Projektidee Romantischer Malerweg im Riesengebirge geplant

Im Riesenbirge unweit der Schneekoppe soll im Hirschberger Tal bei Gruszków ein Malerweg entstehen. Die Initiative dafür geht von Senioren aus der Oberlausitz aus. Sie haben sich den berühmten Malerweg in der Sächsischen Schweiz zum Vorbild genommen. Der Malerweg im Riesengebirge soll dem Romantiker Erich Fuchs gewidmet werden, der einst dort lebte und arbeitete.

Riesengebirge vom Reifträger bis zur Schneekoppe
Das Riesengebirge soll einen romantischen Malerweg erhalten, der von Deutschen und Polen gemeinsam gestaltet wird. Bildrechte: Uwe Walter

Ein deutsch-polnischer Wanderweg soll im Riesengebirge entstehen. Das sagten Initiatoren MDR SACHSEN. Erste Gespräche seien gestartet. Wann der Malerweg im Riesengebirge aber realisiert werden kann, ist noch offen.

Historie als Grundlage für Wanderwegpläne

Das Hirschberger Tal im polnischen Teil des Riesengebirges ist zum Welterbe geadelt worden und wird wegen seiner malerischen Landschaft und prächtigen Schlösser auch "Das schlesische Elysium" genannt. Das Tal mit seinen lieblichen Hügeln, Flüssen und Dörfern vor der Kulisse des Riesengebirges lockte im 19. Jahrhundert nicht nur den Adel aus Preußen an. Die Architekten Friedrich Schinkel und Friedrich August Stüler hinterließen ihre Spuren, der Preußische Gartendirektor Peter Joseph Lenné entwarf weitläufige Parkanlagen.

Schloss Lomnitz / Pałac Łomnica im Hirschberger Tal
Schloss Pałac Łomnica (Lomnitz) ist eines von 40 Schlössern unweit des künftigen Malerwegs. Bildrechte: MDR/Peggy Wolter

So kam das Hirschberger Tal damals zur höchsten Schlösserdichte Europas. Künstler wie Caspar David Friedrich und Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Fontane aber auch der Romantiker Erich Fuchs schwärmten von der Schönheit dieser Gegend.

Beate Werner mit Lanze in Hirschberg 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Landschaft inspirierte Maler und Dichter

Nun könnte die Landschaft unweit der Schneekoppe eine weitere Attraktion erhalten: Einen Malerweg nahe Gruszków, dem einstigen Bärndorf. "Wir wollen einen Malerweg schaffen, der wunderschöne Ein- und Ausblicke auf die Riesengebirgslandschaft bietet, aber auch an die Künstler und ihre Werke erinnert", sagt einer der Initiatoren, Dietrich Kowalski. Gewidmet werden soll dieser Wanderweg Erich Fuchs. Der Künstler (1890 - 1982) malte bis 1948 in der Region, u.a. auch seinen Zyklus "Schlesisches Bergvolk". Dabei handelt es sich um 262 einfarbige und farbige Radierungen.

Wir wollen einen Malerweg schaffen, der wunderschöne Ein- und Ausblicke auf die Riesengebirgslandschaft bietet, aber auch an die Künstler und ihre Werke erinnert. Gewidmet sein soll dieser Wanderweg Erich Fuchs.

Dietrich Kowalski Mitinitiator

Mann mit Radierung
Oberlausitzer Senioren, darunter Dietrich Kowalski, sind zusammen mit ihren polnischen Freunden auf die Idee eines romantischen Malerweges im Riesengebirge gekommen. Bildrechte: Uwe Walter

Der romantische Maler und Grafiker Erich Fuchs war nach seinem kunstakademiestudium in Leipzig 1914 ins damalige Bärndorf gezogen - ganz in die Nähe der Falkenberge (Sokolik), die schon Caspar David Friedrich gern als Motiv in seinen Bildern nutzte. Fuchs wanderte mit seinem Skizzenblock in die abgelegenen Gebirgsdörfer und hielt das Heimatleben und die Kultur in den vom Tourismus weit abgelegenen Orten in Bildern fest.

Das Gemälde  Morgen im Riesengebirge von Caspar David Friedrich
Das Gemälde "Morgen im Riesengebirge" von Caspar David Friedrich greift ein Motiv aus den Falkenbergen bei Gruszków auf. Bildrechte: imago images/imagebroker

Ein einsames Dorf unweit der Schneekoppe

Auch heute noch sucht man Gruszków (Bärndorf) vergeblich in den Reiseführern. Doch auch schon vor 100 Jahren lag die Region abseits des Toursimus. Deshalb fand der Maler Erich Fuchs unglaublich viele Motive, schwärmen Kenner seines grafischen Werkes. Und: In seinen Bildern spiegele sich nicht nur das harte Leben der Riesengebirgler wieder, sondern auch die Landschaft.

Radierung Riesengebirgslandschaft
Auf dem künftigen Malerweg sollen die Ansichten der Künstler den aktuellen Blick ergänzen. Bildrechte: Uwe Walter

Diese Zeitdokumente brachten eine Gruppe Oberlausitzer Senioren zusammen mit polnischen Freunden auf die Idee eines romantischen Wanderwegs. "Noch sind wir in der Anfangsphase", sagt Dietrich Kowalski aus Rosenbach bei Görlitz. "Für die Bilder auf dem Malerweg müssen wir erst einmal die Rechte klären."

Radierungen auf einem Tisch
Die Werke von Erich Fuchs und vieler seiner Künstlerkollegen wurden zum Ende des Zweiten Weltkriegs in alle Winde verstreut. Bildrechte: Uwe Walter

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Gemälde, Grafiken und Bilder vieler Künstler aus Schlesien in alle Himmelsrichtungen verstreut. Fuchs Bilder sollten ursprünglich zusammen mit den Werken von Gerhart Hauptmann in den letzten Kriegstagen per Zug nach Hiddensee gebracht werden, erzählen seine Erben, Familie Baumgärtner aus Verden: "Der Schriftsteller und der Maler seien miteinander gut bekannt gewesen." Doch der Transport ging schief. So tauchten Bilder von Fuchs nach dem Krieg u.a. Wrocław und Jelenia Góra auf, aber auch im Nationalmuseum in Nürnberg.

Nachfahren aus dem Westen und Senioren aus dem Osten auf Spurensuche

Nun sucht die Seniorengruppe aus dem Osten zusammen mit den Nachfahren des Künstlers aus Westdeutschland weitere Werke. Die Enkelin Renate Baumgärtner hat das Erbe ihres Großvaters Erich Fuchs angetreten. Ih ist am wichtigsten, dass ihr Vorfahre nicht vergessen werde.

Mir ist es nur wichtig, dass das Werk meines Großvaters erhalten bleibt und dass er nicht vergessen wird. Deshalb finde ich es toll, dass es jetzt dieses Interesse auch in Polen an diesem Wanderweg gibt.

Renate Baumgärtner Enkelin des Künstlers Erich Fuchs

Frau mit Grafik + sitzender Mann
Renate Baumgärtner (li.) und ihr Mann sowie ihre Schwester unterstützen als Erben von Erich Fuchs das deutsch-polnische Vorhaben eines Malerwegs im Riesengebirge. Bildrechte: Uwe Walter

Für die Nachkommen des schlesischen Künstlers stellt es kein Problem dar, Rechte und sogar Werke nach Polen zu geben. Deshalb führen sie erste Gespräche dazu. Im Schlesischen Museum zu Görlitz wurden die Erben und Initiatoren des Malerweges sehr reserviert empfangen, erzählen sie. "Es gäbe Engpässe durch Krankheit, zudem seien alle, einschließlich Direktorin, sehr beschäftigt."

Anders dagegen in Polen: Dort seien die Erben aus Verden und die Senioren aus der Oberlausitz von Direktoren empfangen worden, so auch in Jagniątków (Agnetendorf) im Gerhart-Hauptmann-Haus und in Museen in Wrocław. Ebenfalls vom Projekt begeistert zeige sich der polnische Tourismusverband PTTK. Er habe volle Unterstützung zugesichert.

Gruppe vor einem Portal
Senioren aus dem Osten und Erben aus dem Westen gemeinsam in Deutschland und Polen auf Spurensuche. Bildrechte: Uwe Walter

Eine Vision nimmt Gestalt an

Der geplante Malerweg im Riesengebirge soll in den Falkenbergen (Sokolik) beginnen, dann am malerischen Karpniki (Fischbach) mit seinem Schloss vorbeiführen, das einsame Gruszków queren und nach Kowary (Schmiedeberg) führen und bei Wojków (Hohenwiese) enden.

MDR (uwa)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | UNTERWEGS BEI SACHSENS NACHBARN | 11. Juni 2022 | 18:15 Uhr

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