis heute das Lausitz Festival mit seinem Vier-Millionen-Etat ab.

Theaterszene, 2014
Kritiker meinen, mit den vier Millionen Euro vom Lausitz Festival hätte man besser bestehende Festivals, wie beispielsweise das Via Thea fördern sollen. Bildrechte: IMAGO

"Mit dem Geld hätte man besser die bestehenden Veranstaltungen unterstützen und aufpeppen können, beispielsweise den Bautzener Frühling, das Görlitzer Straßentheaterfestival Via Thea oder den trinationalen Mandaujazz in Zittau", heißt es beispielsweise. Alle diese Veranstaltungen kämpfen jedes Jahr um ihre Finanzierung.

Zudem haben die Oberlausitzer vor einigen Jahren schlechte Erfahrungen mit dem Festival "Dreiklang" gemacht. Nach nur vier Auflagen endete es 2005 auch wegen der Finanzen. "Dreiklang" war vom sächsischen Wirtschaftsministerium gefördert worden. Die Zielsetzung ähnelte dem Lausitz Festival.

Kirche Cunewalde
Auch in der Dorfkirche Cunewalde ist in diesem Jahr wieder das Lausitz Festival zu Gast: Tango! Astor Piazolla zum 100.Geburtstag. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Zweite Auflage startet im Spätsommer

Die Neuauflage des Lausitz Festivals startet am 25. August. Bis zum 18. September sind im Städtedreieck Dresden, Potsdam und Zittau etwa 80 Veranstaltungen geplant. Das Festival steht in diesem Jahr unter dem Motto "Zwischensamkeit".
"Ein Kunstwort, das den Moment des Erstaunen über bevorstehende Veränderungen ausdrücken soll", versucht der Intendant des Festivals Daniel Kühnel das Motto zu erklären. Kühnel ist es erneut gelungen, international bekannte Künstler in die Lausitz zu locken. Zudem sind auch ganz besondere Aufführungen geplant. So wird in der Görlitzer Stadthalle die einst größte Orgel Schlesiens wieder erweckt, die Wilhelm-Sauer-Orgel. Sie ist die letzte ihrer Art und seit 111 Jahren unverändert erhalten.

Wandelkonzert mit Bach über Fluß

Eine Premiere, die in dieser Art wahrscheinlich einzigartig in Europa ist: Ein Konzert in zwei Teilen - in Deutschland und in Polen. Bachs wohltemperiertes Klavier werden die Besucher zunächst in der wieder eröffneten Neuen Synagoge hören. Dann wechselt das Publikum in der Pause über den Grenzfluss Neiße ins polnische Zgorzelec. Dort wird dann der zweite Teil des Konzertes in St. Bonifatiuskirche präsentiert.

Eine jüdische Orgel in der katholischen Kirche: Nach der Pogromnacht 1938 gab es in der Neuen Synagoge in Görlitz keine Gottesdienste mehr. Nur wenige Monate später musste die jüdische Gemeinde das Grundstück mit der Synagoge an die Stadt Görlitz verkaufen. Doch zuvor versuchte die jüdische Gemeinde, das Inventar zu verkaufen. Die Neue Synagoge in Görlitz war eine der wenigen jüdischen Gotteshäuser, die in Deutschland die Progromnacht nahezu unbeschädigt überstanden hatte.

Das benachbarte katholische Pfarramt Heilig Kreuz kaufte im Frühjahr 1939 die Orgel für ihre St. Bonifatius-Kirche im damaligen Görlitzer Stadtteil Moys, dem heutigen Zgorzelec. Seit dieser Zeit umrahmt das 18-stimmige Instrument von Schlag & Söhne aus Schweidnitz die katholische Gottesdienste in der St. Bonifatius Kirche.

Blick auf die Bima oder Almemmor mit dem Lesepult vor dem einstigen Toraschrein.
In der sanierten Neuen Synagoge gibt es keine Orgel mehr. Das 18-stimmige Instrument kaufte nach den Progromen 1939 die katholische Gemeinde für ihre St.Bonifatiuskirche, heute im polnischen Zgorzelec. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

"Kultur ist wichtig für die Region, um die Lausitz erlebbar zu machen", sagt der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). "Nach den vielen Corona-Monaten kann die Kultur wieder aufblühen. Das wird uns allen gut tun." Noch immer ist die Lausitz überregional nur wenig bekannt, daran hat die erste Auflage des Lausitz Festivals wenig geändert. Die Neuauflage in diesem Spätsommer ermöglicht nach Ansicht der Macher wieder einen performativen Austausch mit der Welt. So ist das Lausitz Festival im Herzen Europas gewissermaßen ein Schaufenster für den anstehenden Strukturwandel, meint der Chef des Festivals Daniel Kühnel.

Auch wenn einige Kulturschaffende in der Oberlausitz dem von außen aufgesetzten Festival kritisch gegenüber stehen. Eine Meinung von Kühnel findet ungeteilte Zustimmung. Der Strukturwandel hat nicht nur eine ökonomische und wirtschaftliche, sondern auch eine kulturelle Dimension.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnarichten aus dem Studio Bautzen | 11. Juni 2021 | 05:30 Uhr

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