Staatssekretär zu Besuch Bundesregierung sagt Alstom-Beschäftigten Unterstützung zu

"Stich ins Herz", "Tiefschlag", "Vergiftetes Weihnachtsgeschenk" - Reaktionen auf die Ankündigung des Bahntechnikbauers Alstom, hunderte Arbeitsplätze zu streichen, auch in Görlitz und Bautzen. Nun will die Bundesregierung helfen. Die erste Amtsreise des neuen Staatssekretärs im Bundeswirtschaftsministerium führte ihn ganz in den Osten der Republik. Seine Botschaft: Gerade für die Mobilitätswende sind die Bahnbauer ein wichtiger Baustein.

Auf dem Werksgelände von Alstom in Görlitz demonstrieren Mitarbeiter gegen den Abbau von Arbeitsplätzen.
Nachdem in der vergangenen Woche bekannt geworden war, dass in Görlitz und Bautzen hunderte Arbeitsplätze wegfallen sollen, gingen die Beschäftigten auf die Straße. Bildrechte: dpa

Nach den Plänen für einen Stellenabbau beim Bahntechnik-Hersteller Alstom hat die Bundesregierung angekündigt, sich für den Erhalt der Arbeitsplätze einzusetzen. "Wir sind sowohl mit dem Unternehmen und dem Betriebsrat in Kontakt, um dafür einzutreten, dass hier die Arbeitsplätze erhalten bleiben", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Michael Kellner (Grüne), am Dienstagabend nach einem Besuch im Alstom-Werk Görlitz. An dem Treffen hatte auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) teilgenommen. Gerade für die Mobilitätswende seien die Bahnbauer aus der Lausitz wichtig, twitterte Kellner aus Görlitz.

Kellner sagte MDR SACHSEN, die Ampelkoalition habe sich vorgenommen, den Schienenverkehr zu stärken. Die Wertschöpfung müsse in der Region bleiben. "Deshalb bin ich hier gewesen", so Kellner. "Wir müssen in den nächsten Wochen und Monaten in Kontakt bleiben, damit wir dafür sorgen, dass der Schienen- und Fahrzeugbau hier eine Zukunft hat."

In Görlitz und Bautzen stehen 550 Arbeitsplätze auf der Kippe

Der Zugbauer hatte am vergangenen Freitag erklärt, in mehreren seiner Werke in Deutschland nicht um eine "Anpassung der Positionen in der Fertigung" herumzukommen. In Görlitz will der Konzern rund 400 Stellen streichen. Das ist fast jeder zweite Arbeitsplatz. In Bautzen stehen 150 Arbeitsplätze auf der Kippe. In der Region löste die Ankündigung Entsetzen aus. Dulig sprach von einem vergifteten Weihnachtsgeschenk, der Linken-Landtagsabgeordnete Mirko Schultze von einem erneuten Tiefschlag der beiden Standorte.

DGB fordert Änderung der Vergabepraxis

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat die Pläne Alstoms als weiteren "Stich ins Herz der Lausitz" bezeichnet. Für die Lausitz ist aus Sicht des DGB eine Stärkung der industriellen Kerne nötig, zu der auch die Schienenfahrzeugindustrie gehöre. Bahnherstellern komme bei der Verkehrswende eine Schlüsselposition zu. Der DGB Sachsen fordert deshalb auch Änderungen in der Vergabepraxis. "Die Vergabe von öffentlichen Aufträgen und damit der Einsatz von Steuermitteln müssen an Unternehmen erfolgen, die tarifgebunden sind", sagte Dana Dubil vom DGB Ostsachsen. Der Dumpingwettbewerb setze Unternehmen in Deutschland unter Druck, die heimischen Produzenten stünden mit dem Rücken zur Wand.

Insgesamt plant der französische Schienenfahrzeugkonzern einen Abbau von bis zu 1.200 Stellen in Deutschland. Neben Görlitz und Bautzen sind auch die anderen Alstom-Standorte wie Hennigsdorf bei Berlin, Salzgitter, Siegen oder Mannheim betroffen, wo Jobs in der klassischen Produktion wegfallen.

Am Mittwoch Treffen zwischen Gesamtbetriebsrat und Alstom-Geschäftsführung

Am Mittwoch will sich der Gesamtbetriebsrat in Berlin mit der deutschen Alstom-Geschäftsführung treffen. Die Arbeitnehmervertreter erwarten konkrete Aussagen zu einer Zukunftsstrategie, aber auch Fristen und Bereiche, wo Stellen abgebaut werden sollen.

Quelle: MDR (dk, uw)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | NACHRICHTEN | 14. Dezember 2021 | 21:00 Uhr

2 Kommentare

Horst vor 34 Wochen

"die Ampelkoalition habe sich vorgenommen, den Schienenverkehr zu stärken."

Schön. Aber was hat das mit mit Alstom zu tun?

Vita vivet vor 34 Wochen

Merhr als 10 Menschen auf einem Haufen...

Aber, geschenkt!

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