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Stadtentwicklung

Görlitz wird "Stadt der Zukunft auf Probe"

Stand: 16. Februar 2021, 18:43 Uhr

Für ein paar Wochen einen neuen Wohn- und Arbeitsort ausprobieren: In Görlitz war dies vom Januar 2019 bis März 2020 möglich. Die Initiatoren zogen jetzt eine positive Bilanz und luden gleich zum nächsten Durchgang ein.

Gut 60 Selbstständige und Freischaffende haben testweise für jeweils vier Wochen in Görlitz gewohnt und gearbeitet. Sie tauschten ihr Großstadtleben gegen das Kleinstadtflair: Rund 90 Prozent kamen aus Großstädten, vor allem aus Berlin. Darunter waren beispielsweise Fotografen, Übersetzer, Musiker oder Designer, also überwiegend freischaffende Künstler. Sie hätten unter anderem die Entschleunigung des Lebens geschätzt, sagt Constanze Zöllter. Sie ist  Mitarbeiterin im Interdisziplinären Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS) und hat das Projekt wissenschaftlich begleitet.

Neben Netzwerken und dem großen Angebot an Arbeitsräumen ist auch die Entschleunigung des Lebens wichtig. Sie macht die Konzentration auf eigene Projekte möglich und bietet Raum für Inspiration.

Constanze Zöllter | Interdisziplinäres Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau

Schnelles Internet und Verkehrsanbindung wichtig

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer könnten sich deshalb sogar vorstellen, nach Görlitz zu ziehen, so Constanze Zöllter. Fünf Haushalte haben das nach dem Probewohnen tatsächlich auch getan. Allerdings sehen die langjährigen Großstädter auch Verbesserungspotentiale, vor allem bei der Infrastruktur. So sei schnelles Internet für viele sehr wichtig, da es eine Voraussetzung für ihr freiberufliches, selbstständiges Arbeiten ist. Auch die Verkehrsanbindung an die großen Städte sei ein wichtiges Thema, bilanziert Constanze Zöllter.

Jan und Friederike van Bijnens haben im Mai 2019 in Görlitz Quartier bezogen. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Für die Stadt als Partner des IZS ist das Probewohnen bereits seit dem ersten Durchgang 2008 ein spannendes Experiment der Stadtentwicklung. "Die Probewohner zeigen uns Stärken und Schwächen", sagt KommWohnen-Geschäftsführer Arne Mykert. Die städtische Wohnungsgesellschaft stellt drei Wohnungen für das Projekt mietfrei zur Verfügung. Aber auch die Stadt profitiert von ihren Bewohnern auf Zeit. Sie organisierten Ausstellungen, Workshops und etablierten sogar einen "Marktschwärmer"-Ableger, eine Initiative zur Vermarktung regionaler Waren.

Neuauflage: Länger und nachhaltiger

Ab Oktober wird es eine Neuauflage des Projektes geben. Dann sind Interessierte eingeladen, die in Görlitz zum Thema Klimaneutralität und nachhaltige Stadtentwicklung arbeiten möchten. Außerdem wird der Aufenthalt von einem Monat auf drei Monate verlängert. Neu sei auch, so Projektleiter Robert Knippschild vom IZS, dass man diesmal auch Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen mit an Bord habe. Sie werden Teilnehmer des Projektes aufnehmen.

Wir wollen wieder Erwerbstätige ansprechen, Freiberufler, aber auch Start-ups, denen wir Hospitationen bei Arbeitgebern in Görlitz vermitteln.

Robert Knippschild | Interdisziplinäres Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau

Kooperation mit Siemens-Innovationscampus

Auch Beschäftigte, die von ihrem Arbeitgeber an die Neiße für Nachhaltigkeitsprojekte entsendet werden, sind gern gesehen. Erste Gespräche über Kooperationen habe es unter anderem mit dem Siemens-Innovationscampus sowie dem Casus-Institut gegeben. Die Forschungseinrichtung des Helmholtz-Instituts zeigt schon jetzt das Potential der Städte wie Görlitz. Interdisziplinär, digital, grenzüberschreitend forschen dort Wissenschaftler aus sechs Nationen im Kleinstadtflair und jenseits großer Metropolen zu Klima, Covid-19 und Auto der Zukunft.

Quelle: MDR/dpa/pw/vis

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSENMDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.02.2021 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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