Interview Malteser-Krankenhäuser in Kamenz und Görlitz an neue Gesellschaft verkauft

Ein Verkauf der Krankenhäuser sei vom Tisch, versprachen die Malteser für ihre Standorte in Kamenz und Görlitz vor einem Jahr. Jetzt hat man doch beide an die Gesellschaft für Gesundheit und Versorgung Sachsen (GGS) verkauft. Damit halten die Malteser in Sachsen keine Krankenhäuser mehr. Wie es für das St. Carolus-Krankenhaus in Görlitz und das Krankenhaus St. Johannes Kamenz weitergeht, haben wir Lutz Möller gefragt. Er wird gemeinsam mit dem bisherigen Klinikchef, Sven Heise, eine Doppelspitze in der Geschäftsführung bilden.

Lutz Möller ist Geschäftsführer der ehemaligen Malteser-Krankenhäuser in Kamenz und Görlitz
Lutz Möller ist einer von zwei Geschäftsführern der ehemaligen Malteser-Krankenhäuser in Kamenz und Görlitz. Bildrechte: HMG

Herr Möller, wie wollen Sie es schaffen, dass die Häuser wirtschaftlich arbeiten?

Lutz Möller: Wir haben hier sehr gut aufgestellte Krankenhäuser und hochmotivierte, engagierte und qualifizierte Mitarbeiter. Und wir planen keine große Revolution, sondern wollen mit dem neuen Träger einen Wandlungsprozess anstoßen, der mit entsprechenden Innovationen wie zum Beispiel dem Fokus auf die Digitalisierung einhergeht. 

Steht hinter den Kliniken jetzt ein großer Konzern, der die Geschicke leitet?

Nein, definitiv nicht. Es handelt sich vielmehr um eine neu gegründete Trägergesellschaft – die Gesellschaft für Gesundheit und Versorgung Sachsen GmbH (GGS). Das sind Experten, die den Krankenhausbereich mit ihrem Wissen und ihrer Expertise in der vollen Bandbreite abdecken. Das sind Experten unter anderem aus dem ambulanten Bereich, ein Experte, der sich seit vielen Jahren dem Thema Digitalisierung angenommen hat und auch Mediziner, die sowohl das Krankenhaus von der medizinischen als auch von der Managementseite her kennengelernt haben. 

Aber Sie sind als Geschäftsführer bei der Hospital Management Group angestellt. Was bedeutet das?

Die Hospital Management Group (HMG) übernimmt für die neue Trägergesellschaft an den Standorten das Management. Die HMG ist diesbezüglich vielseitig in den Bereichen des Krankenhausmanagements aufgestellt und managt eine Vielzahl von Kliniken in den verschiedenen Bereichen. Und gerne wollen wir auch diese beiden Kliniken in die Expertise, die wir an anderen Standorten schon haben, mit einbinden und Erfahrungen aus den verschiedenen Häusern miteinander teilen. Wichtig ist, dass man in Netzwerken zusammenarbeitet – auf eine kooperierende Art und Weise. Dann ist es auch möglich, kleinere Krankenhäuser wirtschaftlich zu betreiben. Dementsprechend ist es tatsächlich so, dass die Standorte in Kamenz und Görlitz einzeln für sich agieren können und nicht in einer großen Konzernstruktur eingebettet sind.

Sie halten jedoch Kooperationen für sehr wichtig?

Vor Kooperationen darf man nicht ängstlich sein. Wir sehen Kooperation immer als eine Chance. In Görlitz haben wir neben dem St. Carolus-Krankenhaus ja auch noch das städtische Klinikum. Meiner Meinung nach kann hier der Fokus perspektivisch nur auf einer Kooperation liegen. Dass man sich also verständigt, wie wir die Patienten hier in Görlitz und in der Region optimal gemeinsam versorgen können.

Lutz Möller möchte, dass das St. Carolus-Krankenhaus enger mit dem Städtischen Klinikum zusammenarbeitet.
Lutz Möller möchte, dass das St. Carolus-Krankenhaus enger mit dem Städtischen Klinikum zusammenarbeitet. Bildrechte: Stephanie Hänsch

Kooperation heißt jetzt aber nicht die Zusammenlegung von Leistungen, um dadurch Personal einzusparen?

Nein. Wir haben den Mitarbeitern dahingehend Garantien gegeben. Die bestehenden Arbeitsverträge bleiben in der jetzigen Form erhalten, so auch die Altersvorsorge, die die Malteser ihren Mitarbeitern angeboten hat.

Welche Wandlungsprozesse wollen Sie anschieben?

Wir wollen uns im Hinblick auf die Prozesse in den Krankenhäusern effizienter aufstellen. Hier wollen wir die Erfahrungen der HMG und die des neuen Trägers nutzen. Das können zum Beispiel Ablaufprozesse im OP-Bereich und im stationären Bereich hinsichtlich der Verweildauersteuerung sein, oder die wichtige Thematik des Medizincontrollings und der wiederum damit verbundenen Prozesse.

Also mehr Digitalisierung in allen Bereichen?

Mit der Digitalisierung können viele Prozesse noch mal anders gestaltet und somit eine höhere Effizienz innerhalb der Häuser erzielt werden. Das führt ja letzten Endes nicht nur dazu, dass die Abläufe verbessert werden und dass die Patienten das auch spüren, sondern es wird auch für unsere Mitarbeiter Erleichterungen geben.

Zum Beispiel?

Die Telemedizin ist ein Beispiel, also der Ausbau der telemedizinischen Diagnostik, sodass der Patient keine größeren Strecken fahren muss. Dann gibt es beispielsweise auch digitale Patientenportale, wo der vorbereitende Prozess eines geplanten Krankenhausaufenthaltes digital abgebildet und gesteuert wird, ohne dass man vorab mehrfach ins Haus kommen muss. Vieles, was heute noch auf dem Papier passiert, kann digital abgebildet und gelenkt werden. Patienten können von zu Hause aus ihren geplanten Krankenhausaufenthalt ohne größeren Aufwand vorbereiten. Darüber hinaus gibt es noch ganz viele andere Beispiele.

Mit der Übernahme sind die Häuser nicht mehr konfessionell. Ist das ein Verlust, der sich bemerkbar machen wird?

Nein. Der Patient stand und steht auch in Zukunft im Mittelpunkt. Die Tradition der christlichen Nächstenliebe werden wir beibehalten. Ich denke auch, dass die explizit christlichen Werte gar nicht von jenen Werten abweichen, die wir in den Krankenhäusern leben. Fest steht in jedem Fall: Der Patient muss immer im Mittelpunkt stehen. Aber die Prägung, die die Malteser diesen Häusern gegeben haben, diese Prägung wollen wir beibehalten und weiterleben. Das ist den Mitarbeitern auch wichtig. Und das ist ein großes Pfund.

Die katholischen Malteser haben sich von dem Krankenhaus St. Johannes in Kamenz getrennt.
Die katholischen Malteser haben sich von dem Krankenhaus St. Johannes in Kamenz getrennt. Bildrechte: Stephanie Hänsch

Was wird aus den Ordensschwestern im St. Carolus?

Die neun Ordensschwestern haben in den vergangenen Jahren zum Haus gehört und werden auch in Zukunft zum Haus gehören. Wir arbeiten weiterhin mit ihnen zusammen. Sie sind ja überwiegend ehrenamtlich unterwegs, unter anderem auf der Palliativstation. Sie wohnen auch in dem Haus. Fakt ist, dass die Ordensschwestern, die wir hier haben, ein fester Bestandteil der Krankenhäuser sind.

Klinikverkauf Die Gesellschaft für Gesundheit und Versorgung Sachsen (GGS) übernimmt das Krankenhaus St. Johannes in Kamenz und das St. Carolus Krankenhaus in Görlitz von den Maltesern.

Das Kamenzer Krankenhaus mit 330 Mitarbeitenden verfügt über 160 Betten. Im Jahr liegen hier rund 7.600 Patientinnen und Patienten auf Station.

Das St. Carolus Krankenhaus hat 120 Betten und 270 Angestellte. Jährlich werden rund 4.800 Menschen stationär versorgt.

Außerdem werden rund 20.000 Menschen im Jahr in den beiden medizinischen Versorgungszentren, im Schlaflabor und in den Notaufnahmen ambulant behandelt.

Quelle: MDR(ma)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport | 10. Dezember 2021 | 14:30 Uhr

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