Kontra Kneipensterben Das "Arschleder" als Dorfkneipe in Rietschen ist gerettet

In Rietschen war es bereits vor Corona nicht mehr möglich, am Abend gemütlich ein Bier zu trinken oder essen zu gehen. Deshalb hat eine Unternehmerin trotz der Pandemie das "Arschleder" als Dorfkneipe wiederbelebt. Dabei half auch der Zufall und ihr Partner!

Jeanett Spretz und ihr Partner Ronny Tüngerthal im "Arschleder"
Jeanett Spretz und ihr Partner Ronny Tüngerthal wollen das "Arschleder" in Rietschen retten. Bildrechte: Uwe Walter

In der Oberlausitz wird die finanzielle Lage vieler Gastronomen und Hoteliers aufgrund der Corona-Pandemie immer prekärer. Staatliche Überbrückungsgelder reichen kaum und die Rücklagen sind aufgebraucht. Auch das "Essen to go" oder der "Abholservice" kann meist die Not nur lindern. Und das Kneipensterben, das auf dem Land schon vor Corona begonnen hat, setzt sich nun in aller Stille fort.

Auch das "Arschleder", eine Dorfkneipe in Rietschen, war bereits "gestorben". Nur eine schwarze Lore aus dem Bergbau erinnerte noch an die ehemalige Gaststätte in einem Backsteingebäude.

Warum eigentlich "Arschleder"? Die Kneipe "Arschleder" erhielt ihren Namen als Hommage an den Bergbau in der Region. Ein "Arschleder" trugen einst Bergleute, um ihr Hinterteil vor Nässe und Kälte zu schützen.

Der Zufall hilft

In Rietschen gab es damit keine Möglichkeit mehr, am Abend gemütlich Essen oder ein Bier trinken zu gehen. Darüber ärgerte sich auch der Bürgermeister Ralf Brehmer und wollte die Rietschener Unternehmerin Jeannett Spretz für das Arschleder gewinnen.

Spretz versorgt die Schule und die Kindertagesstätte aus ihrer Großküche. Allein in der Altenpflege beschäftigt sie 90 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Allerdings stellt die Pandemie Jeannett Spretz und ihren Partner Ronny Tüngerthal gerade in der Pflege täglich vor neue Herausforderungen. "Und dann sollen wir uns noch so einen Klotz wie das 'Arschleder' ans Bein binden", fragen sich beide.

Doch dann stellte vor einem reichlichen halben Jahr der Zufall die Weichen. Ein Koch aus der Region hatte viele Jahre in Tirol gearbeitet, suchte einen Job in der Heimat und fragte ausgerechnet bei Jeannett Spretz an: "Ich war so begeistert von dem Koch und dann habe ich gesagt, wenn wir schon mal den Koch haben, versuchen wir es!"

Das "Arschleder" wird aufpoliert

In der Morgendämmerung stehen Fischer mit Zugnetzen in einem Teich.
Die "alte neue" Dorfgaststätte will mit den einheimischen Teichwirten kooperieren. Bildrechte: MDR/Simone Brannahl

Die Zwangspause während der zweiten Pandemiewelle wurde genutzt, um das alte "Arschleder" im wahrsten Sinne des Wortes aufzupolieren. Entstanden ist die "KON - Die Kneipe ohne Namen"!

Auch wenn im Gastraum noch alle Stühle unbesetzt sind, in der Küche herrscht bereits munteres Treiben für den neuen Abholservice. "Wir testen jetzt mal, was die Leute so mögen", meint die frischgebackene Gastronomin. "Schnitzel geht immer und muss auch sein, aber auch das, was unser Koch aus Tirol mitgebracht hat." Und Ronny Tüngerthal erzählt: "Wir stehen im Kontakt mit unserem Teichwirt aus der Nachbarschaft und haben auch schon mal Stör angeboten. Fisch ging gerade zu Ostern sehr gut!"

"Ihr seid verrückt!"

Der Mut der Unternehmerin, zusammen mit ihrem Partner neben dem Pflegedienst und der Großküche nun noch eine Gaststätte zu betreiben, sorgt bei Mitarbeitern, Bekannten und Freunden für Erstaunen. "Habt ihr nicht schon genug zu tun", bekommen beide oft als Frage gestellt. "Verrückte Sachen oder Dinge, wo sich andere nicht rangetraut haben, dafür bin ich schon immer offen", schmunzelt Jeannett Spretz.

Das "Arschleder" ist nun Geschichte, aber die "Kneipe ohne Namen" schreibt die Geschichte der kleinen Dorfkneipe fort - trotz Conora-Pandemie. Und deshalb wird es irgendwann auch wieder möglich sein, mitten in Rietschen am Abend ein Bier zu trinken oder ein Schnitzel zu essen.

Ein Schnitzel
Das Schnitzel ist ein "Muss" in der neuen "Kneipe ohne Namen" in Rietschen! Bildrechte: IMAGO

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 28. April 2021 | 16:30 Uhr

1 Kommentar

lk2001 vor 25 Wochen

Dann hoffen wir mal das es wirklich eine Erfolgsgeschichte wird und unsere Politiker es nicht schaffen diese Unternehmung auch noch zu ruinieren.

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Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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