Altersvorsorge Wie gut ist der sächsische Beamtenfonds

Sachsen investiert pro Jahr rund eine Milliarde Euro am Aktien- und Anleihemarkt. Damit hofft der Freistaat, die Bezüge für pensionierte Beamte zahlen zu können. Doch die Zinsen sinken. SPD und CDU reagieren darauf ganz unterschiedlich. Raus aus den Aktien oder gerade jetzt mehr in Aktien investieren? Wirtschafts- und Finanzexperten haben eine klare Meinung dazu.

Älteres Ehepaar hat sich Rücken an Rücken untergehakelt und lacht
Fröhlich im Alter: Beamte können sich freuen über eine Pension. Aber wie ist die Anlagestrategie des Freistaats Sachsen? Der Finanzminister möchte mehr in Aktien investieren. Experten finden das gut. Bildrechte: Colourbox.de

Eigentlich kosten die pensionierten Beamten den Freistaat nur rund 400 Millionen Euro. Dennoch nimmt Sachsen rund eine Milliarde Euro aus dem Haushalt für den Beamtenpensionsfonds. 600 Millionen also, die, laut SPD, eingespart werden könnten. Zumal aktuell die Gewinne des Fonds niedrig sind und die Inflation das Geld, welches dem Haushalt fehlt, entwertet.

Stattdessen fordert der finanzpolitische Sprecher der SPD, Dirk Panther, in der "Sächsischen Zeitung" Investitionen in nachhaltige Projekte wie einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft.

Demografische Entwicklung

Für Professor Joachim Ragnitz vom Dresdner Ifo Institut für Wirtschaftsforschung ist das trotz aktuellem Bauboom keine nachhaltige Strategie.

Ragnitz sagt: "Die Immobilien sind zumindest in einigen Städten Deutschlands massiv überbewertet, da besteht also die Gefahr, dass es dort eben zu Preissenkungen kommt mit entsprechenden Verlusten bei so einem Fonds."

Auch spreche die demografische Entwicklung gegen eine positive Entwicklung der Immobilienmärkte. Der Wirtschafts-Experte konkretisiert: "Einfach weil wir in Zukunft weniger Haushalte haben werden, bedeutet auch weniger Wohnungen, oder mehr Homeoffice bedeutet, weniger Bürogebäude werden benötigt."

Dennoch übersteigt die Inflation aktuell die Erträge des Fonds, der vor allem auf sicheren Landesanleihen beruht, aber dadurch nur niedrig verzinst ist. Deswegen will CDU Finanzminister Hartmut Vorjohann nachjustieren und bis Ende nächsten Jahres den Aktienanteil im Fond fast verdoppeln, auf bis zu 30 Prozent.

Langfristige Investition

Für Olaf Stotz, Professor für Geldanlage und Altersvorsorge an der Frankfurt School of Business, einer der führenden deutschen Wirtschaftsuniversitäten, ist dies in Zeiten niedriger Zinsen eine sinnvolle Strategie, zumal ein Pensionsfonds langfristig funktionieren soll.

Die Verlustmöglichkeiten kurzfristig sind natürlich höher, aber die langfristigen Ertragschancen überwiegen letztendlich auch die kurzfristigen Risiken.

Olaf Stotz Professor für Geldanlage und Altersvorsorge an der Frankfurt School of Business

Wie sinnvoll eine hohe Anlagequote ist, zeige das Beispiel Schweden, sagt Stotz. Dort würden sogar Kredite aufgenommen werden, um noch mehr Geld in den Rentenfond zu investieren. "Die nicht nur 100 Prozent Aktien in ihren Fonds haben, sondern teilweise sogar 120 oder 130 Prozent und dadurch natürlich langfristig am Wirtschaftswachstum überproportional profitieren."

Nicht Bürger und Beamte gegeneinander ausspielen

Dennoch versteht der Professor für Geldanlage, dass es irritieren kann, wenn es auf der einen Seite zu Steuererhöhungen kommt, auf der anderen Seite aber ein zehn Milliarden Euro großer Fonds nicht angefasst werden soll.

Dennoch warnt Stotz davor, Bürger und Beamte gegeneinander auszuspielen. Denn den Beamten steht gesetzlich eine Pension zu und bei der demografischen Entwicklung werde in Zukunft die Zahl der Steuerzahler sinken. Deswegen müsse langfristig geplant werden.

"Menschen tendieren in der Regel dazu, insbesondere Politiker, die natürlich an die nächste Wahl denken, kurzfristige Motive in ihren Entscheidungen deutlich stärker zu gewichten als langfristige", sagt Stotz.

"Deswegen ist es gerade bei so einer Frage Finanzierung von Beamtenpensionen eher eine langfristige Entscheidung, die nicht unbedingt von kurzfristigen Motiven stark beeinflusst werden sollte."

Reporter interviewt Mann 38 min
Bildrechte: MDR/Isabel Theis

Und Ifo-Experte Ragnitz verweist darauf, würde das Geld nicht angelegt, sondern im Haushalt investiert werden, ist nicht damit zu rechnen, dass der Freistaat zum Beispiel durch höhere Steuereinnahmen profitieren würde.

Denn der Großteil der sächsischen Steuereinnahmen seien Zuweisungen von Bundessteuern oder Gelder aus dem Länderfinanzausgleich und dadurch nicht von sächsischen Investitionen abhängig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Juni 2022 | 05:00 Uhr

Mehr aus Sachsen