Lausitzer Seenland Energischer Protest gegen Vogelschutzgebiet auf Bärwalder See

Die Gemeinde Boxberg ist gegen ein Vogelschutzgebiet in der Mitte des Bärwalder Sees. Dieser Ansicht schlossen sich auch der Anglerverband Elbflorenz e.V. und der Sächsische Seglerverband an. Die Naturschutzzone würde den Zielen der wassersportlichen und touristischen Nutzung des Bärwalder Sees widersprechen, heißt es.

Ein Boot auf dem Bärwalder See vor einem Leuchtturm
Der Streit um das Vogelschutzgebiet inmitten auf dem Bärwalder See geht in eine neue Runde. Bildrechte: MDR/Katrin Funke

Die Gemeinde Boxberg, der sächsische Seglerverband und der Anglerverband Elbflorenz protestieren gegen die Naturschutzzone auf dem Bärwalder See. Der See könne für Tourismus und Wassersport nicht attraktiv bleiben, wenn eine Fläche inmitten des Gewässers als Vogelschutzgebiet ausgewiesen wird, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme. Die Erklärung wurde am Montag im Boxberger Gemeinderat einstimmig verabschiedet.

Gemeinsame Stellungnahme mit Anglern und Seglern

"Die ausgewiesene naturschutzrechtliche Schutzzone in der Seemitte ist nicht angemessen und widerspricht den Zielen der wassersportlichen und touristischen Nutzung des Bärwalder Sees. Sie stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die gesellschaftlich gewollte Strukturentwicklung im Lausitzer Seenland dar und verhindert diese", erklärte Roman Krautz, seit 2010 Projektkoordinator Bärwalder See der Gemeinde Boxberg.

Schutz für den Pracht- und Sterntaucher

Bereits im Vorjahr hatte die Gemeinde bei der Landesdirektion gegen ein Vogelschutzgebiet auf dem See Stellung bezogen. Die Landesdirektion wies damals darauf hin, dass man mit der Einrichtung der Schutzzone lediglich dem Bundesnaturschutzgesetz folge, welches verbietet, streng geschützte Arten in ihrem Lebensraum zu stören. "Maßgeblich für die Festsetzung der zentralen, nicht schiffbaren Wasserfläche ist unter anderem das Vorkommen der auf nur wenigen Gewässern in Sachsen rastenden Vogelarten Pracht- und Sterntaucher. Die Tiere sind gegenüber Bootsverkehr außerordentlich störungsempfindlich", erklärte damals Ingolf Ulrich von der Landesdirektion. Im Sinne eines vertretbaren Interessenausgleichs hatte man sich aber im Sommer 2020 auf eine weniger raumgreifende trapezförmige Wasserfläche geeinigt, die gesperrt bleiben soll.

Eine trapezförmige Wasserfläche mitten im Bärwalder See soll aus Naturschutzgründen nicht schiffbar bleiben.
Eine trapezförmige Wasserfläche mitten im Bärwalder See soll aus Naturschutzgründen nicht schiffbar bleiben. Bildrechte: Grafik:MDR/Thorsten Kügler

Forderung: Kein Schutzgebiet mitten auf dem Wasser

Doch auch diese Fläche ist der Boxberger Gemeinde zuviel. Das wolle man mit einer Stellungnahme bekräftigen, so unterstrich Krautz in der Ratssitzung am Montag. Auch versuche man Landtags- und Bundestagsabgeordnete mit ins Boot zu holen. "Die Pläne der Sächsischen Landesdirektion sind unannehmbar und auch gesetzwidrig. Im Braunkohlenplan sind Naturschutzgebiete eindeutig ausgewiesen. Sie werden nicht in die Mitte eines Sees gelegt", sagte Manfred Dahms, Obmann für Umwelt und Recht beim Sächsischen Seglerverband in der Ratssitzung. "Werden die Pläne Wirklichkeit, wird der gesamte See zersplittert und zergliedert." Eine touristische Nutzung werde unmöglich, so Dahms.

Wir Segler sind empört und stehen an der Seite der Gemeinde Boxberg.

Manfred Dahms Sächsischer Seglerverband

Anglerverband: 300.000 Euro investiert

Scharfe Kritik übt jetzt ebenfalls der Sächsische Anglerverband Elbflorenz. Seit 2011 hat er aufgrund seines Fischereipachtvertrages am See rund 300.000 Euro in Projekte investiert, davon allein rund 170.000 Euro in den naturnahen Fischbesatz. "Und das ohne Fördermittel, nur aus den Beitragsgeldern der Mitglieder", unterstrich Vizepräsident Jürgen Steinert. "Unser Ziel ist der Aufbau eines sich selbst reproduzierenden Bestandes." Gezielt setzten die Angler dafür Fischarten wie Maräne, Zander, Schleife, Schuppenkarpfen und Aale im Bärwalder See ein.

Mit den Fischen, so Steinert, kämen auch die Vögel an den See. Die jetzt jedoch von der Landesdirektion ausgewiesene Schutzzone diene nicht so sehr einheimischen Arten, sondern eher weit entfernt lebenden Vögeln. Am Donnerstag ist eine gemeinsame Beratung mit der Landesdirektion geplant. Würden nicht sämtliche Restriktionen zurückgenommen, wolle der Anglerverband gegen die Landesdirektion klagen, so Steinert.

Gemeinde will Druck aufbauen

Boxbergs Bürgermeister Achim Junker (CDU) kann die Wut, Empörung und Proteststimmung gut nachempfinden. Umso solidarischer sieht er jetzt das gemeinsame Vorgehen von Gemeinde und Verbänden. "Ich finde es gut, dass wir zusammen Druck aufbauen. Nur so können wir etwas erreichen", unterstrich Gemeinderat Gunna Sock, früher langjähriger Gemeindewehrleiter in Boxberg. Auch Gemeinderat Armin Hoffmann steht für die gemeinsame Stellungnahme mit ein. Er selbst kämpfte sieben Jahre lang mit der Bürokratie der Behörden, konnte sein Vorhaben der Fahrgastschifffahrt auf dem Bärwalder See nicht verwirklichen.

Hotelanlage am Boxberger Ufer geplant

Nun soll am Boxberger Ufer des Bärwalder Sees eine Hotelanlage entstehen. Die Gemeinderäte stimmten am Montag einstimmig einem Verkauf mehrerer Flächen an ein Dresdner Immobilienunternehmen zu. Das zahlt für insgesamt mehr als 52.000 Quadratmeter fast 426.000 Euro. Das Unternehmen plant, am Seeufer ein familienfreundliches Hotel mit Gastronomie und Wellnessbereich zu bauen. Außerdem sollen eine Abenteuergolfanlage, ein Streichelzoo und ein Bogenparcours entstehen. Ein Familienunternehmen möchte die Anlage später pachten und betreiben. Das führt bereits in Oberwiesenthal ein Hotel. Anfang des nächsten Jahres könnte der erste Spatenstich für das Projekt am Bärwalder See gesetzt werden, heißt es aus der Gemeindeverwaltung Boxberg.

Luftaufnahme vom Lausitzer Seenland
Luftaufnahme des Lausitzer Seenlandes. Bildrechte: LMBV/Peter Radke

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 13. April 2021 | 07:30 Uhr

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