Religion Görlitz erhält Teile einer verschollenen Thorarolle zurück

Erst vor Kurzem wurde die Görlitzer Synagoge nach 30 Jahren schrittweiser Sanierung als Kulturforum wiedereröffnet. Nun kehrt ein weiteres Stück jüdischer Geschichte in die Stadt zurück. Eine seit 1938 verschwundene Thorarolle aus der Synagoge ist wieder da. Am Donnerstag wurde sie offiziell an das Görlitzer Ratsarchiv übergeben.

Eine Papierrolle mit hebräischen Worten auf einem Holztisch
Viele Jahre war die Thorarolle im Versteck - jetzt soll sie bald in einer Ausstellung zu sehen sein. Bildrechte: MDR/Katrin Funke

Die Stadt Görlitz hat Teile der am 9. November 1938 aus der Neuen Synagoge verschwundenen Thorarolle für das Ratsarchiv erhalten. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, hat sie der Kunnerwitzer Pfarrer Uwe Mader am Donnerstag an Oberbürgermeister Octavian Ursu offiziell übergeben. Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nahm an dem Termin teil.

Wir sind sehr dankbar, dass wir solch einen wertvollen historischen Schatz für unser Ratsarchiv bekommen haben.

Octavian Ursu Görlitzer Oberbürgermeister

Nach Inventarisierung und Aufarbeitung der mit den Dokumentteilen verbundenen Geschichte werde man in enger Absprache mit jüdischen Vertreterinnen und Vertretern Sachsens eine Ausstellung der Thora-Teile für die Öffentlichkeit vorbereiten, sagte der Oberbürgermeister.

Ein Mann mit grauem Anzug breitet auf einem Holztisch eine Papierrolle aus
Der Görlitzer Ratsarchivar Siefried Hoche breitet die an die Stadt übergebene Thorarolle auf einem Tisch aus. Bildrechte: Pawel Sosnowski

Erfreut über die Übergabe der Thorarolle zeigte sich auch Ministerpräsident Michael Kretschmer:

Die Teile der Thorarolle sind wie eine Tür in die Görlitzer Geschichte der vergangenen Jahrzehnte, die sich nun öffnet. Herzlichen Dank für das große Vertrauen von Pfarrer Mader und seiner Familie.

Michael Kretschmer Sächsischer Ministerpräsident

Thorarolle jahrzehntelang im Versteck

Nach Angaben der Stadt Görlitz hatte der Vater von Uwe Mader die Thorarolle gerettet und über Jahrzehnte bei einer befreundeten Familie versteckt. Uwe Mader selbst habe erst kurz vor dem Tod seines Vaters Ende der 1980er Jahr davon erfahren, hieß es. Inzwischen ist der Pfarrer selbst 79 Jahre alt und hat sich nun entschlossen, die Thorarolle an das Görlitzer Ratsarchiv zu übergeben.

Drei Personen stehen vor einem Holztisch mit einer Papierrolle darauf
Pfarrer Uwe Mader (Mitte) im Gespräch mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (li.) und Ratsarchivar Siegfried Hoche (re.). Bildrechte: MDR/Katrin Funke

Dokumententeile in Reichspogromnacht herausgetrennt

Bei den Dokumententeilen handle es sich um das Buch Genesis (1. Mose), Teile des Buches Numeri (4. Mose 35, 32 – 36,13) sowie Teile des Deuteronomiums (5. Mose 1,1 – 11,6a – 10 Gebote). Diese seien in der Reichpogramnacht in großer Eile mit einem scharfen Schneidwerkzeug herausgetrennt worden, teilte die Stadt mit.

Quelle: MDR(sth)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 16. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

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