Lausitzer Braunkohletagebau Ende des Dorfes Mühlrose besiegelt

Der Braunkohleabbau prägt Mühlrose schon seit mehr als 50 Jahren. Nach der Wende zog sich der Bergbau zurück, doch der Tagebau Nochten rückt jetzt wieder näher. Der Ort soll nun komplett umgesiedelt werden. Die Verträge dazu wurden heute unterzeichnet.

Das Ortseingangsschild von Mühlrose
Das Dorf Mühlrose wird es in einigen Jahren nicht mehr geben. Die Bewohner des Ortes sollen umgesiedelt werden. Grund ist die Ausweitung des Tagebaus Nochten. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Am Donnerstag ist der Umsiedlungsvertrag für das Dorf Mühlrose in Sachsen unterschrieben worden. Damit sollen innerhalb der nächsten fünf Jahre 200 Einwohner einen neuen Wohnort bekommen. Mit der Unterzeichnung ist das Ende des Dorfes besiegelt und das Energieunternehmen Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) kann den Braunkohletagebau Nochten erweitern. "Seit 15 Jahren warten die Menschen der Region auf Klarheit. Es ist ein gutes Signal, dass sie sich gewünscht haben", sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU).

Umzug und Kosten geregelt

Den Vertrag unterschrieben der Vorstandsvorsitzende der Leag, Helmar Rendez, Trebendorfs Bürgermeister Waldemar Locke sowie der Bürgermeister Reinhard Bork der Nachbargemeinde Schleife. Das obersorbische Mühlrose gehört seit 1999 zu Trebendorf und ist Teil der Verwaltungsgemeinschaft Schleife. Bei einer 2006 durchgeführten Bürgerbefragung hatten sich die Mühlroser mehrheitlich für eine gemeinsame Umsiedlung nach Schleife ausgesprochen. Allerdings:

Die Zeit hat sich geändert. Viele ältere Menschen wollen nicht mehr entwurzelt werden. Ich muss mich auch für die Bürger einsetzen, die nicht umsiedeln wollen, dass sie sich der Meinung der Mehrheit anschließen.

Waldemar Locke Bürgermeister Trebendorf

Luftbildaufnahme von Mühlrose
Den Ort Mühlrose wird es in wenigen Jahren nicht mehr geben. Er muss der Braunkohleförderung weichen. Bildrechte: Lausitznews.de

Der jetzige Vertrag regelt den Umzug und die Entschädigung der rund 200 betroffenen Einwohner und der Kommune. Die Umsiedlung soll in fünf Jahren abgeschlossen sein. Nach Angaben der Leag könnten die neuen Grundstücke am Standort im Norden von Schleife ab Sommer 2020 zur Verfügung stehen. Geplant sind demnach 60 Wohngrundstücke und kommunale Grundstücke, auf denen unter anderem ein Friedhof, Sportplatz, Schwimmbad, ein Dorfgemeinschaftshaus und die Feuerwehr Platz finden sollen. Seit den 1960er-Jahren ist die Region um Mühlrose vom Braunkohletagebau geprägt. Am 14. Februar 2019 hatte die Leag mitgeteilt, dass das Kohleflöz unter Mühlrose erschlossen werden soll. Der Konzern rechnet mit einer Fördermenge von 150 Millionen Tonnen Braunkohle.

BUND und Grüne: Vertrag fatal falsches Signal

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bewertete die Vertragsunterzeichnung als "fatal falsches Zeichen". Nach dem bundesweit beschlossenen Kohleausstieg in Sachsen müssten weiter Menschen für den Braunkohleabbau umgesiedelt werden, ohne dass hierfür eine energiepolitische Notwendigkeit bestehe, erklärte der Vorsitzende Geschäftsführer des BUND Sachsen, David Greve. Die Eröffnung eines Sonderfeldes Mühlrose und die Braunkohlegewinnung unterhalb des Dorfes widerspreche nach Meinung des BUND den Empfehlungen der Kohle-Kommission.
Auch die Grünen in Sachsen kritisierten die Vertragsunterzeichnung. Das gesamte Vorhaben hänge in der Luft, weil "jede Genehmigung in Form eines Rahmenbetriebsplans für den Braunkohleabbau im Teilfeld Mühlrose" fehle, sagte der energiepolitische Sprecher der Grünen, Gerd Lippold.

Quelle: MDR/dpa/leag/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.03.2019 | 14.30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Bautzen
MDR SACHSENSPIEGEL | 28.03.2019 | 19.00 Uhr

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