Ausbildungsmarkt Trotz Corona-Krise: Azubi-Bewerber haben Auswahl in Sachsen

Start in die Zukunft
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Die Corona-Krise erschwert die Ausbildungssuche in Sachsen, hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) festgestellt. Von Oktober 2020 bis März 2021 haben insgesamt rund 14.500 Jugendliche in Sachsen auch mit Hilfe der Berufsberatung einen Ausbildungsplatz gesucht. Das waren knapp zehn Prozent oder 1.578 Suchende weniger als noch im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum haben die Firmen mehr als 15.500 Berufsausbildungsstellen gemeldet - drei Prozent weniger als vor einem Jahr.

Kontaktbeschränkungen erschweren Zugang für Jugendliche

«Azubis gesucht» steht auf einem Banner am Stand einer Firma beim Forum Berufsstart Mitteldeutschland in Erfurt.
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Dennoch wertet die Bundesarbeitsagentur das Angebot positiv. Es sei erfreulich, "dass viele sächsische Unternehmen trotz der aktuellen Bedingungen auf Ausbildung setzen und aktiv ihren Fachkräftenachwuchs gestalten", sagte der Chef der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (BA), Klaus-Peter Hansen.

In seiner Halbjahresbilanz verwies er auf den schwierigeren Zugang zu den Jugendlichen. Das sehe man an den zurückgegangen Bewerberzahlen. Hinzu komme, dass Betriebe auch weniger Praktika anböten. "Die Jugendlichen sind einerseits mit ihrem Schulabschluss beschäftigt und andererseits schränkt der Lockdown weiter unsere persönliche Beratung in den Arbeitsagenturen aber auch Schulen ein", erklärte Hansen.

Wir appellieren, dass alle an einer Ausbildung interessierten jungen Menschen unsere Online-Angebote nutzen und sich bei der Jugendberufsagentur melden. Nur dann können wir die Lehrstellen möglichst passgenau vermitteln und dabei helfen, dass kein Jugendlicher verlorengeht.

Klaus-Peter Hansen Vorsitzender Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (BA)

Eine junge Frau arbeitet an einem Laptop
"Was will ich mal werden?" Antworten auf diese Frage suchen tausende junge Menschen in Sachsen. Praktika- und Lehrstellensuche ist für sie in Corona-Zeiten besonders schwer. Wegen der Kontaktbeschränkungen gibt es Online-Beratungen, aber auch Bewerbungsgespräche per Video. Bildrechte: dpa

Theoretisch für jeden Suchenden eine freie Stelle

Das Ausbildungsjahr beginnt stets im Oktober eines Jahres. Derzeit suchen noch 9.778 Schülerinnen und Schüler nach einem Ausbildungsplatz. Die Unentschlossenen können aus 10.566 freien Ausbildungsstellen wählen. Rein rechnerisch gäbe es für jeden Bewerber mindestens eine freie Stelle. Aber ein Drittel der jungen Leute hat speziell zehn Berufe im Blick.

Die Dauerbrenner: Verkauf und Frisör

Es gibt 330 Ausbildungsberufe, für die sich 9.292 junge Menschen entschieden haben. Aber einer von drei Jugendlichen sieht seine Zukunft in einem dieser Top-Ten-Berufe:

  • 1. Verkäufer/in
  • 2. Kaufmann/-frau im Einzelhandel
  • 3. Kfz-Mechatroniker - Pkw-Technik
  • 4. Kaufmann/-frau - Büromanagement
  • 5. Fachlagerist/in
  • 6. Tischler/in
  • 7. Verwaltungsfachangest.- Kommunalverwaltung
  • 8. Fachinformatiker-Anwendungsentwicklung
  • 9. Mechatroniker/in
  • 10. Frisör/in (Dieser Beruf hat den Koch/die Köchin aus der Liste unter den Top Zehn abgelöst.)

Blick auf die Schulabschlüsse

Etwas mehr als ein Viertel der Lehrstellen-Suchenden haben eine Hauptschulabschluss (3.849), mehr als die Hälfte einen Realschulabschluss (8.075). Zehn Prozent der jungen Bewerber streben die Fachhochschulreife oder das Abitur (1.445) an.

Rückblick: Bundesweite Bilanz nach erstem Corona-Jahr

Die Berufsausbildung in den Betrieben hat in der Corona-Krise bundesweit stark gelitten. 2020 wurden 9,4 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge in der dualen Berufsausbildung abgeschlossen als 2019, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Zwar seien die Zahlen seit Jahren tendenziell rückläufig - der Einbruch 2020 war aber "in seiner Höhe bislang einzigartig".

Rund 465.200 junge Männer und Frauen schlossen 2020 einen Ausbildungsvertrag ab. Der Rückgang betreffe zwar alle Bundesländer, in Hamburg und im Saarland fiel er mit minus 13,5 Prozent und minus 12,4 Prozent besonders stark aus. In Sachsen galt er mit minus 4,8 Prozent als vergleichsweise gering.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 14. April 2021 | 12:30 Uhr

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