Ostertradition | Update Osterreiter wieder unterwegs, Zwischenfälle in Crostwitz, Ostritz und Ralbitz

Die Tradition der sorbischen Osterreiter hat nach coronabedingten Einschränkungen in diesem Jahr wieder zahlreiche Zuschauer angezogen. In neun Prozessionen verkündeten die Osterreiter am Sonntag die biblische Botschaft von der Auferstehung Jesu. Rund 50.000 Schaulustige verfolgten die Prozessionen. Dabei kam es zu mehreren Zwischenfällen.

Die Tradition des Osterreitens wird in der Lausitz seit vielen Jahrhunderten gepflegt. In 9 verschiedenen Prozessionen machen sich wieder hunderte Reiter mit geschmückten Pferden auf den Weg.
Zum höchsten Fest der Christen ziehen die Osterreiter in der katholischen Lausitz alljährlich von Ort zu Ort. Bildrechte: LausitzNews/Toni Lehder

In der Oberlausitz waren zwischen Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz am Ostersonntag insgesamt rund 1.300 sorbische Osterreiter unterwegs. Es gab neun Prozessionszüge -  durch mehr als 30 Orte. Nach Angaben der Polizei vom Ostermontag säumten rund 50.000 Schaulustige die Straßen, um die Prozessionen zu verfolgen.

Osterreiter in der Oberlausitz
Die jahrhundertealte katholische Tradition der sorbischen Osterreiter ist nur Männern vorbehalten. Bildrechte: MDR / Martin Kliemank

Der größte Prozessionsritt in der Oberlausitz wurde am Vormittag in Wittichenau gestartet. Mehr als 400 bunt geschmückte Pferde und Reiter im feinen Zwirn zogen in Richtung Ralbitz. Tausende Menschen hatten sich auf dem Marktplatz und in den engen Gassen eingefunden, um das Spektakel mitzuerleben.

Auch in Bautzen zog das österliche Ritual hunderte Zuschauer an die Strecke. Unter ihnen waren auch Besucher aus Westfalen, die Ostern in der Lausitz mal erleben wollten. 60 Osterreiter aus Bautzen sind über Temritz und Cölln nach Radibor unterwegs gewesen, um anschließend wieder nach Bautzen zurückzureiten.

Bildergalerie Osterreiter hoch zu Ross unterwegs

Osterreiter Wittichenau
Osterreiter machen sich auf den Weg, um in mehr als 30 Orten traditionell die Osterbotschaft zu verkünden. Bildrechte: Nicole Czerwinka
Osterreiter Wittichenau
Osterreiter machen sich auf den Weg, um in mehr als 30 Orten traditionell die Osterbotschaft zu verkünden. Bildrechte: Nicole Czerwinka
Osterreiter Wittichenau
Etliche Schaulustige sind nach Wittichenau gekommen, um das Spektakel nicht zu verpassen. Bildrechte: Nicole Czerwinka
Osterreiter Wittichenau
Der größte Prozessionsritt in der Oberlausitz wurde am Vormittag in Wittichenau gestartet. Bildrechte: Nicole Czerwinka
Die Tradition des Osterreitens wird in der Lausitz seit vielen Jahrhunderten gepflegt. In 9 verschiedenen Prozessionen machen sich wieder hunderte Reiter mit geschmückten Pferden auf den Weg.
Die Tradition des Osterreitens wird in der Lausitz seit vielen Jahrhunderten gepflegt. Bildrechte: LausitzNews/Toni Lehder
Osterreiter in der Lausitz
Hunderte Reiter mit geschmückten Pferden machen sich am Ostersonntag auf den Weg. Bildrechte: LausitzNews/Toni Lehder
Die Tradition des Osterreitens wird in der Lausitz seit vielen Jahrhunderten gepflegt. In 9 verschiedenen Prozessionen machen sich wieder hunderte Reiter mit geschmückten Pferden auf den Weg.
Sie verkünden die Botschaft von der Auferstehung Jesu. Bildrechte: LausitzNews/Toni Lehder
Das österliche Ritual ist nur Männern vorbehalten. Bildrechte: LausitzNews/Toni Lehder
Osterreiter
Mehr als 400 Reiter im feinen Zwirn zogen von Wittichenau in Richtung Ralbitz. Bildrechte: LausitzNews/Toni Lehder
Osterreiter durch Bautzen unterwegs.
Hunderte Zuschauer säumten die Strecke der Osterreiter durch Bautzen. Bildrechte: dpa
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Osterreiter in Bautzen.
Die traditionell gekleideten sorbischen Osterreiter verkünden nach altem Brauch zu Pferde auf der Bautzener Friedensbrücke die Osterbotschaft.  Bildrechte: dpa

Mehrere Zwischenfälle in Ostritz, Crostwitz und Ralbitz*

Entlang der Strecken kam es zu mehreren Vorfällen. Laut Polizei wurde beim Abschlussreiten in Crostwitz ein Reiter von seinem Pferd abgeworfen und wurde leicht verletzt. In Ostritz wurde nach Informationen von MDR SACHSEN ein katholischer Geistlicher so schwer verletzt, dass er nicht mehr an der Prozession teilnehmen konnte. Bereits am Sonnabend war es bei einem Proberitt für das Osterreiten zu einem Unfall gekommen.

In Ralbitz klemmte sich ein 60 Jahre alter Mann beim Halten eines Pferdes einen Finger offenbar im Halfter ein - so stark, dass der Finger schwer verletzt wurde. Ebenfalls in Ralbitz kam ein Pferd einem Auto zu nah und beschädigte das Fahrzeug. Während der Umrundung des Bautzener Doms kam es laut Polizei ebenfalls zu einem Verkehrsunfall zwischen einem Pferd und einem Pkw, wobei Sachschaden an dem Auto entstand. Das Pferd blieb unverletzt.

* Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version haben wir nur über Vorfälle in Ralbitz und Ostritz berichtet. Grundlage war ein Agenturbericht der Nachrichtenagentur dpa mit Bezug auf die Polizei. Am Montag hat die Polizei die Ereignisse in einer Pressemitteilung zusammengefasst. Dabei ist von Ostritz keine Rede mehr. Möglicherweise gab es einen Übermittlungsfehler. Nach Informationen von MDR SACHSEN aus zwei verschiedenen Quellen gab es bei der Saatreiterprozession in Ostritz aber einen schweren Unfall - siehe Artikel "Panne auf dem Klosterhof".

Vor der Pandemie waren zu dem Spektakel zehntausende Zuschauer in die Oberlausitz gekommen. Durch die Corona-Schutzmaßnahmen musste die Tradition 2020 abgesagt werden. Vergangenes Jahr war das Osterreiten mit Einschränkungen und ohne Zuschauer wieder möglich.

Österliches Ritual Männern vorbehalten

Seit Jahrhunderten tragen Jugendliche und Männer Ostersonntag die Botschaft von der Auferstehung Christi in Prozessionen hoch zu Ross von der Heimatkirche aus um den Friedhof und die Felder ins Nachbardorf - in Frack und Zylinder hoch zu Ross singend und betend unter Glockengeläut, mit Kreuz, Kirchenfahnen und der Statue des Auferstandenen. Außerhalb der Orte beten sie auf den aufwendig geschmückten Pferden den Rosenkranz, in weißen Handschuhen.

Herkunft des Osterreitens Die Wurzeln des Brauchs reichen bis in die vorchristliche Zeit zurück, als man durch Feldumritte glaubte, die jungen Saaten vor der Missgunst des Bösen schützen zu können.

Die heutigen Züge sind öffentliches Bekenntnis zum christlichen Glauben. Einem ähnlichen Brauch folgt das Ostersaatreiten von Ostritz bei Görlitz. Dort reiten Katholiken von der Pfarrkirche über Felder zum Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal und bitten zudem um gutes Wachstum der Saat - seit 1993 in ökumenischer Gemeinschaft.

MDR (dst/kh), dpa

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 17. April 2022 | 08:00 Uhr

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https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/dresden/dresden-radebeul/video-stollenfest-riesenstollen-umzug-theaterplatz-altmarkt-100.html

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