Soziales Engagement Immer mehr Bedürftige nutzen das Angebot der Tafel in Sachsen

Rund 200.000 bedürftige Menschen nehmen regelmäßig das Angebot der mehr als 40 Tafeln in Sachsen in Anspruch. Sie erhalten kostenlos frische Lebensmittel und Dinge für das tägliche Leben. Bis zum Jahr 2019 ging die Zahl der Bedürftigen jährlich zurück. Doch seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie steigt die Nachfrage wieder deutlich.

Tafel Zittau
Bei der Tafel in Zittau sind 25 freiwillige Helfer und Minijobber beschäftigt. Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

In einer alten Villa auf der Görlitz Straße in Zittau ist die Oberlausitzer Tafel untergebracht. Das unsanierte Gebäude hat Charme, allerdings sind die Räume eng und überschaubar. In der unteren Etage sortiert Carola gerade das Gemüse. Damit fertig, legt sie das frische Schwarzbrot in eine gelbe Kiste. Auch die anderen Helfer sind seit dem Morgen beschäftigt, frisch gelieferte Lebensmittel wie Obst und Kartoffeln zu verpacken. Es muss alles gut vorbereitet sein, wenn am Nachmittag die Oberlausitzer Tafel ihre Tür für Bedürftige öffnet.

Fakten zu den Tafeln in Sachsen • In Sachsen waren 2020 insgesamt 44 Tafeleinrichtungen mit bis zu ca. 200 stationären und mobilen Ausgabestellen tätig.
• 43 Tafeln davon sind im Landesverband Tafel Sachsen e.V. organisiert. Alle Einrichtungen sind Mitglied im Bundesverband Tafel Deutschland e.V..
• 18 Tafeln befinden sich in Trägerschaft von Wohlfahrtsverbänden und regional tätigen, sozialen Einrichtungen. Die übrigen arbeiten auf Grundlage juristisch, selbständiger Vereine.
• Im Jahr 2020 wurden ca. 200.000 sozialbedürftige Bürgerinnen und Bürger regelmäßig oder vorübergehend mit Lebensmittelspenden und Waren des
täglichen Bedarfs durch sächsische Tafeln versorgt. Quelle:Landesverband Tafel Sachsen e.V.

Zwei Stockwerke höher treffe ich mich mit dem Vorstandsmitglied des Landesverbandes Tafel Sachsen e. V., Matthias Thomas. Freundlich empfängt mich Thomas und lobt gleich zu Beginn des Gespräches die mehr als 1.000 freiwilligen Helfer in ganz Sachsen. Nur mit ihnen schaffe es die Tafel Tag für Tag, Menschen in akuten Notsituationen zu helfen und ihnen damit ein Stück Teilhabe zu ermöglichen. Ohne die Unterstützung des Landes sowie vieler Spender, wie Märkte, Gaststätten und Hersteller, wäre all dies nicht möglich. In jahrelanger Zusammenarbeit hätten sich daraus Maßnahmen und Projekte entwickelt, um eine ethisch nicht zu rechtfertigende Verschwendung von Lebensmittel zu unterbinden und gleichzeitig damit den Ärmsten der Gesellschaft in ihrer Not zu helfen. Folglich laute das Motto der Tafelarbeit: Lebensmittel retten, Menschen helfen.

Immer mehr ältere Menschen sind von der Tafel abhängig

Nachdenklich wirkt Thomas, als er über die aktuelle Situation der Tafeln spricht. Mit Beginn der Pandemie seien deutlich mehr Bedürftige in die Einrichtungen gekommen als noch im Jahr 2019. Vor allem das Klientel habe sich seitdem verändert. So nutzten in den vergangenen Monaten hauptsächlich Kurzarbeiter und Alleinstehende mit Kindern die Tafeln, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Auch sei die Zahl der Senioren drastisch gestiegen. Konkrete Zahlen könne er nicht nennen, so Thomas, aber er schätze, dass derzeit bis zu 20 Prozent mehr Rentner die Tafel in Anspruch nehmen, als in den Jahren zuvor. Außerdem war zu beobachten, dass sich viele Senioren während der Krise aus Angst vor einer Ansteckung nicht aus dem Haus trauten. Mitarbeiter der Tafel nahmen daraufhin weite Wege in Kauf, um die Betroffenen zu beliefern.

Die Tafeln in Sachsen sind mehr als nur eine Lebensmittelausgabe. Sie sind unter anderem ein Ort der Begegnung von Beratungen und Gesprächen.

Matthias Thomas Vorstandsmitglied des Landesverbandes Tafel Sachsen e.V.

Laut Thomas seien die über 40 sächsischen Tafeln bisher gut durch die Corona-Pandemie gekommen. So gelang es gegenüber anderen Regionen, die Einrichtungen größtenteils offen zu halten. Vor allem die Einhaltung der strengen Hygieneregeln waren für die vielen Helfer eine große Herausforderung. Glücklicherweise habe es auch in der Krise viele Spender gegeben, welche die Einrichtungen unterstützen.

Tafel Zittau
Das Motto der Tafelarbeit lautet Lebensmittel retten und Menschen helfen. Carola packt Brot in die gelbe Kiste. Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

Mittlerweile haben die Helfer der Oberlausitzer Tafel in Zittau die Lebensmittel für den heutigen Tag sortiert. Noch schnell über die Tische gewischt und alles zurechtgerückt. In wenigen Minuten werden Carola und die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Tür öffnen und mit der Verteilung beginnen. Die ersten Bedürftigen stehen bereits in der Schlange. Einige kämen jeden Tag, andere einmal im Monat, sagt Carola und freut sich, dass sie durch ihrer Arbeit fast täglich den Hilfsbedürftigen ein Lächeln ins Gesicht zaubern darf.

Quelle: MDR/jc

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