Energiegewinnung Laub wird in Oberlausitz zu Brennstoff zum Heizen

In Zeiten der hohen Energiepreise sind innovative Lösungen gefragt. Reichenbach will nun gemeinsam mit einem Team aus Wissenschaftlern, Tüftlern und Unternehmern das Herbstlaub aus den Gärten und Straßen der Stadt zur Energiegewinnung nutzbar machen. In einer Scheune wird schon kräftig daran experimentiert. Wenn dafür die erhofften Fördermittel fließen, könnte das Projekt nächstes Jahr deutlich größer werden. Doch wie gut ist Laub als Brennstoff?

Ein Mann neben einem Schredder
Norbert Döring stellt die Räumlichkeiten und Maschinen für das Projekt zur Verfügung. Aus Laub wird hier Brennstoff. Bildrechte: Jörg Winterbauer

Auf dieser Seite:

  • In einem Pilot-Projekt wird getestet, wie gut sich mit Laub-Pellets heizen lässt. Die Projektinitiatoren hoffen nun auf eine Förderung aus Strukturwandelmitteln.
  • Den Strom für die Produktion liefert eine Photovoltaik-Anlage.
  • Wie groß ist das Potential der Laub-Pellets als Brennstoff?
  • Das Team macht auch Versuche mit anderen Nutzungsmöglichkeiten für das Laub. Zum Beispiel könnte daraus ein biologischer Plastikersatz für Wegwerfprodukte entstehen.

In der Scheune des Dreiseithofes von Norbert Döring im Reichenbacher Ortsteil Mengelsdorf liegt ein riesiger Laubhaufen. Der Maschinenbauer nimmt einige Schaufeln davon, lädt sie in eine metallene Mühle und betätigt einen Schalter. Es brummt und rattert und unten heraus kommen die getrockneten Blätter in gemahlener Form. Döring füllt das Laub-Mehl in den Trichter einer weiteren Maschine. Wieder wird es laut in der Scheune und aus einer Öffnung rutschen kleine Stäbchen, die aussehen wie Kaninchenfutter, in eine Plastikwanne. Aus dem Herbstlaub sind statt Bio-Abfall Laub-Pellets geworden, die zum Heizen verwendet werden können. 

Ein Mann bedient einen Schredder
In dieser Mühle wird das Laub gemahlen. Bildrechte: Jörg Winterbauer

Fördermittel in Millionenhöhe möglich

Noch ist das Projekt in einer Testphase, doch wo heute noch von Hand Laub in eine Mini-Pellet-Presse gefüllt wird, soll bald eine große, automatisierte Anlage stehen. Beteiligt an dem Projekt sind die Hochschule Zittau/Görlitz, die Stadt Reichenbach, die Stadtwerke von Ebersbach-Neugersdorf, sowie die Advanso GmbH, eine Firma aus dem Landkreis Görlitz. Sie alle haben bereits die entsprechenden Anträge auf Fördermittel beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt. Der Geschäftsführer von Advanso, Steffen Menzel, schätzt, dass alle vier Antragssteller zusammen rund 1,2 Millionen Euro Förderung über vier Jahre aus dem STARK-Programm bekommen könnten. Doch bis es soweit ist, fangen die Initiatoren des Projektes einfach schon an. Denn die Blätter fallen nunmal jetzt von den Bäumen und warten bis zum nächsten Herbst wollten sie nicht. Dafür ist der Tatendrang bei den Beteiligten zu groß. 

Das BAFA: Millionen für einen nachhaltigen Strukturwandel

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) vergibt über das STARK-Programm einen Teil der Mittel des Bundes für den Strukturwandel in den Kohleregionen. Das Programm soll Projekte fördern, die den Transformationsprozess zu einer ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Wirtschaftsstruktur in den Kohleregionen unterstützen. Die BAFA-Zentrale liegt im hessischen Eschborn. Eine Außenstelle gibt es in Weißwasser in der Oberlausitz. In Borna bei Leipzig und in Merseburg in Sachsen-Anhalt werden zurzeit zwei weitere aufgebaut. Die drei ostdeutschen Standorte wurden bewusst in Regionen geschaffen, die vom Strukturwandel betroffen sind, damit dort neue Arbeitsplätze entstehen. Leiter der Behörde ist der in Görlitz geborene Torsten Safarik. 

Die Stadt Reichenbach sowie die Stadtwerke Oberland in Ebersbach-Neugersdorf stellten sogenannte Big-Bags - riesige Säcke mit einem Fassungsvermögen von rund 1.000 Litern - an mehreren Punkten auf und riefen die Bürger dazu auf, ihr Laub an den Sammelstellen abzugeben. Und dabei kam einiges zusammen.

Photovoltaik-Anlage liefert Strom für die Pellet-Presse

"Wir experimentieren jetzt mit verschiedenen Eigenschaften des Laubs", sagt Döring. Zum Beispiel müssten feuchte Blätter anders verarbeitet und aufwendiger getrocknet werden als solche, die schon trocken abgegeben werden. Der erfahrene Tüftler vermietet den Projekt-Initiatoren nicht nur seine Scheune, sondern unterstützt sie auch mit seinem Wissen und seiner Erfahrung im Bau von Maschinen und ist somit bei der praktischen Umsetzung des Projektes ganz vorne mit dabei. Als Vorstandsvorsitzender des Vereins "Gemeinnützige Forschungsgesellschaft für dezentrale Energiesysteme" beschäftigt er sich ohnehin mit innovativen Methoden zur Energiegewinnung. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach seiner Scheune liefert den Strom für Laubmühle und Pellet-Presse. Selbst jetzt im Spätherbst scheint genug Sonne dafür.

Geschreddertes Laub in einer Plastikwanne
Die Laubpellets sind bröckeliger und instabiler als Holzpellets. Bildrechte: Jörg Winterbauer

Wenn die Fördermittel da sind, könnte die fertige Anlage auch in seiner Scheune in Reichenbach entstehen, sicher ist das aber noch nicht. Damit sie den Strom der Photovoltaik-Module optimal nutzen kann, schwebt Döring vor, dass sie immer automatisch anläuft, wenn viel eigener Solar-Strom vorhanden ist und sich abschaltet, wenn zu wenig Sonne scheint, "damit man nicht den teueren Netzstrom nutzen muss". Döring nimmt an, dass durch die Nutzung der selbst produzierten Elektrizität und einen Rohstoff, der sonst auf der Deponie landen würde, die Laubpellets günstiger werden als ihr Pendant aus Holz. 

Wie gut sind Pellets als Brennstoff?

Aber sind sie auch ein vergleichbar guter Brennstoff? "Man kann diese Pellets genauso verheizen wie Holzpellets", sagt Döring. Der Brennwert sei rund zehn Prozent geringer und es falle etwas mehr Asche an. Steffen Menzel ergänzt, dass die Laubpellets künftig wahrscheinlich in einer Mischung mit Holzpellets verheizt werden, da sie möglicherweise alleine nicht gut genug brennen und zu wenig Heizwert bringen. Die derzeitige Testphase dient auch dazu, solche Fragen zu klären und gegebenenfalls das optimale Mischungsverhältnis von Holz zu Laub herauszufinden. "Das wird die Hochschule innerhalb der nächsten Monate klären", sagt der Unternehmer. Frühestens nächstes Jahr könne man mit den Pellets kommunale Einrichtungen beliefern oder den Brennstoff verkaufen. Menzel fasst zusammen: "Als Energielieferant kann Laub schon eine beachtliche Rolle spielen, aber keine entscheidende".

Ein Mann neben einem Schredder
Die kleine Pellet-Presse von Norbert Döring muss noch von Hand befüllt werden. In Zukunft könnte hier eine große, automatisierte Anlage gebaut werden. Bildrechte: Jörg Winterbauer

Als Energielieferant kann Laub schon eine beachtliche Rolle spielen, aber keine entscheidende.

Steffen Menzel Geschäftsführer Advanso GmbH

Ohnehin sieht Menzel die Laub-Pellets eher als eine Übergangstechnologie. "Das Laub soll nur temporär eine Rolle spielen, bis mal erneuerbare Energien, Wind und Photovoltaik-Anlagen zum Beispiel, eine größere Rolle spielen. Wir gehen nicht davon aus, dass Laub in den nächsten 40, 50 Jahren als Feuerungsmittel eine große Rolle spielen wird", sagt er. 

Kommt der Kunststoffersatz aus Laub?

Menzel sieht das größere Potential des verarbeiteten Laubs als Rohstoff für einen Kunststoff-Ersatz für Wegwerf-Artikel. Genaueres will er dazu noch nicht sagen, das sei noch geheim. Möglicherweise spricht er von biologischem Einweggeschirr. Eine weitere Einsatzmöglichkeit nennt Döring: Dünger. "Also wir haben drei Nutzungsmöglichkeiten und wir können damit flexibel agieren. Und wenn die Nachfrage sich ändert und wie jetzt gerade Brennstoff-Pellets gefragt sind, dann machen wir eben Brennstoff-Pellets", sagt er. Und die Nachfrage dürfte da sein, solange die Preise für Gas, Öl und Holzpellets hoch sind. 

Noch sind viele Fragen offen bei der Laubverarbeitung in Reichenbach. Doch wenn alles nach Plan läuft, könnte das gepresste Laub schon nächstes Jahr einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die Oberlausitzer warm durch den Winter kommen. Und für ein warmes Gefühl sorgt das Projekt offenbar schon jetzt. Carina Dittrich, die Bürgermeisterin von Reichenbach sagt: "Dass wir wieder Lust und Spaß am Leben haben, das ist mir eigentlich das Wichtigste. Und dass wir gemeinsam Aufgaben lösen. Und das Laub von der Straße zu bekommen, das ist eine gemeinsame Aufgabe."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um Zwei | 16. November 2022 | 14:00 Uhr

14 Kommentare

augu vor 1 Wochen

Holz verbrennen ist wegen der Feistaubentwicklung anrüchig, je kWh Heizwärme aus Laub ist die Feinstaubmenge wohl wesentlich größer als bei 1 kWh Heizwärme aus Scheitholz. Der Energieinhalt von 1m3 gepressten Laub ist wahrscheinlich nur 1/5 des Wertes von 1Festmeter Holz.
Mit neuen Ideen , die in Notsituationen anscheinend die Rettung bringen, kann man aber Fördermittel für sein Probieren abgreifen.

Shantuma vor 1 Wochen

Ähm vor 10 Jahren gab es durchaus die gleichen Argumente wie heute.

Wie gesagt es gibt verschiedene Berichte Fraunhofer war einer von vielen.

Leider scheinen Sie sich keine Mühe gemacht zu haben. Schade.
Und es geht um Laub und nicht um Feinstrumpfhosen. Denn es gibt genügend Technologien welche bereits sehr alt sind, siehe Hyperloop oder auch E-Auto.

Der Rest vom Geschwurbel lasse ich unkommentiert, Niveau ist immerhin keine Creme.

Thommi Tulpe vor 1 Wochen

Vor 10 Jahren erschien es dummerweise nur nicht notwendig, vielleicht auch zu kostenintensiv, Laub zu Heizmitteln zu verarbeiten?
Das Patent für eine unzerstörbare Feinstrumpfhose - für die Damen sicher interessant!? - liegt ja auch seit Jahrzehnten sicher verwahrt in irgendeinem Safe. Ob die Produktion einer solchen Strumpfhose über Gebühr CO2 freisetzen würde, entzieht sich aber meiner Kenntnis. Fragen Sie am besten diesbezüglich das Fraunhofer- (ohne E vor N - kann man auch googlen! ;) ) Institut!

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