Wirtschaft Warnstreik bei Siemens in Görlitz

An einem gemeinsamen Warnstreik haben sich in Görlitz nach Angaben der IG Metall mehr als 400 Beschäftigte vom Siemens Turbinenbau und vom Waggonbau von Alstom beteiligt. Dabei ging es vorwiegend um den Erhalt der Arbeitsplätze in Görlitz und erst in zweiter Linie um die derzeitigen Tarifverhandlungen.

Menschen mit großen Plakat zum Erhalt der Arbeitsplätze
Bildrechte: Uwe Walter

Anfang Februar schlug in Görlitz eine Meldung ein, wie eine Bombe. Siemens Energy möchte beim Turbinenbau zwischen 130 und 150 Arbeitsplätze streichen und zudem das Ausbildungszentrum mit 90 Lehrlingen schließen. Dabei hatten die Turbinenbauer erst vor zwei Jahren dem Siemenskonzern nicht nur eine Standortgarantie abgerungen, sondern zusammen mit der Staatsregierung unter dem Namen "Zukunftspakt" ein Paket für die künftige Entwicklung geschnürt. Demnach sollen auf dem Gelände neue Technologien, Materialien sowie ein sogenanntes Wasserstoffzentrum entwickelt werden. "Die Belegschaft ist schockiert", fasst der Chef des Betriebsrates, Ronny Zieschank, die Stimmung im Betrieb zusammen, denn noch immer sind die Industriedampfturbinen aus Görlitz weltweit begehrt.

In meinen Augen ist nicht nur der Zukunftspakt verletzt worden, sondern damit ist auch ein Deal aufgekündigt worden. Die Frage lautet, welche Verantwortung muss ein Konzern in Deutschland noch übernehmen?

Jan Otto IG Metall Ostsachsen

Streikende vor Siemens
Die Beschäftigten von Siemens und Alstom stehen vor einer ungewissen Zukunft. Die Konzerne wollen den Rotstift ansetzen. Was haben die Konzerne mit uns vor? Bildrechte: Uwe Walter

Diese Frage stellen sich derzeit auch die Görlitzer Waggonbauer. Einige waren gekommen, um ihre Kollegen bei Siemens zu unterstützen. Wie die 900 Turbinenbauer stehen in Görlitz auch die 950 Waggonbauer vor einer ungewissen Zukunft, denn seit Ende Januar gehört der Waggonbau zum französischen Alstom-Konzern. Derzeit sind die neuen Eigentümer dabei, ihre Standorte in Deutschland genau unter die Lupe zu nehmen.


Besonders bitter stößt den Görlitzern auf, dass das Ausbildungszentrum bei Siemens im Turbinenbau geschlossen werden soll. Erst kürzlich beschlossen die Waggon- und Turbinenbauer, bei der Ausbildung zu kooperieren. Zudem werden in Görlitz Lehrlinge für alle ostdeutschen Standorte von Siemens ausgebildet - also auch für Berlin, Erfurt, Leipzig und Zwönitz. Weiterhin haben sich die Görlitzer Turbinenbauer mühsam erstritten, auch über Bedarf, also für die Region ausbilden zu dürfen.

Die regionale Ausbildung ist wichtig für uns, denn wir wollen andere Unternehmen an den Standort holen. Und deshalb wollen und müssen wir Ausbildung anbieten, um den Standort interessanter zu machen.

Ronny Zieschank Siemens Betriebsratsvorsitzender in Görlitz
streikende Lehrlinge bei Siemens
Das Ausbildungszentrum im Görlitzer Turbinenbau soll geschlossen werden. 90 Lehrlinge wären betroffen, alle Ausbilder sollen entlassen werden. Bildrechte: Uwe Walter

Nun glauben die Görlitzer Turbinenbauer, dass ihr Standort scheibchenweise abgewickelt werden soll. Ronny Zieschank sagt als Chef des Betriebsrates: "Die Schließung des Ausbildungszentrums sei ein klares Bekenntnis gegen den Standort. Wenn ich sage, ich brauche keine Ausbildung, dann sage ich indirekt, ich brauche auch den Standort nicht!"
Der Tarifstreit zwischen Arbeitgeber und IG Metall, als Auslöser für den heutigen Warnstreik, spielte deshalb in Görlitz nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr ging es hier um die Zukunft. Die Turbinenbauer und die Waggonbauer wollen deshalb erneut um den Erhalt ihrer Betriebe, ihrer Arbeitsplätze und gegen den Verlust des Ausbildungszentrums bei Siemens Energy kämpfen.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.03.2021 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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