Gemeinsame Bewerbung Herrnhuter Brüdergemeine nimmt Welterbe-Titel in den Blick

Herrnhut in der Oberlausitz ist den meisten Menschen vor allem wegen seiner Weihnachtssterne ein Begriff. Weniger bekannt ist dagegen die christliche Herrnhuter Brüdergemeine, die sich 1727 hier gegründet hat. Doch das könnte sich bald ändern. Denn die kleine Oberlausitzer Gemeinde will sich gemeinsam mit Herrnhuter Siedlungen in den USA und Nordirland um den Unesco-Weltkulturerbetitel bewerben.

Der Herrnhuter Gottesacker
Der Herrnhuter Gottesacker mit seinen gleich gestalteten Grabsteinen verweist darauf, dass es in der Gemeinde keine großen Hirarchien gibt. Bildrechte: IMAGO

Seit mehreren Jahren schon trägt sich die Oberlausitzer Gemeinde Herrnhut mit dem Gedanken, sich um den Unesco-Weltkulturerbetitel zu bewerben. Doch die Corona-Pandemie und die noch fehlende zündende Idee, wie man sich gegen die große Zahl der Mitbewerber durchsetzen kann, hatten das Vorhaben zuletzt etwas zurückgedrängt. Ein Schreiben aus dem fernen Anmerika gibt der Sache aber nun wieder neuen Auftrieb.

Die Evangelische Brüder-Unität und Brüdergemeinde Herrnhut in Herrnhut (Sachsen)
Bildrechte: dpa

Hoffnung: Mit einer transnationalen Bewerbung ans Ziel

Herrnhuts Bürgermeister Willem Riecke staunte Mitte März nicht schlecht, als er von der Herrnhuter Siedlung Bethlehem in den USA einen Brief in den Händen hielt, in dem von einer transnationalen Bewerbung die Rede war. Unter Federführung der Amerikaner sollen sich Herrnhut in der Oberlausitz und das nordirische Gracehill, ebenfalls eine Herrnhuter Siedlung, zusammentun.

Die drei Orte wollen sich dabei nicht über die Listen ihrer Staaten bewerben. Sie hoffen, mit ihrer gemeinsamen Bewerbung rascher zum Ziel zu kommen. "Das ist letztlich der Ansatz, eine serielle Welterbebewerbung auf den Weg zu bringen", so Riecke. "Das betrifft nicht nur Herrnhut, sondern eine ganze Reihe von Orten." Pfarrer Peter Voigt von der Herrnhuter Brüdergemeine ergänzt, dass man damit exemplarisch die Netzwerkstruktur der Brüdergemeine sehen könne, die im 18. Jahrhundert entstanden sei.

Bethlehem und Gracehill Herrnhuter gründeten schon früh Siedlungen in Europa und Amerika. Die Stadt Bethlehem im Bundesstaat Pennsylvania geht direkt auf die Herrnhuter Brüdergemeine zurück. Als Stadtgründer gilt der Bischof David Nitschmann. Der Bischof, der schon zu den Gründungsmitgliedern von Herrnhut gehörte, gründete Nazareth 1741 auf einer Missionsreise. Gracehill wurde nur einige Zeit später, im Jahr 1765 im heutigen Nordirland von christlichen Siedlern aus Mähren gegründet. Hier ist die typische quadratische Anlage des Ortes bis heute erhalten geblieben.

Eine Herrnhuter Gründung ist bereits Weltkulturerbe

Die Bewerbung soll eine Fortführung der bereits bestehenden Welterbestätte in Dänemark sein. Das dänische Christiansfeld entstand 1771 und ist bis heute mit seinem barocken, rechtwinkligen Straßenetz erhalten. Seit 2015 trägt Christiansfeld nicht zuletzt deshalb den Weltkulturerbe-Titel.

Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, der mährischen Glaubensflüchtlingen 1721 Zuflucht gewährte. Die Flüchtlinge haben Herrnhut auf Zinzendorfs Grund und Boden gegründet.
Eine Büste erinnert in Herrnhut an Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, der den Glaubensflüchtlingen Zuflucht gewährte. Bildrechte: MDR/René Römer

Herrnhuter Brüdergemeine Die Herrnhuter Brüdergemeine geht auf die böhmische und mährische Brüderkirche zurück. Diese entstand im 15. Jahrhundert in Prag aus den Hussiten um den Frühreformator Jan Hus (1369-1415). Im katholischen Habsburger Reich verfolgt, fand die Glaubensgruppe 1722 auf dem Landgut von Nikolaus Graf von Zinzendorf (1700–1760) in der Oberlausitz eine Zuflucht, wo sie sich 1727 gründete. Seitdem existiert dort die Herrnhuter Brüdergemeine. Sie zählt heute etwa 5.300 Mitglieder in Deutschland und mehr als 1,2 Millionen weltweit. Mit fast einer Million Gläubigen zählt die Glaubensgemeinschaft in Afrika die meisten Mitglieder. Quelle: Herrnhuter Brüdergemeine

Die Bewerbung durch die federführende USA kann frühestens 2023 erfolgen. Sollte sie Erfolg haben, könnte Herrnhut den Titel "Unesco-Weltkulturerbe" bereits 2024 tragen. Da sich auch die Stadt Görlitz um den Titel bewirbt und der Pücklerpark in Bad Muskau bereits Welterbe ist, gäbe es dann in der Oberlausitz auf einen Schlag gleich drei Weltkulturerbestätten.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 16. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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