05.05.2020 | 11:01 Uhr Landrat von Görlitz will "Weiße Zone" gegen afrikanische Schweinepest

An einem mobilen blauen Elektronetzzaun hängt ein Schild mit der Aufschrift "Wildschweinbarriere" in deutscher, polnischer und englischer Sprache
Ein Elektrozaun bei Bad Muskau soll Wildschweine daran hindern, von Polen nach Deutschland zu wandern. Bildrechte: MDR/André Schulze

Dem Landkreis Görlitz bereitet die Afrikanische Schweinepest weiterhin Sorgen. Um eine Ausbreitung der Tierseuche von Polen nach Deutschland zu verhindern, hat sich der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU) für die Schaffung einer sogenannten "Weißen Zone" für Wildschweine ausgesprochen. Dabei handelt es sich um einen Korridor im deutsch-polnischen Grenzgebiet, der durch entsprechende Bejagung möglichst wildschweinfrei gehalten werden soll, erklärte der Landrat MDR SACHSEN.

Indem in einem Bereich, der direkt an der Neiße ist, ein Zaun gestellt wird, ein zweiter Bereich auch mit einem Zaun begrenzt wird und in diesem Bereich dann die Wildschweine erlegt werden, haben wir dort eine Pufferzone.

Bernd Lange Landrat
Der Landrat des Landkreises Görlitz Bernd Lange
Der Landrat des Landkreises Görlitz, Bernd Lange, plädiert für eine Pufferzone gegen die Ausbreitung der Schweinepest. Bildrechte: Landkreis Görlitz

Der Begriff "Weiße Zone" beziehungsweise "zone blanche" wurde 2018 in Belgien geprägt. Dort hatte man, um eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest nach Westen zu verhindern, kurzfristig Zäune hin zur französischen Grenze aufgestellt. Frankreich etablierte zeitgleich ein eigenes Zaunsystem, so dass ein Korridor geschaffen wurde und die Infektionskette abriss. Diese "zone blanche" stellt somit ein Präventionswerkzeug dar, welches die Einschleppung der Seuche verhinderte, heißt es vom Landratsamt in Görlitz. Auch in Brandenburg werde der Bau einer zweiten Wildschweinbarriere an Neiße und Oder diskutiert, um das Überschwappen der Afrikanischen Schweinepest von Polen nach Deutschland zu verhindern.

Elektrozaun an der Neiße

Sachsen hatte Anfang Januar in einem viereinhalb Kilometer langen Grenzabschnitt zu Polen einen Elektronetzzaun errichten lassen. Er zieht sich entlang des Uferwegs an der Neiße und soll die Wanderung von Wildschweinen aus dem Nachbarland nach Sachsen erschweren. Der Zaun steht nicht nur unter Strom, er ist auch mit einer übelriechenden Substanz getränkt, um Wildschweine abzuschrecken.

Für Menschen ist die Afrikanische Schweinepest ungefährlich. Sie endet jedoch bei Wild- und Hausschweinen fast immer tödlich. Im Landkreis Görlitz gibt es viele Schweineställe - in Kunnersdorf und Kodersdorf bei Görlitz sowie in Eiserode bei Löbau und in Bertelsdorf und Kies- und Oberseifersdorf.

Der erste Nachweis bei einem Wild- oder Hausschwein in Deutschland würde wirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen. Die Bundesrepublik würde den Status "seuchenfrei" verlieren, es drohen Exportstopps für Schweinefleisch. Zudem müssen auf betroffenen Höfen alle Tiere getötet werden. In Sperrbezirken dürfen Schweinebauern ihre Tiere nicht verkaufen.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.05.2020 | 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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