Barmer-Report Kita- und Hortbeschäftigte in Sachsen besonders häufig krank

Arbeitsbelastung und Stress von Erzieherinnen und Erziehern in sächsischen Kitas und Horten sind hoch. Durch die Hygieneauflagen und Notbetreuung in der Pandemie hat sich die Situation noch einmal verschärft. Das wirkt sich auf die Gesundheit der Beschäftigten aus, wie eine Analyse der Barmer-Krankenkasse zeigt.

Kita-Kinder beim Spielen
Die Arbeit in der Kinderbetreuung macht laut einer Datenanalyse der Barmer-Krankenkasse häufig krank. Bildrechte: Colourbox.de

Beschäftigte, die in der Kinderbetreuung arbeiten, fallen deutlich häufiger durch Krankheit aus, als der Durchschnitt aller Erwerbstätigen in Sachsen. Das geht aus einer aktuellen Datenanalyse der Barmer-Krankenkasse hervor. Demnach waren Erzieherinnen und Erzieher in Kitas und Horten sowie Tagesmütter und Heimerzieher im Jahr 2020 im Durchschnitt knapp 31 Tage arbeitsunfähig zu Hause.

Über alle Berufe hinweg zählte die Barmer bei Sachsens Beschäftigten dagegen rund 20 Krankentage im ersten Pandemiejahr 2020. Häufiger als Beschäftigte in der Kinderbetreuung fielen nur noch Mitarbeitende in der Altenpflege mit durchschnittlich etwas mehr als 31 Fehltagen sowie im Post- und Zustelldienst mit knapp 36 Fehltagen aus.

Hohe Arbeitsbelastung in Kitas

Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der Barmer, nennt die Zahlen besorgniserregend - zumal es sich bei der Kinderbetreuung um einen systemrelevanten Bereich der Gesellschaft handelt. Für ihn erklärt sich der hohe Krankenstand mit der großen Verantwortung und Arbeitsbelastung in dem Berufsfeld. Hier komme es zu einem Teufelskreis: Personalausfälle führten zu einer stärkeren Belastung des Teams, dadurch komme es zu weiteren Ausfällen durch Überlastung.

Die Arbeit mit Kindern ist sehr fordernd und bringt eine hohe Verantwortung mit sich. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie dürften die Belastungen unter anderem durch die Umsetzung von Hygienekonzepten und Notbetreuungen weiter gestiegen sein.

Fabian Magerl Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen

Psychische Leiden dominieren

Auffallend häufig wurden laut Barmer-Report im Jahr 2020 bei den Erzieherinnen und Erziehern psychische Leiden wie Depressionen diagnostiziert. Auf sie fielen im Durchschnitt laut Statistik gut sechs Krankheitstage. Zum Vergleich: Der Landesdurchschnitt über alle Berufe hinweg lag laut Barmer-Erhebung bei knapp vier Krankheitstagen.

Fast genauso häufig gab es bei Erzieherinnen und Erziehern nach der Analyse Erkrankungen im Muskel-Skelettsystem sowie Atemwegserkrankungen wie Erkältungen oder Husten mit ebenfalls rund sechs Krankheitstagen. Corona spielte im ersten Pandemiejahr eine untergeordnete Rolle. Covid-19-Diagnosen führten statistisch zu 0,2 Krankheitstagen pro Erzieherin und Erzieher.

Barmer-Gesundheitsreport

Für Sachsen wurden Daten von mehr als 113.400 Erwerbspersonen analysiert. Laut Datenlage sind Erzieherinnen und Erzieher bis zu zehn Tage mehr krankgeschrieben. Die häufigsten Diagnosen sind Rückenschmerzen, Depressionen und Erkältungen. Im Freistaat arbeiten knapp 47.000 Menschen in der Kinderbetreuung und -erziehung. ===> Hier geht es zu Daten des Barmer-Gesundheitsreports im Netz.

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Um den Teufelskreis der Personalausfälle zu durchbrechen, müssten die Arbeitgeber in den Einrichtungen ihre Anstrengungen beim betrieblichen Gesundheitsmanagement intensivieren, sagt Magerl. "Die Gesundheitsförderung dieser Berufsgruppe muss unbedingt stärker in den Fokus gerückt werden." Ziel müsse es sein, die Beschäftigten zu entlasten. Als Beispiele präventiver Gesundheitsvorsorge nennt die Barmer digitale Angebote wie Meditations-Apps und Online-Seminare zur Stressbewältigung.

GEW: Personalschlüssel verbessern

Uschi Kruse, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), nennt die Zahlen des Barmer-Reports erschreckend. Sie seien auch deshalb alarmierend, weil die pädagogischen Fachkräfte in Kitas und Horten in der überwiegenden Mehrheit teilzeitbeschäftigt sind. Es sei dringend erforderlich, die Rahmenbedingung für die Arbeit zu verbessern, so Kruse. Sie verweist darauf, dass Sachsen nach Mecklenburg-Vorpommern in der Kitabetreuung den zweitschlechtesten Personalschlüssel hat. Ihre Forderung: Krankheitstage, Urlaub und Fortbildung müssen im Personalschlüssel mit berücksichtigt werden.

Kinder sitzen mit Masken im Unterricht 8 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR (ma)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 10. März 2022 | 15:30 Uhr

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