Im Katastrophenfall Feuerwehr Görlitz hat Rettungswagen für Kulturgut

Wenn historische Werke oder Schriften im Hochwasser oder Regensturz versinken, sind die unbezahlbaren Werte oft unwiederbringlich verloren. Es sei denn, die bedrohten Schätze können schnell und professionell geborgen werden. Im Landkreis Görlitz ist die Feuerwehr nun genau dafür gerüstet.

Rettungs-Anhänger
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Görlitz ist jetzt ein Spezialanhänger zur Rettung wertvoller Dokumente und Kulturgüter stationiert. Anstelle von Infusionen und mobilen EKGs fährt er in erster Linie Transportboxen und Gestänge aus Aluminium. Mit letzterem könne ein Zelt zur Erstversorgung der beschädigten Kulturschätze aufgebaut werden, bei einer Flut zum Beispiel, erklärt Axel Christian vom Görlitzer Naturkundemuseum: "Dann werden die Bücher so nass, wie sie sind, in Folie eingewickelt, in einen Korb gepackt und zum Schockfrosten gefahren."

Schnelle Rettung historischer Schriften

Gedacht ist der Rettungshänger für Katastrophenfälle wie im Sommer 2010, als das Neiße-Hochwasser das Kloster St. Marienthal mit seinen wertvollen Schriften überflutete. Ähnlich wertvolle Kulturgüter lagern in den Museen und Archiven in Görlitz, Zittau, Bautzen und auch Kamenz.

Überschwemmung beim Neißehochwasser in Ostritz
Das Kloster St. Marienthal und der Ort standen 2010 in der Neiße-Flut. Wassermassen bedrohten historische Kulturgüter. Bildrechte: dpa

Für die Hüter dieser Schätze ist der Kulturgutrettungswagen eine wichtige Anschaffung. Man habe zwar selbst ein paar kleine Transportboxen, im großen Ernstfall brauche man aber Partner, sagt Grit Richter-Laugwitz vom Archivverbund Bautzen. "Da ist es gut zu wissen, dass hier so ein Hänger steht, den man anfordern kann. Das ist sehr beruhigend für uns."

Finanziert wurde der Notfallanhänger für Kulturgüter aus Fördermitteln. Geparkt und jederzeit einsatzbereit steht er bei der Görlitzer Feuerwehr.

Ursula Hartwieg von der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts in Berlin (v.l.), Grit Richter-Laugwitz vom Archivverbund Bautzen und Michael Vogel von der sächsischen Landesbibliothek Slub in Dresden halten eine Urkunde von Kaiser Rudolf II. aus dem Jahr 1585.
Im Stadtarchiv Bautzen liegen historische Schriftstücke wie diese Urkunde von Kaiser Rudolf II. aus dem Jahr 1585. Im Falle einer Katastrophe muss schnell reagiert werden, um die Dokumente vor Schaden zu bewahren. Bildrechte: Stadtverwaltung Bautzen

MDR (ma)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 21. Juni 2022 | 19:00 Uhr

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