Stadtentwicklung Start einer neuen Runde Probewohnen in Görlitz

Vor 13 Jahren machte Görlitz erstmals Schlagzeilen, als die Stadt Menschen zum kostenfreien Probewohnen in die Altstadt einlud. Das Projekt hat sich weiterentwickelt. Nun startet eine neue Runde, die Görlitz auch seinen Klimazielen näherbringen soll.

Peterskirche Görlitz
"Stadt der Zukunft" - wie soll sie aussehen, fragt Görlitz und lädt Menschen aus Deutschland und der Welt ein, ihre Ideen zur Stadtentwicklung einzubringen. Drei Monate lang dürfen sie kostenfrei an der Neiße wohnen. Bildrechte: Pfarrkirche St. Peter und Paul Görlitz

Die ersten Teilnehmenden beim neuen Projekt "Stadt der Zukunft" haben das sogenannte Probewohnen in Görlitz begonnen. Bis Jahresende können sie Deutschlands östlichste Stadt als Wohn-, Arbeits- und Lebensort ausprobieren. "Während ihres dreimonatigen Aufenthaltes werden sie die Stadt mit ihren Ideen und ihrer Expertise auf dem Weg zu Klimaneutralität und mehr Nachhaltigkeit unterstützen", informierte das Interdisziplinäre Zentrum für transformativen Stadtumbau (IZS) zum Beginn des neuen "Wohn- und Arbeitsexperiments" am Montag.

Bewerber auch aus Brasilien, Polen und den USA

Demnach sind bis März 2023 insgesamt 18 Probeaufenthalte vorgesehen. Dafür hatten sich 60 Interessierte beworben und Unterlagen aus Deutschland, Polen, Österreich, den USA und Brasilien geschickt, hieß es. Für die Auswahl sei unter anderem ausschlaggebend gewesen, ob die Projektidee zum Ziel der Stadt Görlitz beitrage könne, bis 2030 klimaneutral zu werden. Die "Probewohner" können kostenfrei in Wohnungen der städtischen Wohnungsbaugesellschaft einziehen. Bei den Gastaufenthalten sind Firmen, Forschungseinrichtungen und Vereine zudem Gastgeber.

Wer ist in der ersten Runde dabei?

  • eine Theaterpädagogin aus Sachsen
  • eine Projektmanagerin aus Polen
  • ein selbstständiger Datenwissenschaftler aus Berlin

Ihre Gastaufenthalte werden durch das IZS wissenschaftlich begleitet. Bis Ende Oktober kann man sich noch für freie Plätze in der späteren Projektphase bewerben. Zum ersten Mal hatte Görlitz 2008 Plätze zum Probewohnen angeboten. Mit dem Partner IZS ist auch die neue Runde ein Experiment der Stadtentwicklung. Es soll helfen, Abwanderung und Leerstand zu verhindern.

Von London nach Görlitz

Probewohnen brauchte der 30 Jahre alte Musiker Mark Ehrenfried nicht. Der Starpianist verlegte seinen Wohnort von London nach Görlitz. Mit seiner Ehefrau wohnt er in der Innenstadt. Ehrenfried galt einst als Wunderkind, begeisterte als Zehnjähriger auch die Fernsehzuschauer des MDR. Später gab er bis zu 30 Konzerte weltweit. Doch der Brexit und die Corona-Pandemie veränderten Ehrenfrieds Alltag. Deshalb beschloss die beiden nach Deutschland zurückzukehren. Zwei Monate lang suchte das Paar in verschiedene Städten. Dann entschied es sich für Görlitz:

Ich kannte Görlitz bereits. Es ist eine sehr schöne Stadt. Ich finde eben auch sehr schön, dass man hier eine Art direkte Verbundenheit haben kann mit der Geschichte - vielleicht auch durch die Architektur. Denn wenn man durch die Altstadt läuft, fühlt man sich doch fast zeitversetzt.

Mark Ehrenfried Pianist und neu in Görlitz

All das inspiriere den Künstler, wenn er für seine nächsten Konzerte übt. Allerdings will er sich noch nicht als Wahlgörlitzer bezeichnen lassen: "Dazu sind wir noch zu jung", meint Mark Ehrenfried.

Quelle: MDR/kk/uwa/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 04. Oktober 2021 | 16:30 Uhr

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