Reportage Kleiner Grenzverkehr nach Polen ruhig angelaufen

Einkaufen und tanken in Polen oder Tschechien sind seit Kurzem wieder möglich. Hintergrund ist die neue Corona-Einreiseverordnung des Bundes. Allerdings machten bislang nur Wenige davon Gebrauch. Unser Reporter Jens Czerwinka war in Polen und hat mit Einheimischen und Deutschen gesprochen.

Stadtbrücke von Görlitz mit Blick nach Polen.
Einzelhandel und Dienstleister wie Frisöre haben in Polen geöffnet. Bildrechte: Danilo Dittrich

Nur noch wenige Meter bis zur Görlitzer Stadtbrücke. Vorsichtig gehe ich vom Gas. Weit und breit weder deutsche noch polnische Polizisten zu sehen. Vor einigen Tagen hatten Beamte hier noch Stichproben durchgeführt und einen negativen Corona-Test von den Einreisenden nach Deutschland gefordert. Beim Passieren der Grenze kommen mir nur wenige Autos entgegen. Meist haben die Wagen polnische Kennzeichen. Auch in Richtung Zgorzelec herrscht fast kein Verkehr. Gleich nach der Stadtbrücke steht rechts die erste von zahlreichen polnischen Tankstellen in der Stadt. Der Fahrer eines silbernen Mercedes mit Görlitzer Kennzeichen wartet geduldig an der Zapfsäule und befüllt seinen Wagen mit Diesel. Er ist der Einzige dort.

Grenzverkehr Polen
Tankstellen in Polen warten auf Kundschaft aus Deutschland. Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

Weiter gehts auf der holprigen Woiwodschaftsstraße 352 in Richtung Bogatynia. Auch hier sind nur wenige Autos mit deutschen Kennzeichen unterwegs. Nach etwa einer Viertelstunde verlasse ich die Straße und biege rechts nach Radomierzyce ab. Das kleine Dorf scheint wie ausgestorben. Hier stehen zwei Tankstellen und mehrere Restaurants, die allerdings noch geschlossen sind.

Gähnende Leere

An der Tankstelle im Unterdorf treffe ich auf Martin. Der am Oberarm tätowierte Mann ist mit seiner Mutter hier. Sie hätten Zigaretten gekauft, sagt er freundlich. Ansonsten würden sie sich gleich wieder zurück auf dem Weg nach Görlitz machen. Dass der kleine Grenzverkehr wieder möglich ist, habe er am Abend zuvor von seiner Mutter erfahren. Er selbst wusste es nicht. Niemand würde mehr durchblicken, was gerade erlaubt oder verboten ist, sagt er. Das sei sicherlich auch ein Grund, warum hier so wenig los ist.

Ist schon über ein Jahr her, dass ich in Polen einkaufen war.

Martin aus Görlitz Zigarettenkäufer

Ich frage seine Mutter, warum sie nur Zigaretten gekauft und nicht getankt hat. Dumm gelaufen, sagt sie. Am Dienstag habe sie den kleinen grauen Skoda vollgetankt - allerdings in Deutschland. Da war ja noch nicht abzusehen, dass Tanken in Polen wieder möglich ist. Sagt sie und fährt mit ihrem Sohn in Richtung Heimat. Von Radomierzyce aus wähle ich die Route nach links über die B99. Von Hagenwerder gehts über Ostritz und Hirschfelde nach Zittau, vorbei an großen gelben Rapsfeldern und blühenden Wäldern. Oberlausitz wie bist du schön.

Straße
800 Zigaretten für den eigenen Verbrauch pro Person dürfen steuerfrei aus Polen nach Deutschland eingeführt werden.  Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

Von der Chopinstraße in Zittau führt mich meine Reise wieder zurück nach Polen. Auch in dem kleinen Ort Sieniawka ist es eher ruhig. Normalerweise kommen viele Deutsche rüber, um einzukaufen. Doch heute bleiben sogar die Zigarettenhändler auf ihrer Ware sitzen. Etwas mehr Betrieb herrscht da schon im Garten und Pflanzenhandel wenige Meter nach der Neißebrücke. Der Parkplatz ist gut gefüllt. Polen, Tschechen und einige Deutsche kaufen hier ein.

Frau vor Blumenladen
Die Maskenpflicht in Polen im Freien ist entfallen, bis auf wenige Ausnahmen. Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

Unter ihnen ist Michael aus dem 15 Kilometer entfernten Dittelsdorf. Er entscheidet sich für zwei Säcke Pflanzenerde, seine Frau nimmt ein paar Hängepflanzen mit. So langsam laufe das Geschäft wieder an, sagt Chefin Krystyna Suchenia. Es sei lange her, dass Kunden aus Deutschland bei ihr gekauft hätten. Sie hoffe, dass der Spuk bald wieder vorbei ist.

Ansturm ist ausgeblieben

Zum Ende meiner Tour geht es vorbei an unzähligen Tankstellen. Ähnliches Bild wie in Zgorzelec, der Ansturm hält sich in Grenzen, nur wenige Menschen sind unterwegs. Auch die paar Händler vor ihren Buden warten auf die Kundschaft aus Deutschland. Dann ist die Friedensbrücke in Zittau erreicht, meine Reise zu Ende.

Quelle: MDR/jc

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 16. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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