Tanktourismus Polnische Steuersenkung trifft deutsche Tankstellenpächter

Polen senkt zum 1. Februar 2022 die Spritsteuer. Damit werden Benzin und Diesel deutlich günstiger und für Menschen in Grenznähe wird es noch attraktiver, im Nachbarland zu tanken. Entsprechend besorgt sind die Tankstellen auf deutscher Seite.

Aus einer Zapfpistole tropft Benzin
Die Spritpreise in Polen fallen. So wird das Tanken im Ausland für Deutsche nun noch attraktiver. Bildrechte: dpa

Jens Rösler hat eine Tankstelle im sächsischen Bad Muskau. Von hier sind es nur ein paar Kilometer bis zur Grenze. Rösler erwartet deshalb Umsatzeinbußen, wenn der Sprit in Polen ab Dienstag noch günstiger wird. "Es ist jetzt schon schwierig, da jetzt schon viele nach Polen fahren. Und das wird nicht besser werden", berichtet Rösler.

Polen will Bevölkerung von Inflationsfolgen entlasten

Polen senkt zum 1. Februar vorübergehend die Spritsteuer. Dadurch sollen die Menschen in Polen von den Folgen der Inflation entlastet werden. Für Tankstellenpächter Rösler wird der Wettbewerb mit den polnischen Tankstellen damit noch härter. "Es sind ca. vierzig Cent und nun werden es wahrscheinlich um die fünfzig Cent, die der Super zumindest dort billiger ist."

Nimmt man an, dass eine Tankfüllung 50 Liter sind und rechnet die 20 Liter obendrauf, die man noch in einem Kanister mitnehmen darf, dann spart man bei 50 Cent Preisunterschied pro Liter mit einem Mal Tanken in Polen schon 35 Euro.

"Noch mehr deutsche Tanktouristen"

Das sei natürlich verlockend, sagt Rösler. "Wenn man so die Nummernschilder sieht, ist es aktuell schon so, dass von mindestens 30, 40 Kilometer Umkreis die Leute dahin fahren. Wahrscheinlich wird der noch größer werden, weil es gibt ja auch beispielsweise Zigaretten billiger und das verbinden die meisten dann noch. Hier bleibt immer weniger."

Dass das Einzugsgebiet der polnischen Tankstellen durch die Steuersenkung größer wird, glaubt auch Hans-Joachim Rühlemann, der Vorsitzende des Verbands des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost. Er rechnet in einigen Gegenden mit bis zu 65 Cent Preisunterschied. Der Tankstellenpächter lebe heute außerdem nicht mehr von Benzin, sondern von Lebensmitteln, Tabak und Getränken, sagt Rühlemann.

Umsatzverluste im gesamten Tankstellenangebot erwartet

Rühlemann berichtet: "Wenn aber keine Frequenz mehr auf seiner Tankstelle ist, dann gehen ja sämtliche Umsätze nach unten und Betreiber bleibt auf den Kosten sitzen, die da heißen Pacht, Strom, Wasser und so weiter und so fort. Also die haben wirklich eine ganz, ganz schwierige Situation zurzeit. Sie erleben das mit Tränen in den Augen, weil sie Umsatzverluste von 60, 70 Prozent in allen Bereichen haben."

Pächter appellieren an die Politik

Jens Rösler aus Bad Muskau sagt, er hatte bereits im Januar 10 bis 20 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahresmonat. In den kommenden Wochen werde das nicht besser werden, eher schlechter. Verbandschef Rühlemann kritisiert, die Tankstellen könnten das auf Dauer nicht überleben. Die Politik müsse sich Gedanken machen, wie man sie unterstützen könne.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Februar 2022 | 06:00 Uhr

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