Landgericht Görlitz Mehrjährige Haftstrafe für Schleuser nach Tod eines Flüchtlings

Oktober 2021: Über die Route Belarus-Polen steigt die Zahl illegal eingereister Flüchtlinge extrem an. Die Bundespolizei stoppt immer wieder Schleuser-Transporter. In einem Fall befindet sich auf der Ladefläche ein toter Migrant. Seine Schleuser wurden nun zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.

Mehrere Menschen in dicken Jacken stehen auf einem Feld. Daneben Polizeiautos.
Am 29. Oktober wurde nahe der A4 ein toter Migrant in einem Kleinstransporter entdeckt. Bildrechte: Telenewsnetwork

Ein halbes Jahr nach dem Tod eines Flüchtlings in einem Transporter hat das Landgericht Görlitz die beiden Schleuser verurteilt. Eine Strafkammer verhängte dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe gegen einen 42-Jährigen sowie zwei Jahre und zehn Monate gegen einen 48-Jährigen. Der Jüngere wurde wegen versuchten Einschleusens mit Todesfolge härter bestraft. Er hatte der Gerichtshilfe nach deren Angaben im Prozess anvertraut, dass der Iraker fast tot gewesen sei, als er auf die Ladefläche gehoben wurde. Beweise für einen Mord durch Unterlassen wie angeklagt, sahen die Richter nicht. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Staatsanwaltschaft: Irakischer Flüchtling hätte gerettet werden können

Die Männer hatten am 29. Oktober 2021 insgesamt 22 Menschen aus dem Irak von der weißrussisch-polnischen Grenze abgeholt. Als ihr Kleintransporter in der Nähe von Görlitz gestoppt wurde, war ein 32-Jähriger tot. Laut Anklage war er während eines mehrtägigen, 40 Kilometer langen Fußmarschs durch sumpfiges Waldgebiet an der polnischen Ostgrenze gestürzt und konnte nicht mehr laufen, hatte Bauchschmerzen, Schüttelfrost und Durchfall. Wie die Obduktion ergab, starb er zu einem nicht genau ermittelbaren Zeitpunkt an Multiorganversagen - laut einem Gutachter entweder kurz vor der Aufnahme in Polen oder während der Weiterfahrt.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die Schleuser - einen Kurden aus Nordrhein-Westfalen und einen Türken aus Warschau - fünf und vier Jahre Freiheitsstrafe gefordert, die Verteidiger deutlich weniger. Die Männer, die 10.000 Euro für die Schleusung bekommen sollten, zeigten im Prozess Reue. Die Iraker hatten 3.500 US-Dollar pro Person gezahlt. Die Tour war im Zuge eines Polizeieinsatzes nahe der Autobahn 4 aufgedeckt worden. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Tod des 32-Jährigen hätte vermieden werden können - wenn die Angeklagten Hilfe geholt hätten.

MDR (dk,dpa)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 16. Mai 2022 | 20:00 Uhr

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