Tierseuche Schweinepest: Landrat Lange fordert von Bund und EU mehr Hilfe

Nach einem erneuten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest nahe der Neiße wird die Gefahrenzone ausgeweitet und ein weiterer Zaun gebaut. Der Landkreis fordert mehr Unterstützung und sieht mit Sorge auf den Umgang der Polen mit der Schweinepest.

An der B115 zwischen Niesky und Rietschen hat das Technische Hilfswerk mit dem Aufbau eines weiteren Zaunes zur Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest begonnen.
An der B115 zwischen Niesky und Rietschen hat das Technische Hilfswerk mit dem Aufbau eines weiteren Zaunes zur Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest begonnen. Bildrechte: MDR/Danilo Dittrich

Für den Landkreis Görlitz ist der neue Fund eines mit dem Schweinepest-Virus infizierten Tieres bei Rothenburg ein Kraftakt. Denn der Wildschweinkadaver wurde Mitte Januar knapp drei Kilometer entfernt von der Neiße gefunden, weshalb die Gefahrenzone jetzt ausgeweitet wurde. Das bedeutet den Bau von weiteren 30 Kilometern festen Zaunes und erneute Fallwildsuchen in einem sehr viel größeren Gebiet. Dabei werden die Behörden zwar vom Technischen Hilfswerk und den Jägern unterstützt, sagt der stellvertretende Amtstierarzt Udo Mann. "Ein drittes Mal halten wir das aber hier mit unseren Strukturen im Landkreis nicht mehr durch."

Restriktionszonen Die Fläche des sogenannten gefährdeten Gebietes rund um den Fund des infizierten Wildschweinkadavers bei Rothenburg ist auf das Doppelte ausgeweitet worden. Sie umfasst jetzt 322 Quadratkilometer. Innerhalb dieses Gebietes darf derzeit nicht gejagt werden, Auslauf und Freilaufhaltung von Hausschweinen sind untersagt. Es gilt Leinenzwang für Hunde.

Um das gefährdete Gebiet gibt es noch eine Pufferzone, sie dehnt sich jetzt auf den gesamten nördlichen Landkreis Görlitz bis zur A4 aus. Verendete oder erkrankte Wildschweine müssen hier dem Veterinäramt gemeldet werden.

Verzögerte Meldungen aus Polen

Sorge bereitet Mann und seinen Kollegen vor allem die unklare Lage auf polnischer Seite. Derzeit kämpfe man mit einer Art "Blackbox" östlich der Neiße, so Udo Mann. Die gemeldeten Fallzahlen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) kämen meist mit Verzögerung. Auch im Umgang mit der Tierseuche sieht er Mängel.

Wir haben bei unseren Neißebefahrungen Funde gesehen, die wir selber gar nicht bergen dürfen. Die haben teilweise noch bis zu 14 Tage da gelegen, bis das viruslastige Material von polnischer Seite beräumt wurde.

Udo Mann Stellvertretender Amtstierarzt

An der B115 zwischen Niesky und Rietschen hat das Technische Hilfswerk mit dem Aufbau eines weiteren Zaunes zur Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest begonnen.
Auf dem Flugplatz Rothenburg hat der Landkreis einen technischen Stützpunkt aufgebaut, wo unter anderem das Zaunmaterial gelagert wird. Bildrechte: MDR/Danilo Dittrich

Das sächsische Sozialministerium bestätigt, dass der Informationsfluss bei der Meldung neuer ASP-Fälle aus Polen nicht immer optimal läuft. Mitunter dauere es zwei bis drei Wochen, bis Sachsen davon erfahre. Entsprechend verzögert könne man erst auf sächsischer Seite reagieren, so das Ministerium. Gleichwohl sei man dabei, eine binationale Zusammenarbeit aufzubauen und eine deutsch-polnische ASP-Taskforce zu gründen. So habe es bereits zwei entsprechende Treffen auf fachlicher Ebene gegeben.

Klare Maßnahmen für Grenzraum gefordert

Dem Görlitzer Landrat Bernd Lange reicht das noch nicht. Er erwartet auch von der polnischen Seite, dass gehandelt wird und dort ebenfalls Pufferzonen eingerichtet werden. Aus seiner Sicht müssen Freistaat und Bund erkennen, dass sich der Landkreis Görlitz mit einer 120 Kilometer langen Grenze zu Polen in einer besonders belastenden Situation bei der Tierseuche befindet. Lange kündigte einen Brief an Freistaat, Bund und EU-Kommission an, in dem er die Festlegung klarer Maßnahmen für den Grenzraum fordert.

Der Landrat des Landkreises Görlitz Bernd Lange
Bildrechte: Landkreis Görlitz

Wir verteidigen hier im Grunde die Schweinezuchtbetriebe im gesamten deutschen Raum und nicht nur in Sachsen.

Bernd Lange Landrat des Landkreises Görlitz

Zudem ist im Februar eine Videokonferenz mit der polnischen Seite geplant, um aus dem Nachbarland ein klares Lagebild zu bekommen. Rücksprachen auf informeller Ebene hätten ergeben, dass in Polen gegen die Schweinepest nur sehr eingeschränkt gehandelt werde und nur vereinzelt Streifen gelaufen würden, kritisierte der Landrat.

Polen setzt auf Abschuss von Wildschweinen

Der Oberjäger der Wojwodschaft Niederschlesien, Wiktor Markoni, hält dagegen, dass man in der Wojwodschaft im vergangenen Jahr Tausende Wildschweine geschossen habe, 650 allein im Dezember. Zudem habe man ebenfalls Zäune entlang der Autobahn und um Parkplätze gebaut, die eine Weiterverbreitung der Afrikanischen Schweinepest verhindern sollen.

In Polen wurden nach Angaben der Europäischen Union im vergangenen Jahr mehr als 4.000 ASP-infizierte Wildschweine gemeldet, auch bei rund 100 Hausschweinen wurde das Virus nachgewiesen. In Sachsen gibt es aktuell 19 bestätigte Fälle Afrikanischer Schweinepest bei Wildschweinen, Hausschweine sind noch nicht betroffen.

Quelle: MDR/vis/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.01.2021 | ab 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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