Tierseuche Spürhunde im Einsatz gegen Schweinepest in Görlitz

Die Afrikanische Schweinepest ist in Ostsachsen auf dem Vormarsch. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit und das Virus. Denn nur, wenn die toten Wildschweine rechtzeitig gefunden werden, lässt sich verhindern, dass das Virus verschleppt wird. Speziell ausgebildete Kadaverspürhunde sollen jetzt dabei helfen, die Suche zu beschleunigen.

Ein dunkler Hund blickt freundlich in die Kamera
Spürhunde wie dieser ermöglichen es, auch im dichten Gestrüpp tote Wildschweine zu finden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Sachsen breitet sich die Afrikanische Schweinepest weiter aus. Nach aktuellen Zahlen des Sozialministeriums in Dresden wurden bisher 339 infizierte und verendete Wildschweine registriert. Das sind 70 mehr als Ende Juni und sechs Mal so viel wie im Februar 2021. Hauptschwerpunkt der Seuche ist der Landkreis Görlitz. Doch auch Gebiete im Landkreis Bautzen sind bereits als Gefahrenzone ausgewiesen.

Und die Sorge vor einem Übergreifen der Tierseuche auf Hausschweine - wie jüngst in Südbrandenburg - wächst. Im Nachbarbundesland wurde am Mittwochabend bekannt, dass mit dem Landkreis Barnim nun ein weiterer Brandenburger Landkreis betroffen ist. Der Fundort befindet sich laut Bundeslandwirtschaftsministerium wenige Kilometer von der polnischen Grenze entfernt.

Hunde helfen suchen - In Sachsen sind Spürhunde als "Kadaversuchgespanne" aus Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Bayern im Einsatz.
- Seit Mitte Juli sind auch die ersten fünf Sachsen ausgebildeten vierbeinigen Teams einsatzbereit, teilte das Sozialministerium mit.
- Die Fallwildsuche gehört zu den Maßnahmen, um die Ausbreitung der Seuche einzudämmen und die Übertragung auf Hausschweine zu verhindern.

Quelle: dpa vom 29.7.2021

Verschleppung des Virus droht

In Sachsen liegt momentan das Augenmerk darauf, die toten Wildschweine möglichst schnell zu finden. Deshalb kommen jetzt speziell ausgebildete Kadaverspürhunde zum Einsatz. Drei Hundestaffeln sind zur Zeit in einem Waldstück bei Niesky unterwegs. Dort suchen sie im dichten Gestrüpp aus umgestürzten Bäumen, Dornenbüschen und kleinen Sumpflandschafen nach den Tieren.

Görlitzer Landrat Bernd Lange
Bildrechte: LRA Görlitz/Holger Peschel

Ich bin froh, dass uns Bayern mit Suchhunden hilft. Das macht es uns möglich, die Sache einigermaßen im Zaum zu halten.

Bernd Lange (CDU) Landrat des Landkreises Görlitz

Allerdings drängt die Zeit. "Wenn wir den Tierkörper nicht rechtzeitig finden, kann der Virus sich verschleppen. Deswegen muss das tote Wild raus aus der Fläche", so Lange.

Eine Gruppe von Hundführern sucht mit ihren Hunden den Wald nach toten Wildschweinen ab
Hundeführer durchkämmen mit ihren Hunden die Wälder in den Seuchengebieten - hier in einem Waldstück bei Niesky. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erste Fälle der Schweinepest im Oktober 2020

Seit die ersten Fälle der Afrikanischen Schweinepest in Sachsen Ende Oktober vergangenen Jahres bekannt wurden, sind Hundestaffeln aber auch Jäger auf der Suche nach dem Wild. Doch die Kapazität der Gesundheitsbehörde stößt nach Einschätzung des Landratsamtes an ihre Grenze. Aus diesem Grund konzentrieren sich die Verantwortlichen derzeit nur auf Gebiete, in denen bereits Fälle aufgetreten sind.

Wir sind in den viruslastigen Gebieten nur damit beschäftigt, eine Verschleppung zu verhindern. Wir werden die Seuche aber nicht tilgen.

Udo Mann Stellvertretender Amtstierarzt des Landkreises Görlitz

Pufferzone entlang der Grenze zu Polen

Eine erweiterte Pufferzone von Weißwasser bis Zittau entlang der polnischen Grenze soll nun verhindern, dass sich die Seuche weiter ausbreitet. Außerdem ist vorgesehen, das Netz von Schutzzäunen auf über 500 Kilometer auszubauen. Wildschweine aus Polen sollen so keine Chance haben, nach Deutschland zu kommen und die Erkrankung zu übertragen. Anders als bei den Wildschweinen ist in Sachsen bisher nicht bekannt, dass die Schweinepest auch auf Hausschweine übergesprungen ist. Sollte dies passieren, geht das Landratsamt davon aus, dass die wirtschaftlichen Folgen für die regionalen Schweinewirte groß wären.

Zwei Männer mit Arbeitsoveralls errichten einen Maschendrahtzaun
Der Zaun an der Grenze zu Polen wird erweitert, um zu verhindern, dass polnische Wildschweine nach Deutschland kommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Landrat wünscht sich finanzielle Entlastung vom Freistaat

Landrat Bernd Lange wünscht sich in dieser Situation vor allem weniger Bürokratie und eine stärkere Entlastung. Der Landkreis sei finanziell ohnehin nicht gut aufgestellt und nun gebe es durch die Schweinepest Ausgaben in Größenordnungen. "Da erwarte ich, dass man sagt, macht erstmal", bekräftigte er seine Position gegenüber der Landesregierung.

Das Sächsische Gesundheitsministerium hat erklärt, in diesem Jahr rund 18 Millionen Euro zusätzlich für den Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest bereitzustellen. Doch dem Landrat ist das nicht genug. Das Geld werde trotzdem nicht reichen, befürchtet Bernd Lange.

Quelle: MDR/sth/fg/afp

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 28. Juli 2021 | 19:00 Uhr

Mehr aus Görlitz, Weisswasser und Zittau

Mehr aus Sachsen