Monitoring 141 Wolfswelpen in Sachsen geboren

Zwischen Mai 2020 und April 2021 sind in Sachsens Wäldern mindestens 87 Wolfswelpen geboren worden. Das geht aus dem Wolfsmonitoring hervor. Weitere 54 Welpen wurden seit Mai dieses Jahres nachgewiesen. Besonders in der Oberlausitz nimmt der Konkurrenzdruck zwischen den Rudeln zu.

Europaeischer Grauwolf mit Welpen
In Sachsen werden immer mehr Wölfe heimisch und sorgen für Nachwuchs. Bildrechte: IMAGO / Martin Wagner

In Sachsen ist die Anzahl der bestätigten Wolfsterritorien binnen eines Jahres von 31 auf 34 angestiegen. Das geht aus den Daten des abgeschlossenen Wolfsmonitoringjahres 2020/2021 hervor, die das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) am Donnerstag veröffentlicht hat. Die 34 in Sachsen nachgewiesenen Wolfsterritorien werden demnach von 29 Rudeln, drei Paaren und zwei territoriale Einzeltieren besiedelt. Im vorherigen Monitoringjahr 2019/2020 waren es 27 Rudel und vier Paare. Insgesamt konnten im aktuellen Monitoringjahr, das am 30. April endete, 87 Welpen in Sachsen nachgewiesen werden. 54 weitere Welpen sind nach Erkenntnissen der Fachstelle Wolf seit Mai dieses Jahres geboren worden.

Neue Rudel bei Halbendorf und Weißwasser

Die Wölfe sind überwiegend in den bekannten Gebieten nachgewiesen worden. "Während das Geschehen in Nordsachsen zu stagnieren scheint, lassen die Daten in Ostsachsen eine hohe Dynamik erkennen", heißt es von den Experten. Hinzugekommen sind Rudel bei Halbendorf und Weißwasser. Auch in der Gohrischheide konnte ein Rudel nachgewiesen werden, nachdem der Status im vorigen Monitoringjahr noch unklar war. Zudem konnte das Wolfspaar Hammerstadt sowie jeweils ein Einzeltier in den Territorien Niesky II und Sagar nachgewiesen werden. Es werde vermutet, dass es sich auch bei den Einzeltieren in den Territorien um Rudel handeln könnte, hieß es. Die Datenlage lasse jedoch noch keinen zweifelsfreien Rudelnachweis zu.

Hoher Konkurrenzdruck in der Oberlausitz

Nicht alle Rudel scheinen von Bestand: Die beiden früheren Rudel Neusorge und Biehain/Niesky konnten laut Fachstelle aktuell nicht mehr nachgewiesen werden. Auch das Vorkommen Elstra und das kürzlich neu nachgewiesene Rudel Weißwasser waren demnach zum Ende des Monitoringjahres bereits wieder verschwunden. Die Gebiete in der Lausitz seien von den Wölfen hart umkämpft, hieß es.

In den Rudeln Nochten, Neustadt/Spremberg, Knappenrode/Seenland und Dauban wurden sogenannte Doppelreproduktionen nachgewiesen, "die ebenfalls als Folge des Konkurrenzdrucks gedeutet werden können". Bei einer Doppelreproduktion seien zwei Wolfsfähen eines Rudels gleichzeitig trächtig, sodass sich die Zahl des Nachwuchses im Rudel rasch erhöht und das Rudel an Stärke gewinnt.

Ein Wolfsrudel ist in einer Aufnahme einer Fotofall zu sehen.
Beim Monitoring werden die Wölfe unter anderem mittels Fotofallen gezählt. Bildrechte: dpa/Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz

Wölfin paart sich mit Sohn - weil Rüde fehlt

Eine andere Entwicklung sei westlich der Elbe zu beobachten, hieß es. In Nordsachsen sind keine neuen Rudel nachgewiesen worden. Die drei bereits bekannten Rudel Delitzsch, Authausener Wald und Dahlener Heide konnten erneut bestätigt werden. Im nördlich von Leipzig gelegenen Delitzscher Rudel hat sich die Wolfsfähe mit ihrem Sohn gepaart, was auf das Fehlen eines geeigneten Partners hindeutet und damit auf die fehlende Zuwanderung neuer Tiere.

Erzgebirgswölfe überwiegend auf tschechischer Seite

Auf dem Erzgebirgskamm gibt es drei grenzübergreifende Wolfsterritorien, die ihren Schwerpunkt auf tschechischer Seite bei Prebuz, Výsluni und Fláje haben. Das im Monitoringjahr 2019/2020 südlich von Marienberg mit dem Status »unklar« beschriebene Gebiet wird im Monitoringjahr 2020/2021 für Sachsen nicht mehr aufgeführt, da Wolfshinweise aus diesem Gebiet dem tschechischen Rudel Výsluni zuzuordnen sind. In der Böhmischen Schweiz sowie dem Lausitzer Gebirge befinden sich ebenfalls zwei grenzüberschreitende Rudel, bei Luzické hory východ und Luzické hory zapad, die ihren Schwerpunkt auf tschechischer Seite haben. In den grenzübergreifenden Rudeln wurden die Welpen alle auf tschechischer Seite nachgewiesen und werden demnach auch dort statistisch erfasst.

Ausbreitung ins Dresdner Umland

Auch im Raum Moritzburg und im Nationalpark Sächsische Schweiz wurden Wölfe nachgewiesen. Es konnte jedoch nicht abschließend geklärt werden, ob es sich dabei um eigenständige Vorkommen handelt oder ob diese Gebiete von benachbarten Rudeln mitgenutzt werden. Der Status blieb in diesen Gebieten daher unklar.

Schloss Moritzburg
Inzwischen streifen Wölfe auch durch die Wälder bei Moritzburg vor den Toren von Dresden. Ob sie sich dort dauerhaft ansiedeln, ist aber noch unklar. Bildrechte: dpa

23 tote Wölfe aufgefunden

Tot aufgefunden wurden in Sachsen 23 Wölfe: 14 Wölfe sind den Angaben zufolge bei Verkehrsunfällen gestorben, bei sieben Fällen handelte es sich um natürliche Todesursachen, bei einem Fall um eine illegale Tötung und bei einem weiteren Fall bleibt die Todesursache unklar. Der Schwerpunkt der Totfunde liege in den Gebieten mit hohen Wolfsvorkommen in Ostsachsen, hieß es.

So funktioniert das Wolfsmonitoring In Sachsen findet seit 2001 ein fortlaufendes Wolfsmonitoring statt, um die Größe und die Entwicklung des Wolfsvorkommens zu überwachen. Zudem liefert es Informationen zur Lebensweise der Wölfe. Das Monitoring wird im Auftrag des LfULG vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz und dem LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland durchgeführt.

Das Wolfsmonitoringjahr lehnt sich nicht an das Kalenderjahr an, sondern an das biologische "Wolfsjahr" - von der Geburt der Welpen bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Das Monitoringjahr 2020/2021 umfasst den Zeitraum vom 1. Mai 2020 bis zum 30. April 2021. Die ausführliche Datenauswertung der jährlichen Erhebung kann immer erst im Herbst abgeschlossen werden, wenn die Untersuchungsergebnisse der im Frühjahr gesammelten Genetikproben vorliegen. (Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie)

Gute Spurenlage durch schneereichen Winter

Die Fachstelle Wolf verweist darauf, dass der schneereiche Winter insbesondere in der Oberlausitz für gute Monitoringbedingungen gesorgt habe: Spuren im Schnee sowie gefrorener Urin und gefrorene Losungen - also Kot - konnten für genetische Analysen genutzt werden und ermöglichten eine Zuordnung der Tiere in den dort sehr dichten Territorien.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 28. Oktober 2021 | 14:00 Uhr

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