Tierseuche Sachsen will sich im Kampf gegen Afrikanische Schweinepest neu organisieren

In Sachsen sind 313 Wildschweine registriert worden, die sich mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert hatten. Der Bereich zwischen Weisswasser und Görlitz entlang der polnischen Grenze gilt als gefährdetes Gebiet.

Vier erschossene Wildschweine nach einer Treibjagd.
Vier erschossene Wildschweine nach einer Treibjagd. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Nach mehr als 300 Fällen von Afrikanischer Schweinepest (ASP) baut Sachsens Regierung die Zuständigkeiten um. Wie das für Tierseuchenbekämpfung zuständige Sozialministerium mitteilte, wurden die Maßnahmen am Dienstag dem Kabinett vorgelegt. Demnach werden ab sofort die höchsten Leitungsebenen des Landwirtschafts-, Finanz-, Innen- und Wirtschaftsministeriums in den ASP-Krisenstab einbezogen. Diese Ministerien sollen das Sozialministerium und die Landestierseuchenbekämpfung der Landesdirektion personell und technisch unterstützen, heißt es weiter.


18 Millionen Euro für Seuchenbekämpfung nötig

Grund sei, dass die sich ausbreitende Seuche mehr und mehr ressortübergreifende Abstimmungen erfordere. Allein die Kosten zur Bekämpfung schätzt das Sozialministerium in diesem Jahr auf 18 Millionen Euro. Sozialministerin Petra Köpping (SPD) spricht von einer langwierigen Aufgabe, die sich nur mit gebündelten Kräften und Kompetenzen bewältigen lasse.

Die Erfahrungen der letzten Monate und die aktuelle Entwicklung der Lage mit ersten ASP-Fällen bei Hausschweinen in Brandenburg zeigen, dass wir die stärkere Einbindung weiterer Ministerien in die ASP-Bekämpfung benötigen.

Petra Köpping Sozialministerin in Sachsen

Norden des Görlitzer Landkreises betroffen

Ausbrüche von Afrikanischer Schweinepest gab es bisher in Sachsen nur im nördlichen Teil des Landkreises Görlitz. Bestätigt wurden hier 313 Fälle von ASP bei Wildschweinen. Das als Sperrzone ausgewiesene sogenannte "gefährdete Gebiet" ist um einiges größer. Es umfasst den nördlichen Bereich des Landkreises Görlitz, Teile von Spreetal, Lohsa, Radibor und Bautzen und verläuft im Süden über eine Linie südlich der Autobahn 4 von Bautzen über Löbau bis Ostritz an der Landesgrenze zu Polen.


Restriktionen für Mast- und Zuchtbetriebe

Schweinemast- und Zuchtbetriebe in diesen Gebieten dürfen Tiere und Fleisch nur mit Sondergenehmigung vermarkten. So müssen die Schweine mehr als 500 Kilometer weit in einen speziellen Schlachthof in Schleswig-Holstein transportiert werden. Für die todgeweihten Tiere bedeutet das mehr Stress und für die Mastbetriebe mehr Aufwand und Verluste. Der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Schwein, Frank Bennewitz, sagte MDR SACHSEN, einige Unternehmen würden bereits darüber nachdenken, den Betriebszweig ganz einzustellen.


Wildschweinjagd im Sperrgebiet

Gegen die Ausbreitung der Tierseuche werden in der verhängten Sperrzone gezielt Wildschweine geschossen und Fallen aufgestellt. Mit Hilfe von Drohnen und Spürhunden wird außerdem nach kranken und verendeten Tieren gesucht. Ein Zaun entlang der polnischen Grenze soll das Überwandern von Wildschweinen aus Polen verhindern, denn im Nachbarland gelten Tausende von Wildschweinen als infiziert. Auch ist das ASP-Virus dort bereits auf etliche Hausschweinbestände übertragen worden. Bislang ist die Seuche in Sachsen noch nicht auf Haustiere übergesprungen. In Brandenburg allerdings gibt es bereits solche Fälle.

An der deutsch-polnischen Grenze bei Krauschwitz wird ein fester Zaun gebaut, um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern.
An der deutsch-polnischen Grenze bei Krauschwitz wird ein fester Zaun gebaut, um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Bildrechte: MDR/Thomas Kramer

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 20. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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